Banken-Boykott bringt Exporte in den Iran zum Versiegen

Der Zahlungsverkehr mit dem Iran ist fast lahmgelegt. Deshalb können kaum mehr Güter ausgeführt werden.

Erschwerter Zahlungsverkehr: Ein unbekannter Teil der iranischen Banken ist auf einer schwarzen Liste gelandet. Exporteure können darum nicht sicher sein, ihr Geld zu erhalten.

Erschwerter Zahlungsverkehr: Ein unbekannter Teil der iranischen Banken ist auf einer schwarzen Liste gelandet. Exporteure können darum nicht sicher sein, ihr Geld zu erhalten.

(Bild: Keystone)

Bruno Schletti@tagesanzeiger

«Wir sind immer noch offen für Versicherungen von Exporten in den Iran.» Sonja Kohler, Sprecherin der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (Serv), sagt es bestimmt. Sie räumt aber ein, dass es für Schweizer Exporteure immer schwieriger wird, eine Handelsbeziehung mit Kunden im Iran zu unterhalten. Die Rede ist nicht von delikaten Gütern, die auf der Boykottliste der UNO stehen – etwa solchen, die in der Atomindustrie Verwendung finden könnten. Probleme gibt es auch bei harmlosen Produkten wie Medikamenten oder Maschinen, die in der Nahrungsproduktion gebraucht werden.

Das Problem ist der Zahlungsverkehr. Mit der Verschärfung der UNO-Sanktionen im Juni ist ein Teil der iranischen Banken auf einer schwarzen Liste gelandet. Schweizer Banken und Firmen dürfen mit diesen Geldinstituten nicht mehr zusammenarbeiten. Ist ein so gesperrtes Institut Hausbank eines iranischen Kunden, hat der schweizerische Lieferant ein Problem. Er kann sein Produkt zwar ausführen, für den Zahlungsverkehr muss er beziehungsweise sein Abnehmer aber zuerst ein Ersatzinstitut finden, das auf keiner schwarzen Liste steht.

Nur noch humanitäre Güter

Sonja Kohler sagt deshalb: «Die Auswirkungen auf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs sind gross.» Die Exporteure seien nicht sicher, ob sie ihr Geld auch bekämen. Viele Schweizer Unternehmer seien deshalb verunsichert.

Die Zürcher Kantonalbank bestätigt die Entwicklung: «Sobald eine iranische Bank auf einer UNO- oder EU-Liste erscheint, werden sämtliche Geschäftsbeziehungen mit dem entsprechenden Institut eingefroren.» Nachdem sich UBS und Credit Suisse nach 2005 aus dem Iran-Geschäft zurückgezogen hatten, ist die ZKB teilweise in die Lücke gesprungen. Da sie im Gegensatz zu den beiden Grossbanken in den USA nicht aktiv ist, war sie dem Druck der Amerikaner nicht direkt ausgesetzt. Inzwischen sagt die ZKB, dass sie für Schweizer Kunden nur noch Iran-Geschäfte im humanitären Bereich abwickle.

Tages-Anzeiger

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