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Katastrophenschäden in dicht besiedelten Küstenregionen sind teuer Versicherer stemmen wegen Naturereignissen höhere Schadenlasten Von Marc Forster, sda Hintergrund

Naturkatastrophen wie der Hurrikan Sandy setzen der Versicherungsbranche immer mehr zu.

Heute sind die Versicherer mit deutlich höheren Schadenforderungen konfrontiert, als sie es noch vor 30 Jahren waren. Ein Grund dafür ist, dass die Zahl der Bewohner in gefährdeten Küstenregionen wächst. Über das Ausmass der Schäden, die der Wirbelsturm Sandy vor zwei Wochen an der amerikanischen Ostküste und in der Weltstadt New York verursacht hat, gibt es im Moment nur Schätzungen. Eqecat, ein Unternehmen für Risikoanalysen, hält einen volkswirtschaftlichen Schaden von 30 bis 50 Milliarden Dollar und versicherte Schäden von bis zu 20 Milliarden Dollar für möglich. Billig wird es für die Versicherer deshalb nicht, weil Sandy auf ein hochentwickeltes Gebiet traf. Die Sturmflut hat Schäden an Strom- und Versorgungssystemen oder an der New Yorker U-Bahn angerichtet und die Industrie lahmgelegt. In Drittweltländern sind bei Naturkatastrophen vor allem Menschen betroffen, die Versicherer kommen dagegen meist glimpflich davon, wie das schwere Haiti- Erdbeben 2010 zeigte. Der grösste bisher versicherte Schaden entstand 2005 mit 70 Milliarden Dollar durch den Hurrikan Katrina. Das Unwetter traf auf niedrig liegende Küstengegenden des US-Staates Louisiana mit der Metropole New Orleans. Sandy ist voraussichtlich der grösste durch ein einzelnes Naturereignis verursachte Schaden in diesem Jahr. Ein Milliarde in Küstengebieten Der deutsche Allianz-Konzern schätzt, dass sich die Ausgaben der Versicherer alleine für Wetterschäden in den vergangenen drei Jahrzehnten nominal um das 15-fache gestiegen sind. Dies hat damit zu tun, dass mit Wirtschaftswachstum und grösserem Wohlstand heute mehr Vermögenswerte versichert sind als 1982. Der Meteorologe der Allianz-Tochter Allianz Re, Markus Stowasser, wies diese Woche aber auch darauf hin, dass gefährdete Küstenregionen immer grössere Ballungszentren aufweisen. Heute lebt eine Milliarde Menschen in tiefliegenden Küstengegenden. Asien, wo der Wohlstand derzeit am stärksten wächst, ist besonders gefährdet. Die Gefahr von Überschwemmungen in den Küstenlandschaften steigt auch als Folge des Klimawandels, weil der Meeresspiegel steigt. In der Gegend von New York könnte laut der Allianz ein starker Hurrikan heute eine Billion Dollar Schaden anrichten. Die Summe dürfte in etwa 40 Jahren fünf mal so hoch liegen. Rückversicherer gelassen Sandy könnte nur ein Vorbote sein: Die Allianz erwartet in den nächsten Jahren mehr Unwetter, mit starken wirtschaftlichen Folgen. Sechs der zehn grössten wirtschaftlichen Schäden nach Naturkatastrophen entstanden zwischen 2008 und 2011. Bei den versicherten Schäden waren sieben der zehn grössten Fälle zwischen 2005 und 2011. Was Sandy anbelangt, zeigen sich die Rückversicherer im Moment als die Ruhe selbst. Der Branchendritte Hannover Rück schrieb am Dienstag, man könne seinen Anteil bei Schäden von bis zu 20 Milliarden Dollar aus dem normalen Budget begleichen. Der Weltmarktführer Münchener Rück hob unbeeindruckt von Sandy die Gewinnprognose an. Geschäft mit Verbriefungen Bei der Swiss Re bleibt man vorsichtig, denn das Jahr hat noch knapp zwei Monate: «Ich mag es nicht, Prognosen zu machen», sagte Finanzchef George Quinn am Donnertag. Zum Ausmass der Schäden durch Sandy verzichtete man in Zürich auf Schätzungen. Die Swiss Re macht aus Naturkatastrophen- und anderen Risiken aber auch ein Geschäft, indem sie die Risiken verbrieft und als Wertpapiere an die Finanzmärkte bringt. Mit diesen Papieren wetten die Anleger auf das Eintreten oder Nichtauftreten grosser Schäden.

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