Falsche Angaben bei Bewerbungen

Immer mehr Menschen versehen ihren Lebenslauf mit Übertreibungen oder sogar Lügen.

Viele Bewerber nehmen es mit ihrem Lebenslauf nicht so genau. Symbolbild: Madeleine Schoder

Viele Bewerber nehmen es mit ihrem Lebenslauf nicht so genau. Symbolbild: Madeleine Schoder

Barbara Gutzwiller@arbeitgeberbasl

Es sind ernüchternde Zahlen: Nur 40 Prozent aller Stellenbewerber halten sich bei ihren Angaben noch an die Wahrheit, ohne zu beschönigen, zu übertreiben oder zu verschweigen. Dies wurde von der Aequivalent AG in einer Studie aufgedeckt und konnte kürzlich der «Handelszeitung» ­entnommen werden.

Die auf Mitarbeiter-Screenings ­spezialisierte Firma analysierte 3342 Bewerbungsdossiers im Hinblick auf die Richtigkeit der darin gemachten Aussagen. In rund 7 Prozent der Dossiers fand sie effektive Lügen und bewusste Falschangaben. In 53 Prozent der Dossiers entdeckte sie mindestens Übertreibungen. Die Palette der Unwahrheiten reichte von verschwiegenen Nebenbeschäftigungen bis zu angemassten fachlichen Qualifikationen, angeblich erworbenen Diplomen und erfundenen Doktortiteln. Daneben fanden sich auch viele unpräzise Angaben, die wegen des Verbots, ehemalige Arbeitgeber zu kontaktieren, sowie fehlender ­Arbeitszeugnissen, insbesondere im Zusammenhang mit Berufserfahrung in der Schweiz, kaum ergänzt werden konnten.

28 Prozent der im Lebenslauf als abgeschlossen aufgeführten Ausbildungen erwiesen sich als noch andauernd, abgebrochen oder auf einem niedrigeren Level abgeschlossen.

Zwar ist es nicht so, dass früher nicht gelogen worden wäre. Die Zunahme der unkorrekten Angaben aber ist bemerkenswert. So erwiesen sich in der Untersuchung 28 Prozent der im Lebenslauf als abgeschlossen auf­geführten Ausbildungen als noch andauernd, abgebrochen oder auf einem niedrigeren Level abgeschlossen als angegeben. Lügen in Bezug auf Diplome und Qualifikationen fanden sich in 8 Prozent (Vorjahr 4 Prozent) der Dossiers.

Parallel dazu scheinen sich die Bewerber wenig Sorgen über ihren Social-Media-Auftritt zu machen, obwohl gerade dort zahlreiche Unstimmig­keiten mit dem im Bewerbungsdossier angegebenen Lebenslauf offensichtlich werden und sich rassistische oder diskriminierende Äusserungen, ­Beweise für Suchtmittelmissbrauch oder generell inadäquates Verhalten sicher nicht positiv auswirken bei der Suche nach einer (neuen) Stelle.

Besonders häufig lügen im Übrigen junge Arbeitnehmer bis 35 und solche, die über ein externes Unternehmen im Betrieb beschäftigt sind. Der Gründer und Chef der Firma Aequivalent AG verweist darauf, wie wichtig es ist, dem «Vorleben» der Kandidaten genügend Bedeutung einzuräumen, wenn man Fehlbesetzungen vermeiden will. Da man sich heute seltener persönlich kenne und die soziale Kontrolle ­deshalb weniger spiele, rät er vor allem Unternehmen mit internatio­naler Belegschaft dazu, sich nicht nur auf die Bewerbungsunterlagen und das -gespräch zu verlassen, sondern einen sogenannten Background-Check durchzuführen, um das durch Globalisierung und Digitalisierung stark angestiegene Schadenspotenzial zu verringern.

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