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Der türkische Vorzeigeunternehmer steigt aus

Mit seinem Auftreten und seiner durchsetzungsfähigen Art wurde Vural Öger in 40 Jahren zum mehrfachen Millionär und zum wohl erfolgreichsten türkischen Einwanderer nach Deutschland.

Mehr als 1,3 Millionen Menschen flogen vergangenes Jahr mit einer von Ögers Reisefirmen vor allem in die Türkei. Jetzt zieht sich der studierte Ingenieur aus dem Hauptgeschäft zurück und verkauft Öger Tours an den Konkurrenten Thomas Cook.

Öger entstammt einer türkischen Offiziersfamilie. 1942 wurde er in Ankara geboren. Nach dem Abitur kam er 1960 nach Deutschland, wo er in Berlin Bergbau- und Hüttenwesen studierte. Karriere machte er aber in einer anderen Branche, dem Reisegeschäft.

Er lenkte deutsche Urlauber an türkische Strände

Als Öger 1960 nach Deutschland kam, war er als Türke hier ein Exot. Dann aber begann die Anwerbungswelle deutscher Unternehmen in der Türkei, die Millionen Männer und Frauen als Gastarbeiter nach Deutschland brachte. Öger spürte die Sehnsucht seiner Landsleute nach der Heimat und half ihnen: 1969 begann er mit der Vermittlung billiger Charterflüge zwischen den deutschen Metropolen und der Türkei.

Ein Riesenhit - doch Öger blieb nicht bei der margenschwachen Flugvermittlung stehen. Deutsche Urlauber, die bisher Mallorca oder die Costa Brava ansteuerten, wollte er an türkische Strände umlenken. Auch diese Idee wurde ein Riesenerfolg. Urlaub in der Türkei ist häufig billiger als in Spanien, die Hotels sind oft besser. Inzwischen ist die Türkei das zweiwichtigste Mittelmeerziel für deutsche Touristen und wird nach Einschätzung von Marktkennern Spanien demnächst ablösen - auch ein Erfolg für Öger, der abwechselnd in Hamburg und der Türkei lebt. 1990 erhielt Öger die deutsche Staatsbürgerschaft.

Der Firmenchef ging in die Politik - für die SPD

Es blieb nicht beim geschäftlichen Erfolg: Der dreifache Vater wollte den beiden Ländern etwas zurückgeben. Der ehemalige CSU-Chef Edmund Stoiber war dann dafür verantwortlich, dass Vural Öger 2002 zum Sozialdemokraten wurde. Seinen Eintritt in die SPD begründete der türkischstämmige Reiseunternehmer mit «wahrheitswidrigen Behauptungen» des bayerischen Ministerpräsidenten zum Thema Zuwanderung. Die SPD schickte Öger bis 2009 als Abgeordneten in das Europaparlament.

1998 zählte der Unternehmer zu den Gründern der Deutsch-Türkischen Stiftung, in der sich zahlreiche Prominente aus beiden Ländern engagieren. Er gehörte zur sogenannten Süssmuth-Kommission, die das moderne Zuwanderungsgesetz der damaligen rot-grünen Bundesregierung vorbereitete. Ausserdem kümmert er sich um Opfer von Erdbeben in der Türkei.

Öger übergab sein Unternehmen an seine Tochter

Öger nutzt seine Rolle zwischen den beiden Länder und schont keine Seite: Von den türkischen Immigranten hier verlangt er mehr Integration. Gleichzeitig wirbt er für die Aufnahme der Türkei in die EU, ein rotes Tuch für die CSU und Angela Merkel. 2001 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

In den letzten Jahren machte die immer schärfere Konkurrenz auf dem Reisemarkt Öger zu schaffen. Er hatte die Geschäftsführung an seine Tochter Nina übergeben, aber die Wachstumsdynamik früherer Jahre kam nicht zurück. Öger bot sein Unternehmen mehreren Interessenten an, zuletzt kam Thomas Cook zum Zug. Als Kaufpreis wurden 30 Millionen Euro genannt, aber in Ögers Tasche fliessen wegen hoher Unternehmensschulden deutlich weniger. In der Branche wird ein einstelliger Millionenbetrag genannt.

dapd/mt

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