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Johnson & Johnson drängt mit Crucell-Kauf ins Impfgeschäft Frühere Berna Biotech kommt via Holland in amerikanische Hände

Amsterdam In der Pharmabranche bahnt sich eine weitere Milliarden-Übernahme an.

Der US-Pharmariese Johnson & Johnson (J&J) drängt mit der vollständigen Übernahme des Biotech- Unternehmens Crucell ins Impfgeschäft. Crucell hatte 2006 den Berner Impfstoff-Hersteller Berna Biotech übernommen. J&J hält derzeit 17,9 Prozent an der niederländischen Crucell. Für die übrigen Aktien zahlt das Unternehmen nach Angaben vom Freitag 1,75 Mrd. Euro. Der Preis von 24.75 Euro in bar je Crucell-Aktie entspricht einem Aufschlag von 58 Prozent zum Schlusskurs vom Donnerstag. Die Papiere schossen nach Bekanntwerden des Angebots um rund 55 Prozent in die Höhe. Analysten sprachen von einem «K.O.-Angebot» von J&J. Eine Bieterschlacht um Crucell sei nicht zu erwarten. Experten sehen in der bevorstehenden Übernahme einen weiteren Beleg dafür, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch andere erfolgreiche Biotech-Unternehmen von etablierten Pharmariesen geschluckt werden. Weil lukrative Patente auslaufen, haben viele Pharmakonzerne nun Biotech-Unternehmen ins Visier genommen. So bietet der französische Pharmariese Sanofi-Aventis rund 18,5 Mrd. Dollar für das US-Biotech- Unternehmen Genzyme. Neues Geschäftsfeld Der Pharma- und Konsumgüter-Konzern Johnson & Johnson ist derzeit noch gar nicht im Impfgeschäft aktiv. Die Amerikaner, die unter anderem bekannte Marken wie Penaten-Creme oder Bebe- Hautpflegeprodukte herstellen, waren vor einem Jahr bei Crucell eingestiegen. Crucell ist die weltweite Nummer sechs der Branche und produziert beispielsweise Impfungen gegen Grippe und Kinderkrankheiten. Zudem arbeitet der Konzern an Wirkstoffen gegen Gelbfieber, Tuberkulose und Malaria. Im Jahr 2009 lieferte Crucell nach eigenen Angaben mehr als 115 Millionen Impfstoff-Dosen in über hundert Länder - die Mehrheit davon in Entwicklungsländer, in denen viele Pharmakonzerne ihr Geschäft ausbauen wollen, um von den höheren Wachstumsraten zu profitieren. Kein Stellenabbau Crucell ihrerseits verspricht sich von der Übernahme eine Beschleunigung ihres Entwicklungsprogramms dank der Finanzkraft von J&J. «Wir sind davon überzeugt, gemeinsam ein sehr starkes Team zu bilden», starkes Crucell-Chef Ronald Brus. Der bisherige Firmensitz im niederländischen Leiden soll erhalten bleiben. Auch sei derzeit kein Stellenabbau geplant, hiess es in der Mitteilung weiter. Berna baute ab Zu einem Stellenabbau war es in der Schweiz gekommen, als Crucell Anfang 2006 Berna Biotech für rund 590 Mio. Fr. gekauft hatte. Die Niederländer zogen die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Bern ab und konzentrierte sie in Leiden. Für Berna Biotech hatte sich auch der Pharmakonzern Novartis interessiert. Die Basler wollten sich aber nicht auf einen Bieterstreit mit Crucell einlassen.

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