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Japan entfernt sich immer weiter von goldenen Jahren Von Lars Nicolaysen, DPA Hintergrund

Tokio Japan war einst der Musterknabe der Weltwirtschaft.

Heute stagniert die Wirtschaft, dem Land fehlt die Dynamik. Die Deflation und der zuletzt rasant gestiegene Yen machen der Wirtschaft zusätzlich zu schaffen. Regierung und Zentralbank versuchen gegenzusteuern. Einst galt Japan im Westen als wirtschaftliches «Wunderland»: Mit seiner andersartigen Kultur, seinem Wertesystem und seiner politischen Ordnung sei es der fernöstlichen «Wirtschaftsmaschinerie» gelungen, den «Westen zu erobern». So wurde Japan noch Anfang der 90er Jahre beschrieben - in einer Mischung aus Bewunderung und Furcht. In New York erwarben damals Japaner das Rockefeller Center, Sony griff nach Hollywood, und Hawaii verwandelte sich in einen fernöstlichen Golfplatz. Doch dann beendete das Platzen einer irrwitzigen Immobilienblase Japans wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Das Land stürzte in eine strukturelle Krise, aus der es bis heute nicht herausgekommen ist. Strukturelle Krise Das zeigen die jüngsten Konjunkturdaten: Das Bruttoinlandprodukt des Landes stieg im zweiten Kalenderquartal angesichts geringerer Exporte und des schwachen Binnenkonsums nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,4 Prozent. Zwar legten die Exporte im Juli zum Vorjahresmonat um 23,5 Prozent zu. Doch schwächt sich der Anstieg bereits seit fünf Monaten ab. Dass China statistisch nun Japan als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt überflügelte, sorgte weltweit für Schlagzeilen, auch wenn die Japaner immer noch zu den reichsten Völkern der Welt gehören. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen belief sich vergangenes Jahr auf umgerechnet 37'800 Dollar, während die Chinesen auf gerade einmal 3600 Dollar pro Kopf kamen. Doch ändert dies nichts daran, dass Japan mit seiner rasant alternden und schrumpfenden Bevölkerung seit Jahrzehnten die Dynamik fehlt. Die Wirtschaft stagniert heute bestenfalls und ist weiterhin stark vom Export abhängig. Inzwischen steckt das Land wieder in einer hartnäckigen Deflation mit andauernd sinkenden Preisen. Yen-Stärke Und nun kommt auch noch die rasante Festigung des Yen hinzu und macht der Exportwirtschaft das Leben immer schwerer: Seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers ist der Yen zum Dollar um ein Viertel teurer geworden, zum Euro stieg er zuletzt auf ein Neun- Jahres-Hoch. Ein Grund dafür ist schlicht, dass es zwar um Japan traurig aussieht, es aber stabil ist. Entsprechend flüchten viele Investoren aus Sorge um die globale Konjunkturlage in risikoärmere Währungen wie den Yen. Eine plötzliche Abwertung brauchen Anleger nicht zu befürchten, denn anders als zum Beispiel im Fall von Griechenland ist Japan nicht im Ausland, sondern fast ausschliesslich bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Das macht Panikverkäufe unwahrscheinlich. Sein Handelsbilanzüberschuss macht Japan unabhängiger von ausländischem Kapital. Zudem hat sich die Zinsdifferenz zu Europa und den USA inzwischen verringert, japanische Anleihen sind wieder attraktiv. Und schliesslich haben Staaten wie China begonnen, Yen zu erwerben, um ihr Devisenportfolio weniger abhängig von Dollar und Euro zu machen. Trübe Aussichten Vor diesem Hintergrund halten Ökonomen die Chancen, durch eine nun beschlossene weitere Lockerung der Geldpolitik den Yen-Kurs zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln, für gering. Trotz der zusätzlichen Liquidität seien die Unternehmen kaum bereit, angesichts der trüben Wachstums- und Konjunkturaussichten im Inland mehr zu investieren. Auch eine Devisenintervention gilt als kaum wirksam, zumal Japan China ein Argument liefern würde, die erhoffte Aufwertung des Yuan aufzuschieben. Die geplanten neuen Stimulierungsmassnahmen der japanischen Regierung zur Ankurbelung des Konsums würden zudem zu einer nur noch höheren Staatsverschuldung führen. Nichts Neues im Osten also? Japan werde einfach «weiterwurschteln», sagte ein Ökonom.

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