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HD-Voice: Säuseln statt brüllen Von Kurt Haupt, SDA/MID

Wer telefoniert, will verstanden werden.

Während man im Jahre 1880 bei den ersten Telefongesprächen im Schweizer Netz noch heftig brüllte, kann man heute seinen Telefonpartner Gefühlvolles ins Ohr säuseln. Forscher, Gerätehersteller und Netzbetreiber arbeiten fortwährend an Verbesserungen der Gesprächsqualität. Ab Mitte November zeigt der Telefonanbieter Orange erstmals in der Schweiz in je einem Shop in Genf und Zürich, wie gut Handytelefonate in Zukunft tönen. Der neue Dienst nennt sich HD Voice und setzt nicht nur eine Anpassung am Handynetz sondern auch neue Handys bei den Gesprächspartnern voraus. Dank eines erweiterten Frequenzbereiches hat man bei HD Voice das Gefühl, seinem Gesprächspartner «näher» zu sein. Ferner sind Gespräche verständlicher und lassen auch in lauter Umgebung eher eine klare Kommunikation zu. Mehr Höhen und Tiefen Heutige Telefongespräche übertragen normalerweise nur Frequenzen zwischen 300 bis 3400 Hertz. Die tieferen «emotionalen» Klangkomponenten werden genauso abgeschnitten wie die höheren Frequenzbereiche, die vor allem die Verständlichkeit erhöhen. Die Grundfrequenz der menschlichen Sprache liegt bei Männern bei 100 Hertz und bei Frauen bei 200 Hertz. Dass wir beim Telefonieren trotzdem Männer und Frauen einfach unterscheiden können, liegt in der Fähigkeit des Gehirns, Obertöne entsprechend zu interpretieren. Beim neuen HD Voice werden nun Frequenzen von 50 bis 7000 Hertz übertragen. Man nimmt dadurch Unterhaltungen als näher wahr und hat das Gefühl, der Partner befinde sich im selben Raum. Mehr Qualität mit wenig Daten Verblüffend ist, dass HD Voice mehr Qualität liefert, aber dazu nicht mehr digitale Informationen erzeugt. Eine geringe Datenmenge pro Gespräch ist für die Netzbetreiber wichtig, weil sie auf der bestehenden Infrastruktur möglichst viele Gespräche abwickeln möchten. Den doppelten Vorteil verdankt HD Voice einem verbesserten Codec. Dieser sorgt für die Umwandlung von analogen Tönen in Bits und Bytes und wieder zurück. Um von der neuen Gesprächsqualität zu profitieren, müssen aber einige Kriterien erfüllt sein. So müssen beide Gesprächspartner ein passendes Handy haben und alle beteiligten Netzbetreiber müssen die neue Technik unterstützen. Zu Beginn wird also HD-Voice nur zwischen Orange-Kunden möglich sein. Da die neue Technik standardisiert ist, wird sie voraussichtlich auch von anderen Anbietern übernommen. «Die Einführung von HD Voice ist bei Swisscom derzeit nicht geplant,» erklärt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. «Unsere Kunden profitieren aber bereits heute von einer sehr guten Sprachqualität. Wenn HD-Voice-fähige Handys in ausreichender Zahl verfügbar sind, können wir unser Netz kurzfristig mit HD Voice ausrüsten», versichert Swisscom weiter. Handy besser als Festnetz Wer nun hofft, dass demnächst auch Festnetzgespräche mit besserer Qualität möglich sind, wird enttäuscht. Da Millionen von bestehenden Telefongeräten auf der alten aber bewährten Technik basieren, ist ein Wechsel schwer durchsetzbar. Lediglich wer statt normaler analoger Telefonie auf Internet-Telefonie (VoIP) setzt, profitiert von fortwährend verbesserter Sprachqualität. Auch die Internet-Telefonieanbieter nennen ihre verbesserte Sprachtechnik übrigens HD Voice. Doch auch hier müssen Verbindungstechnik und Geräte zusammenpassen. Ebenfalls auf verbesserte Sprachqualität setzt der Computertelefonanbieter Skype, um davon zu profitieren, muss man nur die neuste Software auf dem PC installieren. Auf bessere Sprachqualität setzen inzwischen auch die Hersteller von drahtlosen Telefonen. Modelle mit «New Generation DECT» vertragen sich nicht nur einfacher mit Internet-Telefonie sondern verhindern, dass ein Festnetztelefongespräch durch die Funkstrecke in der Qualität leidet. Lärm wird ausgefiltert Letztlich bemühen sich aber auch die Gerätehersteller, die Gesprächsqualität direkt an der Quelle zu verbessern. Einerseits werden die Mikrofone empfindlicher und andererseits ausgeklügelte Lärmunterdrückung eingesetzt. So gibt es Mobiltelefone und Mikrofon- Kopfhörer (Headsets) welche Umgebungsgeräusche automatisch erkennen und ausfiltern. Wenn man also im ratternden Zug telefoniert, gelangt nur die von Nebengeräuschen gefilterte Sprache zum Partner. Allerdings bietet noch kein Hersteller ein System an, dass beim Geschäftstelefon im Schwimmbad die verräterischen Hintergrundgeräusche komplett entfernt und sie durch geschäftigen Office-Sound ersetzt.

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