Haus kaufen? Am besten im September

Der Ansturm auf Immobilien ist so gross, dass jeder zweite Käufer mehr zahlt, als der Verkäufer ursprünglich haben wollte.

Zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen: Im Herbst sind mehr Immobilienangebote auf dem Markt als zu anderen Jahreszeiten Foto: Getty Images

Zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen: Im Herbst sind mehr Immobilienangebote auf dem Markt als zu anderen Jahreszeiten Foto: Getty Images

Franziska Kohler@tagesanzeiger

Wer sich vorgenommen hat, 2019 endlich ein eigenes Haus oder eine Wohnung zu kaufen, sollte nicht gleich im Januar zuschlagen. Dann sind Immobilien im Schnitt nämlich teurer als in anderen Monaten. Das zeigt eine neue Studie des Online-Start-ups Pricehubble. Sie kommt zum Schluss: Die beste Zeit für Immobilienkäufe ist der September.

Pricehubble berechnet den Wert von Wohnimmobilien, indem es online grosse Datenmengen sammelt und auswertet. Für die Studie untersuchte die Firma über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 700'000 Inserate auf Onlineplattformen und schaute sich die tatsächlich gezahlten Verkaufspreise für 3000 Objekte an. Ausserdem schätzte sie für jedes Objekt den Marktwert. Den Wert also, den eine Immobilie aus der Sicht von Pricehubble zum Zeitpunkt des Verkaufs theoretisch hatte.

Nach sieben Wochen ist das Haus schon weg

Die Resultate zeigen, wie gross der Ansturm auf Immobilien in den letzten Jahren war. Und dass ein Grossteil der Verkäufer davon profitiert. Bei über 50 Prozent der zwischen 2008 und 2017 betrachteten Haus- und Wohnungskäufe lag der tatsächlich gezahlte Preis über dem Angebotspreis. Das heisst: Die Käufer bezahlten am Ende mehr, als die Verkäufer haben wollten, etwa, weil sie sich gegenseitig überboten. Die Preise sind in den letzten zehn Jahren denn auch stark gestiegen: Eigentumswohnungen wurden laut dem Immobilienberater Wüest Partner 32 Prozent teurer, Einfamilienhäuser sogar 35 Prozent. Die Dauer, bis eine ausgeschriebene Immobilie verkauft ist, sank deutlich von elf auf sieben Wochen.

Käufer können aber einiges herausholen, wenn sie zur richtigen Zeit zuschlagen. Und das scheint der Herbst zu sein. Dann sind mehr Angebote auf dem Markt als zu anderen Jahreszeiten. Im September zum Beispiel sind fast 6 Prozent mehr Objekte ausgeschrieben als normalerweise. Das drückt offenbar auf die Preise. Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet im September weniger als in allen anderen Monaten. Am grössten ist die Differenz zum Juli, dann ist der Quadratmeter 319 Franken teurer. Eine 125-Quadratmeter-Wohnung kann im Sommer also fast 40'000 Franken mehr kosten als im Herbst. Im Januar hingegen sind 6,5 Prozent weniger Häuser und Wohnungen ausgeschrieben als im Schnitt, und die Preise sind höher als in anderen Monaten. Auch Wüest Partner beobachtet, dass im ersten Quartal tendenziell weniger Immobilien gehandelt werden.

Infografik – Pro Monat variieren die Preise stark Grafik vergrössern

Verkäufer wiederum sollten sich gut überlegen, mit welchem Preis sie auf den Markt gehen. Verlangen sie zu viel, laufen sie Gefahr, lange keinen Abnehmer zu finden. Das drückt den Preis. «Verkäufer tendieren dazu, ihren Wunschbetrag zu fordern», sagt Stefan Heitmann, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Pricehubble. «Ist dieser zu hoch, führt das meistens zu Preisanpassungen und Nachverhandlungen.» Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Marktwert sinke, je länger die Vermarktung dauere.

Investieren lohnt sich nicht bei jeder Wohnung

Wie viel ein Verkäufer verlangen kann, hängt auch vom Ausbaustandard ab. Also vom Zustand und der Qualität des Bads, des Bodens oder der Fenster. Grundsätzlich gilt: Je besser der Zustand, desto höher der Preis – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Investitionen lohnten sich vor allem bei Immobilien in schlechtem bis mittlerem Zustand, sagt Heitmann. Ab einem Ausbaustandard von 80 Prozent lasse sich mit zusätzlichen Massnahmen nicht mehr viel herausholen. «Ein Beispiel: Werden alte Fenster durch moderne ersetzt, sind Käufer auch bereit, mehr zu zahlen. Baut der Verkäufer nun noch eine Bedienung der Storen per Smartphone ein, ist das zwar komfortabel, beeinflusst den Preis aber kaum mehr.»

Auch eine Minergie-Zertifizierung wirkt sich laut den Zahlen nicht messbar auf den Preis aus. Das bedeute nicht, dass sich Energiesparen nicht lohne, sagt Heitmann. «Ressourcenschonende Investitionen wie der Einbau einer Wärmepumpe oder einer Fotovoltaikanlage haben natürlich trotzdem einen Wert.» Bei Minergie Schweiz heisst es, man könne die Studie nicht kommentieren, weil man die zugrunde liegenden Zahlen nicht kenne. Frühere Studien hätten aber gezeigt, dass Hauskäufer für Minergie einen Aufpreis von bis zu sieben Prozent zahlten. Und dass die laufenden Kosten tiefer seien.

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