Zum Hauptinhalt springen

Glasfaser im Visier der Weko - Preise für den Netzzugang noch offen Hintergrund

Am Telekommarkt richten sich viele Blicke auf die Wettbewerbskommission.

Die Behörde will sich bis Ende Januar zu den Vereinbarungen der Swisscom mit den Elektrizitätswerken beim Glasfaserbau äussern. Ein heikler Punkt sind dabei Gebietsabsprachen. Auch die Zugangs-Preise für Wettbewerber dürften noch für Wirbel sorgen. Erste Angebote liegen bereits vor, sie sind vergleichsweise teuer. Und hohe Wiederverkaufspreise hätten auch Folgen für die Konsumenten. Die Elektrizitätswerke halten sich bisher bedeckt, was die Preisgestaltung angeht. Die Swisscom will zum 1. Januar 2011 ein verbindliches Wiederverkaufsangebot vorlegen, wie sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP erklärt. Zu den Konditionen macht der Telekomkonzern aber derzeit keine Angaben. Angebot für die Westschweiz Tatsächlich hat die Swisscom der Konkurrenz bereits ein Angebot für Genf, Lausanne und Freiburg gemacht. Telekomanbieter könnten die blanke Glasfaser demnach für 39 Franken pro Monat mieten, als Privatkundenanschluss. Für eine Geschäftskundenleitung will die Swisscom 117 Franken. Zum Vergleich: Der Zugang beim Kupferkabel - ein im Rahmen der Entbündelung regulierter Preis - kostet Firmen monatlich rund 18 Franken. Das Telekomunternehmen VTX findet das Angebot «ziemlich happig», wie Geschäftsführer Peter Preuss erklärt. «Wir wären bereit, eine gewisse Marge zu bezahlen, auch weil das Investitionsrisiko bei der Swisscom liegt. Aber sicher nicht das mehr als das Doppelte im Vergleich zur letzten Meile beim Kupferkabel.» Verschiedene Modelle Die Swisscom-Konkurrenten könnten auf dem Glasfasernetz selbst in die Elektronik investieren oder einfach ein fertiges Paket ein- und weiterverkaufen. Auf dem so genannten Layer 1 mieten sie nur die blanke Glasfaser, bei Layer 2 und 3 zusätzliche Technologie. Umso geringer ist dann aber auch der Spielraum bei den Produkten. Für die Swisscom dürfte es am attraktivsten sein, möglichst viel Elektronik mit zu offerieren. Umgekehrt interessieren sich die grösseren alternativen Anbieter vor allem für Layer-1-Angebote - auch wenn gewisse Investitionen nötig sind. Einige Elektrizitätswerke wollen Mietangebote für die blanke Glasfaser möglichst exklusiv machen, andere nicht. Die Interessen gehen also auseinander. Sunrise als grösster privater Telekomanbieter in der Schweiz hat sich in St. Gallen, Basel und Luzern bisher den Zugang auf die blanke Glasfaser durch Absichtserklärungen mit den Elektrizitätswerken gesichert. Dies betrifft knapp unter 200'000 Haushalte, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärt. Die Wettbewerbskommission (Weko) prüft die Abmachungen zwischen der Swisscom und einigen Elektrizitätswerken, die den Versorgern Exklusivität für Angebote auf dem Layer 1 zusichern. Es wäre möglich, dass die Swisscom in einigen Städten kein Layer-1-Angebot mache, sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz. Diese Klauseln haben wesentlichen Einfluss auf die Preise, wie sich in Basel zeigt. Plus oder Minus? Das Glasfasernetz in Basel soll 174 Mio. Franken kosten - wovon 70 Mio. auf die Industriellen Werke Basel (IWB) entfallen. Wenn das Elektrizitätswerk das einzige Layer-1-Angebot vor Ort macht, stehen die Chancen gut, Sunrise oder Cablecom als Kunden zu gewinnen. Dann könnten den IWB über 30 Jahre im besten Fall Gelder von knapp unter 100 Mio. Fr. zufliessen, wie eine Musterrechnung zeigt. Im schlimmsten Fall drohen jedoch bis zu 44 Mio. Fr. abzufliessen. Das Beispiel Basel zeigt auch, dass es offenbar doch möglich ist, vergleichsweise günstige Wiederverkaufsangebote beim Glasfasernetz zu machen. Gibt die Weko grünes Licht für ein exklusives Layer-1- Angebot, könnten die IWB zumindest einen Preis analog zum Kupferkabel beziehen, so ein Dokument des Regierungsrats. Bei einem negativen Entscheid müsste der Preis aber darunter liegen, um im Wettbewerb mit der Swisscom eine Chance zu haben. «Damit wird der erzielbare Preis durch den Regulator wesentlich beeinflusst», heisst es weiter. Günstige Wiederverkaufspreise kämen auch den Konsumenten zugute, die andernfalls mit einem Preissprung für Internetdienste in den nächsten Jahren rechnen müssen. Swisscom zuversichtlich Zur Weko-Prüfung zeigt sich die Swisscom zuversichtlich. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Exklusivitätsklauseln für Layer 1 als wettbewerbsrechtlich unbedenklich gesehen werden. Die IWB möchten sich mit Blick auf die laufende Untersuchung nicht äussern. Je nach Entscheidung der Weko könnten die Verträge mit den Elektrizitätswerken allerdings nochmals angepasst werden, etwa beim Finanzierungsschlüssel. Die Swisscom beruhigt: Substanzielle Änderungen in den Vereinbarungen würden der Weko nochmals freiwillig vorgelegt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch