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Gewässerschutz bedroht Existenz der Brienzerseefischer

Den Berufsfischern am Brienzersee steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals: in den letzten Jahren sind die Fischbestände und die Fangerträge stark zurückgegangen.

Der Grund dafür ist ein höchst merkwürdiger: der See ist zu sauber. Die Gewässerschutzmassnahmen der vergangenen Jahrzehnte, allen voran das seit 1986 geltende Phosphatverbot in Waschmitteln, liessen die Phosphorkonzentration in den Gewässern zurückgehen. Der Brienzersee hat heute die tiefste Phosphorkonzentration aller grösseren Schweizer Seen. Vorerst keine Lockerung beim Gewässerschutz Doch Phosphor ist auch ein wichtiger Nährstoff für Organismen, die wiederum Fischen als Futter dienen. In Fischereikreisen wird daher diskutiert, ob der Phosphoreintrag in den See künstlich erhöht werden soll. Der Kanton Bern winkt jedoch vorderhand ab. In Expertenkreisen sei die Wirksamkeit dieser Massnahme umstritten, schreibt die bernische Volkswirtschaftsdirektion in einer Mitteilung vom Montag. Zudem würden die Betriebskosten der Kläranlagen steigen. Schliesslich müsste der Bund auch noch die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften ändern, bevor der Kanton überhaupt aktiv werden könnte. Er will jedoch die Lage am Brienzersee genau verfolgen. Magere Ausbeute Das nährstoffarme Wasser im Brienzersee wirkt sich insbesondere auf das Wachstum der beiden «Brotfische» der Berufsfischer, Felchen und «Brienzlig», aus. Sie wachsen heute viel langsamer. Die Fischer haben deshalb wesentlich mehr Fangaufwand. Der Jahresfang eines Brienzerseefischers beträgt nach Angaben des Kantons rund ein bis zwei Kilogramm pro Hektare See, am Bielersee ziehen die Fischer auf gleicher Fläche zwischen 40 bis 50 Kilo heraus. Kein Wunder also, dass es am Brienzersee immer weniger Berufsfischer gibt. Waren es 1995 noch deren fünf, sind es heute noch gerade zwei. Seit mehreren Jahren treten bei den Felchen im Brienzersee Fische ohne Geschlechtsorgane auf. In den Sommermonaten 2009 und 2010 waren über die Hälfte der «Brienzlige» steril. Inwiefern dies allenfalls mit der Futterknappheit in Zusammenhang steht, ist noch unklar.

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