Der Tausender ist nicht totzukriegen

Zwei von fünf Einwohnern hatten in den letzten zwei Jahren mindestens eine 1000er-Note. Die Gründe.

Wird vor allem als Zahlungs- und weniger als Wertaufbewahrungsmittel eingesetzt: Die Schweizer 1000-Franken-Note.

Wird vor allem als Zahlungs- und weniger als Wertaufbewahrungsmittel eingesetzt: Die Schweizer 1000-Franken-Note.

(Bild: Keystone Martin Rueschti)

Robert Mayer@tagesanzeiger

Beim Zahlungsverhalten ändern sich die Gewohnheiten der Bevölkerung nur sehr langsam. Auf die Frage, was sich ändern müsste, damit sie in Zukunft vermehrt bargeldlos bezahlen würden, haben 42 Prozent geantwortet: Es gibt keinen Grund, dies zu ändern.

Andere Einflüsse wie Kostenüberlegungen, Akzeptanz oder Sicherheit wurden deutlich seltener genannt (zwischen 8 und 19 Prozent). Dies ist eines der bemerkenswerten Ergebnisse aus einer Umfrage über das Zahlungsverhalten und die Bargeldnutzung in der Schweiz, die im Herbst 2017 im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank durchgeführt wurde.

Besonders deutlich wird das Festhalten an alten Gewohnheiten bei den Einzahlungen auf der Post. Die Bezahlung von Rechnungen am Postschalter wird als zweitwichtigster Grund für Bargeldbezüge vom Bankkonto genannt, wobei Personen über 55 Jahre obenaus schwingen.

Diese Art von Rechnungsbegleichung ist auch der hauptsächliche Verwendungszweck für die 1000er-Note, noch vor der Bezahlung von grösseren Einkäufen; bei der 200er-Note steht hingegen Letzteres im Vordergrund. Damit erklärt sich wohl auch, dass 40 Prozent der Befragten aussagten, sie hätten innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens einen Tausender in den Händen gehalten. Für die 200er-Note erhöht sich dieser Anteil auf zwei Drittel.

Im Tessin gilt: Nur Bares ist Wahres.

Gefragt, welche Einkäufe sie mit dem 1000er-Schein bezahlen, nannten die Befragten am häufigsten Autos (31 Prozent). Es folgen Elektrogeräte (23 Prozent) sowie Einrichtungsgegenstände und Möbel (17 Prozent). Weit abgeschlagen mit 2 Prozent ist der Viehhandel – was aber weniger auf die Verwendungshäufigkeit der grossen Note als vielmehr auf die minime Zahl von involvierten Privathaushalten zurückzuführen ist.

Auffällig ist die überdurchschnittlich starke Verbreitung der grossen Notenstückelungen im Tessin: 80 Prozent respektive über 60 Prozent der Umfrageteilnehmenden haben nach eigener Aussage im besagten Zeitraum eine 200er- respektive eine 1000er-Note für Zahlungszwecke verwendet.


So zahlen die SchweizerBargeld, Kreditkarte oder App? Eine Analyse der Nationalbank zeigt, was die Bevölkerung bevorzugt.


Die Tessiner Wohnbevölkerung zeichnet sich im Vergleich zu den übrigen Landesteilen generell durch eine stärkere Bargeldaffinität aus und benutzt auch bei höheren Auslagen merklich häufiger Banknoten. Die Autoren der Nationalbank führen zur Begründung vor allem kulturelle Faktoren ins Feld, ohne dies aber eingehender analysiert zu haben.

Als Wertaufbewahrungsmittel spielen die zwei grössten Notenstückelungen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Gerade mal 5 Prozent der Befragten gaben an, ihr zu Hause aufbewahrtes Geld hauptsächlich in Form von 1000er-Scheinen zu halten, und für die 200-Franken-Note liegt dieser Anteil mit 11 Prozent nur unwesentlich höher.

Wichtigstes Medium zur Aufbewahrung von Bargeld ist vielmehr der Hunderter: Fast 40 Prozent der Befragten verwenden diesen. Das liegt auch daran, dass drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer, die Bares aufbewahren, diese Summe mit weniger als 1000 Franken angeben. Wie die Autoren anmerken, hat nur eine «kleine Minderheit» der Befragten die Angst vor Negativzinsen auf den Sparkonten als Grund für eine Aufstockung der Bargeldbestände genannt.

Die EU freut es nicht

Für die Nationalbank sind die Umfrageergebnisse eine Bestätigung dafür, am 1000er-Schein festzuhalten. Wie ihr Vizepräsident Fritz Zurbrügg heute an einer Medienkonferenz ausführte, werde die Note – die demnächst in einer Neuauflage erscheinen soll – im Programm bleiben.

Er erteilte damit Forderungen insbesondere aus der EU eine Absage, grosse Noten zwecks Schwarzgeldbekämpfung aus dem Verkehr zu ziehen. Die Nationalbank habe den Auftrag, die Bargeldversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und den Bargeldverkehr zu erleichtern und zu sichern, sagte Zurbrügg. Auch sei es ihm ein wichtiges Anliegen, die Wahlfreiheit bei der Nutzung der Zahlungsmittel zu gewährleisten.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt