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Der Dollar-Frühling

Der Greenback hat gegenüber den wichtigsten Währungen bereits rund vier Prozent zugelegt – und das war erst das Vorspiel. Was ein stärkerer US-Dollar für die Weltwirtschaft und die Schweiz bedeutet.

In den letzten Wochen erreichten uns nur positive Wirtschaftsdaten aus den USA: Mehr neue Jobs als erwartet wurden geschaffen, neue Häuser werden gebaut. Will heissen: Die Arbeitslosenzahlen sinken und die Immobilienpreise beginnen wieder leicht zu steigen. Die Unternehmen investieren vermehrt, die Exporte sind deutlich angestiegen und das Leistungsbilanzdefizit ist auf ein verträgliches Mass von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) gefallen.

Kommt dazu, dass die USA dank Schiefergas und Fracking ihre Abhängigkeit von ausländischem Öl bereits drastisch reduzieren konnten. Bis 2020 wollen sie gar wieder energieautonom sein. Insgesamt werden deshalb die Wachstumsaussichten der amerikanischen Wirtschaft wieder positiv eingeschätzt. Selbst die hohe Staatsverschuldung beginnt allmählich, ihren Schrecken zu verlieren.

«Könnte noch bis ins Jahr 2015 zulegen»

Als grosse, weitgehend autarke Volkswirtschaft ist den USA der Aussenwert ihrer Währung weitgehend egal. Die Notenbank, das Fed, betreibt die Laisser-faire-Politik des sogenannten «benign neglect». Die positiven Daten haben trotzdem Wirkung auf den Dollarkurs: In den vergangenen Wochen hat sich der Greenback gegenüber den wichtigsten anderen Währungen um rund vier Prozent verteuert. «Und das ist wahrscheinlich erst das Amuse-Bouche», stellt George Magnus, Chefökonom der UBS in London, in der «Financial Times» fest. «Die eigentliche Mahlzeit, also eine substanzielle Aufwertung, steht uns noch bevor. Der Dollar könnte noch bis ins Jahr 2015 zulegen.»

Den Amerikanern mag der Aussenkurs des Dollars egal sein, der übrigen Welt ist er es nicht. Seine Wirkung auf die gesamte Weltwirtschaft ist nach wie vor gewaltig, denn immer noch ist der Dollar die globale Leitwährung. Rohstoffe, Güter und Dienstleistungen werden international mit ihm abgerechnet, die Zentralbanken brauchen ihn als Devisenreserve. Was aber hat ein stärkerer Dollar für Auswirkungen?

Gute Nachrichten für Industrieländer

Die Entwicklungs- und Schwellenländer müssen sich darauf gefasst machen, dass sich ihre Wirtschaft abkühlen wird. Ihre Rohstoffexporte werden sich mit dem stärkeren Dollar verteuern. Kommt dazu, dass auch der Rohstoffhunger von China abklingt. Die neue Regierung in Peking setzt nicht mehr so einseitig auf den Export und will den Binnenmarkt forcieren. Die Kombination von stärkerem Dollar und schwächerer Nachfrage sind schlechte News für Brasilien und Co. Für Industriestaaten wie Japan und Deutschland sind die News tendenziell positiv. Die Konkurrenz aus Übersee wird dadurch auf dem Weltmarkt geschwächt und die Exporte nach den USA werden billiger. Das gilt auch für die Schweizer Exportwirtschaft, nicht aber für den Finanzplatz. Die US-Banken profitieren von der Aufwertung des Dollars.

Wie schon in der Vergangenheit wird ein Dollar-Comeback die Weltwirtschaft kräftig durchschütteln. «Ein starker Dollar wird assoziiert mit instabilen Kapitalflüssen und steigender Inflation, und das wiederum mit einem Anziehen der Zinsschrauben», so George Magnus.

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