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«Alleine und weinend»: Wie unsere Leser die Steuern erledigen

Sind Frauen bei den Steuern ehrlicher als Männer? Und wie gern bezahlen die Schweizer am Ende die Rechnung? Eine Umfrage von Redaktion Tamedia gibt Hinweise, ein Experte erklärt.

«Geduldigere Menschen» sind im Vorteil: Ein Mann füllt seine Steuererklärung aus.
«Geduldigere Menschen» sind im Vorteil: Ein Mann füllt seine Steuererklärung aus.
Keystone

Bei der Online-Umfrage zum Thema Steuern taten sich Abgründe auf. «Falls Sie die Steuererklärung selber ausfüllen, wie machen Sie das?», war eine der Fragen. «Alleine und weinend», antwortete ein bemitleidenswerter Leser. «Betrunken», schrieb ein anderer.

Es scheint sich bei diesen beiden aber um Einzelfälle zu handeln. Denn alles in allem sind die 3150 Leserinnen und Leser von Redaktion Tamedia, die an der nicht repräsentativen Umfrage teilgenommen haben, sehr diszipliniert. 54 Prozent gaben an, die Steuererklärung beim erstmöglichen Zeitpunkt auszufüllen, nachdem sie im Briefkasten liegt. Mehr als die Hälfte der Befragten schafft es denn auch meistens, die Abgabefrist Ende März einzuhalten. 13 Prozent geben die Papiere jemand anderem zum Ausfüllen, 23 Prozent legen sie erst mal zur Seite.

85 Prozent halten sich an die Wahrheit

Und wie steht es mit der Ehrlichkeit? Nicht allzu gut, scheint ein Blick in die Kommentarspalte zur Umfrage zu zeigen. «Klar flunkere ich», schreibt da eine Leserin. Eines ihrer Konten deklariere sie nie. Sie ist aber offenbar eine Ausnahme. 86 Prozent der Befragten geben an, ihre Steuererklärung zu 100 Prozent richtig und der Wahrheit entsprechend auszufüllen. 10 Prozent tragen auch unberechtigte Abzüge ein und hoffen, dass ihr Steueramt nichts merkt. Und 4 Prozent haben auch schon wissentlich zu wenig Einkommen ausgegeben oder Einkommensquellen verschwiegen.

Während 90 Prozent der Frauen versuchen, bei der Wahrheit zu bleiben, sind es bei den Männern 84 Prozent. Die 26- bis 35-Jährigen sind ausserdem unehrlicher als alle anderen Altersgruppen.

Die Steuerehrlichkeit sei in der Schweiz tatsächlich «sehr hoch», sagt Marcus Veit, Geschäftsleitungsmitglied beim Beratungsunternehmen Fehr Advice & Partners. Während es im benachbarten Ausland teilweise zum Sport geworden sei, möglichst viele Lücken auszunutzen, sei das soziale Selbstverständnis hier ein anderes: «Es lautet: Bei den Steuern schummelt man nicht.» Dass sich so viele Menschen an dieses Verständnis halten, liegt laut Veit am «traditionell sehr ausgeprägten sozialen Normsystem», das in der Schweiz vorherrsche. Auch die Geschlechterunterschiede liessen sich erklären: «Männer sehen das mit der Ehrlichkeit in der Tendenz etwas sportlicher als Frauen.»

Am meisten Spass bei SVP und CVP

Immerhin 33 Prozent geben an, das Ausfüllen mache ihnen Spass. Am höchsten ist der Spass-Faktor bei den SVP- und CVP-Sympathisanten (42 beziehungsweise 43 Prozent). Die parteipolitischen Unterschiede seien wohl eher zufällig entstanden, glaubt Verhaltensökonom Veit. Dass ein Drittel der Befragten dem Prozedere Positives abgewinnen kann, überrascht ihn nicht. «Beim ersten Mal ist die Steuererklärung noch mühsam. Doch mit der Übung wird alles leichter. Das kann auch positive Gefühle erzeugen.»

Kalt erwischt wird von der Steuerrechnung weniger als die Hälfte der Teilnehmenden. 52 Prozent legen während des Jahres dafür Geld zurück. Das seien in der Tendenz wohl «geduldigere Menschen, die gern vorsorgen», sagt Veit. Er findet, man sollte eher auf die andere Hälfte fokussieren: Die also, die nichts zur Seite legen. «Gerade bei Menschen, die in Finanzdingen nicht sehr diszipliniert sind, kann das zum Problem werden. Falls sie noch andere offene Rechnungen haben und das Geld am Ende nicht mehr reicht, können sie in einen negativen Kreislauf geraten.» Angaben der Betreibungsämter wiesen darauf hin, dass die Zahl dieser Fälle zunehme.

Grundsätzlich haben die Befragten eine pragmatische Einstellung zum Thema. 78 Prozent bezahlen zwar nicht besonders freudig Steuern, finden aber trotzdem, dass es wichtig für die Gesellschaft ist. 14 Prozent machen es gern, weil sie das Gefühl haben, damit einen wichtigen Beitrag zu leisten. Besonders gross ist dieser Anteil bei den Grünen-Sympathisanten (26 Prozent) und den Unter-25-Jährigen (23 Prozent). 5 Prozent aller Befragten finden Steuern hingegen absolut unnötig.

Dieser Pragmatismus sei «das grösste Gut der Schweiz», sagt Veit. Die Menschen hätten tendenziell viel Vertrauen in ihre Institutionen. «Sie akzeptieren deshalb die Tatsache, dass der Staat nur funktionieren kann, wenn er finanzielle Mittel erhält.»

Die Steuerumfrage war vom 17. bis 22. Februar auf Redaktion Tamedia aufgeschaltet. Teilgenommen haben 3150 Leserinnen und Leser. Die Resultate sind nicht repräsentativ. 76 Prozent der Befragten sind männlich, 54 Prozent leben in der Stadt. Fast die Hälfte der Befragten ist zwischen 36 und 55 Jahre alt.

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