Wie ein Start-up das Sparen wieder rentabel machen will

Eine neue Plattform versucht, Festgeld in der Schweiz populär machen. Für Kunden bringt das höhere Zinsen.

Klein-Zins für begrenzte Anleihen: Das bietet das Jungunternehmen Savedo: Foto: Istock

Klein-Zins für begrenzte Anleihen: Das bietet das Jungunternehmen Savedo: Foto: Istock

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Die Schweizer horten viel Bargeld – trotz Nullzins. Viele stehen Aktien und Anlagefonds kritisch gegenüber. Doch auch die Banken sind konsterniert. Sie zahlen wegen der Negativzinsen für Kleinsparer sogar drauf. Finanzinstitute versuchen daher schon seit einiger Zeit, ihre Kunden mit Zuckerbrot (gutes Zureden) und Peitsche (Gebühren, Negativzinsen) zu Anlegern zu machen.

«Die Kunden sind nicht glücklich, wenn sie keinen Ertrag auf dem Ersparten haben, und die Banken auch nicht», so Thomas von Hohenhau, Geschäftsleitungsmitglied von Deposit Solutions. So heisst das deutsche Unternehmen hinter der Internetplattform Savedo. Die neue Plattform soll Sparern und Instituten etwas bringen: Sie will das Festgeld in der Schweiz aus der Nische holen.

Schweizer Zinssätze gehören zu den höchsten

Festgeld ist Geld, das für eine im Voraus definierte Zeit angelegt wird. Dafür bekommt der Sparer einen kleinen Zins. Die ersten Angebote kommen von der Münchner Hypothekenbank und der Hypothekarbank Lenzburg. Das Institut aus München bietet für ein Jahr 0,1 Prozent und für zwei Jahre 0,2 Prozent. Die Hypi Lenzburg offeriert für eine Laufzeit von vier Jahren 0,25 Prozent und für sieben Jahre 0,65 Prozent. Einen Mindestbetrag gibt es nicht.

«Es ist unser Ziel, eine zweistellige Anzahl Banken mit jeweils mehreren Festgeldprodukten in mehreren Währungen anbieten zu können», so Thomas von Hohenhau. Auch ausländische Banken bieten dort Festgeldanlagen an, sie locken meist mit einem höheren Zins. Eine Schätzung, wie viel Geld so angezogen werden kann, will von Hohenhau nicht abgeben. In Deutschland wurden über Savedo und die Schwester-Plattform Zinspilot innerhalb von wenigen Jahren Spareinlagen von 11 Milliarden Euro vermittelt.

«Savedo hat eine Chance in der Schweiz, wenn sie es schaffen, Festgeld als Anlage mit attraktiven Zinssätzen ins Gespräch zu bringen»Benjamin Manz, Geschäftsführer Moneyland.ch

Ein Vergleich mit Schweizer Kassenobligationen auf Moneyland.ch zeigt, dass die Savedo-Zinssätze von Schweizer Produktbanken zu den höchsten gehören. «Es gibt allerdings derzeit auch einzelne Schweizer Banken mit ähnlich hohen oder noch leicht höheren Zinssätzen», so Benjamin Manz, Geschäftsführer von Moneyland.ch. Bei ausländischen Produktbanken dürften bestimmte Savedo-Zinssätze sogar deutlich höher sein als bei Schweizer Kassenobligationen und Termingeldkonten. Allerdings ist das Risiko im Fall von ausländischen Produktbanken auch etwas höher.

Festgelder sind bislang für Schweizer Anleger noch kein grosses Thema. «Savedo hat aber eine Chance in der Schweiz, wenn sie es schaffen, Festgeld als Anlage mit attraktiven Zinssätzen ins Gespräch zu bringen», so Manz. Mitentscheidend für den Erfolg werde daher die Höhe der Zinssätze sein, besonders diejenigen für kurze Laufzeiten.

Der Marktentwicklung könnte es auch helfen, wenn Konkurrenten auftreten. In Deutschland gibt es weitere derartige Plattformen, eine heisst Weltsparen.de. Sie hat bereits eine Schweizer Website registriert. «Konkrete Pläne für einen Launch in der Schweiz können wir nicht bekannt geben», sagt eine Sprecherin. Kunden aus der Schweiz können seit rund drei Jahren einen Teil des Angebots auf www.raisin.com in Anspruch nehmen.

Eine Bewilligung der Finanzmarktaufsicht (Finma) braucht Savedo nicht. Denn sie nimmt keine Spareinlagen entgegen. Das Geld der Kunden landet bei der Hypothekarbank Lenzburg, Savedo vermittelt dann die Festgeldanlage. Für die Banken lohnt sich die Zinszahlung, weil sie so günstiger Geld aufnehmen können als auf dem Kapitalmarkt – und sie sparen Werbekosten. Savedo verlangt von den Banken eine Gebühr für die Nutzung der Plattform.

Die Firma sieht sich daher auch nicht als Konkurrenz zu den Banken. Sie bietet zwar ein Sparprodukt an, dabei stellt sie aber nur die Plattform für den Vertrieb der Produkte zur Verfügung. Zudem ist es für die Banken auch möglich, die Plattform ihren eigenen Kunden anzubieten. Das Unternehmen ist dann der Technologieanbieter im Hintergrund.

Peter Thiel als Investor

Wie das geht, zeigt das Beispiel Deutschland. Dort arbeitet Deposit Solutions mit der Deutschen Bank zusammen. Die Partnerschaft wurde in den letzten Monaten stark ausgebaut. Die Schweiz sei ein vielversprechender Markt, heisst es bei Savedo. Nicht nur haben die hiesigen Kunden besonders viel Bargeld auf der hohen Kante. Sie sind auch daran interessiert, es in verschiedenen Währungen anzulegen. Das sei ein grosser Unterschied zu vielen anderen Märkten, in denen Savedo bereits tätig ist.

Rund 300 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. 10 davon sind in der Schweiz tätig. Hinter der Firma stehen mehrere prominente Grossinvestoren, dazu gehört auch der Deutsche Peter Thiel. Er gehört zu den einflussreichsten Geldgebern für Jungunternehmen weltweit, seine politischen Standpunkte sind aber kontrovers. So war er einer der wenigen Tech-Experten, die US-Präsident Donald Trump unterstützten, und er hält wenig von der Start-up-Kultur im Silicon Valley, weil es dort politisch Andersdenkende schwer hätten.

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