Gold, Häuser, Cash oder doch Aktien?

Umfrage

Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Bildung verraten, wie sie derzeit ihr privates Vermögen anlegen.

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Vergangene Woche hat der ehemalige UBS-Chef Oswald Grübel in der BaZ gesagt, wie er sein Vermögen persönlich anlegt: Er habe einen grossen Teil auf dem Konto liegen, «damit ich allfällige Kaufgelegenheiten nutzen kann». Wegen der tiefen Zinsen seien für jene, die etwas längerfristig investieren wollen und können, «Aktien von guten Unternehmen, die Produkte herstellen, die wir im täglichen Leben brauchen, die beste Anlage». Gold hingegen solle man nur kaufen, wenn man an den Weltuntergang glaube. «Nur nützt es Ihnen dann nicht mehr viel», so Grübel.

Anlageentscheide, so scheint es, haben viel damit zu tun, welche Erwartungen man generell an die Zukunft hat. Seriöse allgemeingültige Empfehlungen können nur bedingt abgegeben werden. Deshalb wollen wir von Prominenten wissen: «Wie legen Sie persönlich derzeit Ihr Vermögen an?»

Thomas Borer, Ex-Botschafter der Schweiz in Berlin «Ich habe wenig Geld. Deshalb habe ich diesbezüglich ein kleines Problem. Nein im Ernst: Ich investiere mein Geld in Direktanlagen in kleine Unternehmen, in die ich selber involviert bin. Da habe ich mehrere Vorteile: Ich kann verfolgen, was genau mit meinem Geld passiert. Ich kann aber auch mitwirken, dass sich die Lage verbessert. Zudem bin ich auf diese Weise auch mitverantwortlich. Wenn ich hingegen in einen Bluechip wie Roche, Nestlé oder Novartis investiere, dann habe ich keinen Einfluss darauf, was das Unternehmen macht. Ich kann nur hoffen, dass mein Anlageberater einen guten Job macht und die Unternehmensführung gut arbeitet. Aber auch ich bin natürlich den Stürmen der Weltwirtschaft ausgesetzt. So bin ich froh, dass ich vor vier Jahren zum ersten Mal in meinem Leben Gold gekauft habe. Das war ein weiser Entscheid.»

Beat Kappeler, Wirtschaftsjournalist, ehemaliger Gewerkschaftssekretär «Ich habe ein schönes Haus gekauft, das ich selbst bewohne, und für den ganzen Rest kommt nur Bargeld infrage, einfach zinslos auf der Bank ruhend, daneben ein ganz wenig indische Immobilien und afrikanische ETF. Wir Schweizer Einwohner haben das unerhörte Privileg, in der steilsten Währung der Welt zu leben, sodass es sinnlos ist, noch nach ein paar Promillen Rendite zu suchen. Wenn die Lage sich bei den Staatsschulden des Westens und im Euroland klärt, gehe ich wieder in Aktien.»

Rudolf Strahm, ehemaliger SP-Nationalrat und bis 2008 Preisüberwacher «Weil 70 Prozent der Anlageratschläge von Bankern und Vermögensberatern im letzten Jahrzehnt in die Irre führten, sage ich Ihnen bescheidenerweise nur, welche Anlagen man wegen Verlustgefahr sicher vermeiden sollte: keine Anlagen in Hedge-Funds und strukturierte Produkte, denn sie sind teuer, riskant und basieren auf einer Täuschungskultur. Keine Anlagen in aktivistische Anlagefonds, die ständig zukaufen und verkaufen, sondern nur Anlagen in Passivfonds (ETF), die einen Aktienindex ohne Leverage- und Termingeschäfte abbilden. Keine Dollaranlagen, weil sich die USA langfristig durch weitere Dollarabwertung entschulden müssen. Heutige Anlagen in Gold täuschen eine Sicherheit vor, der Goldpreis ist heute historisch hoch. Ich persönlich verfolge deshalb eine konservative Anlagepolitik und verteile mein Vermögen auf mehrere Anlageformen: einige gute Industrieaktien, Obligationen und eine nicht überteuert erworbene Wohnliegenschaft. Letztere ist langfristig die sicherste Altersvorsorge.»

Gerhard Schwarz, Direktor Avenir Suisse «Als NZZ-Redaktor habe ich mit Blick auf die innere Unabhängigkeit aus Prinzip keine Aktien gehalten und generell nicht aktiv angelegt. Letzteres habe ich beibehalten. Es gibt aus meiner Sicht grundsätzlich – und in diesen unsicheren Zeiten erst recht – nur eine vernünftige Devise, nämlich Diversifikation: nach Währungen, nach Liquidität, nach Anlageklassen, nach Regionen, nach Branchen. Die grössten Posten sind bei mir die Pensionskasse und ein Haus, aber bei nicht so grossen Vermögen sind solche Klumpenrisiken fast unvermeidbar.»

Rolf Weder, Ökonomieprofessor an der Uni Basel «Die Anlagestrategie hängt grundsätzlich davon ab, wie risikofreudig man ist, wie langfristig man das Geld anlegen will und wie viel Vermögen man überhaupt hat. Grundsätzlich gehe ich immer davon aus, dass ein höherer Ertrag nur bei höherem Risiko zu haben ist. Langfristig ist zu erwarten, dass sich die Weltwirtschaft erholen wird – so stellen Aktien langfristig keine schlechte Anlage dar. Eine Diversifikation in verschiedene Währungen ist dabei ratsam. Da gehört auch der Dollar dazu. Überlebt der Euro, dürfte sich eine Investition auch in den Euro (sehr) lohnen. Nur weiss man dies im Moment nicht. Scheut man das Risiko, meidet man ihn.

Über meine persönliche Vermögensanlage habe ich mir bisher kaum Gedanken gemacht. Neben meinen Hypothekarschulden habe ich ein paar Aktien aus alter Zeit, zahle jedes Jahr eine Prämie in eine Lebensversicherung ein, die ohne mein Zutun breit investiert. Den Grossteil der Ersparnisse halte ich aber flexibel auf Sparkonti bei zwei Banken. Das gibt wenig Ertrag. Es erlaubt mir aber, gut zu schlafen – und ruhig zu arbeiten –, zumindest so lange, wie die Schweizerische Nationalbank hierzulande keine Inflation schafft. Und davon ging ich bisher aus.»

Alfred Ritter, Chief Investment Officer der Basler Kantonalbank «Die hohe Verschuldung der Industrienationen birgt viel Zündstoff. Schwindendes Vertrauen in die Politik der am höchsten verschuldeten Nationen führt an den Abgrund. Wie kann das bestehende Vermögen geschützt werden? Eine gute Frage. Klar ist: Nie alle Eier in den gleichen Korb legen! Diversifikation bleibt angebracht. Die Aufteilung soll in selbstbewohnte, bis auf 50 Prozent abbezahlte Immobilien, Rohstoffanlagen, aber auch Gold und Aktien erfolgen. Dividendenstarke Aktien der Nahrungsmittelbranche und des Agrarsektors gehören dazu. Die Anschaffung eines Autos kann hinausgezögert werden. Ernährung und Versorgung mit Wasser werden für die Weltbevölkerung zur grossen Herausforderung. Finanzaktien können vorübergehend gute Renditen abwerfen. Mittelfristig wirkt der hohe Kapital- und Abschreibungsbedarf belastend. Rohstoffanlagen gehören in jedes Depot, genau wie Gold, das als Versicherungsschutz dient. Obligationen sind nicht attraktiv. Staatsanleihen bieten nach Kosten keine Rendite. Zehnjährige Obligationen verlieren an Wert, wenn die Zinsen ab 2013 steigen. Persönlich bin ich in Aktien von Roche, Syngenta und Nestlé investiert. Daneben besitze ich einen Anteil von 40 Prozent an selbstbewohnten Immobilien. Der Anteil meines PK-Geldes ist breit diversifiziert, beinhaltet aber auch zusätzliche Risiken. Zudem habe ich noch einen Anteil an BKB-Partizipationsscheinen.»

Basler Zeitung

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