Entspannung im Streit um verschärfte Hypotheken

Banken und Finanzaufsicht dürften sich auf einen Kompromiss einigen.

Bauarbeiter auf dem Basler Dreispitzareal. Foto: Keystone

Bauarbeiter auf dem Basler Dreispitzareal. Foto: Keystone

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Der teilweise überhitzte Immobilienmarkt ist den Regulatoren schon lange nicht mehr geheuer. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde (Finma) und mehr noch die Nationalbank erhöhten den Druck auf die Banken systematisch, um diese zu einer zurückhaltenderen Vergabe der Hypothekarkredite zu bewegen. Die Finma ging so weit, von den Banken eine Verschärfung der in diesem Bereich geltenden Selbstregulierung zu verlangen. Damit provozierte die Behörde allerdings einen Streik der Banker. Ende März legte die Bankiervereinigung die Gespräche auf Eis. Eine von den Behörden verordnete Selbstregulierung sei keine Selbstregulierung, argumentierten ihre Vertreter.

Sommer liess das Eis schmelzen

Mit den wärmeren Temperaturen entspannte sich das frostige Klima zusehends. Man redet wieder miteinander und scheint einem Kompromiss nahe zu sein, wie Finma-Chef Mark Branson anlässlich eines Medienanlasses vom Dienstag andeutete. Aus Bankkreisen wird das bestätigt. Es kam unlängst zu einem Gespräch zwischen der Finma und Vertretern der vier grössten Hypothekarbanken – UBS, Credit Suisse, Raiff­eisen und Zürcher Kantonalbank. Der Verwaltungsrat der Bankiervereinigung wird noch vor der Sommerpause die Verschärfung der Selbstregulierung diskutieren.

Dieser Verschärfung sind dem Vernehmen nach inzwischen aber einige Zähne gezogen worden. Die von der Finma ins Spiel gebrachte Absicht, einen kalkulatorischen Zinssatz zur Amortisation des Kredits einzuführen, scheint vom Tisch zu sein. Im Raum stand unter mehreren Modellen die Idee, eine jährliche Amortisationspflicht für die zweite Hypothek in der Höhe des Kreditzinses zuzüglich 5 Prozent einzuführen – ein für die Banken inakzeptabler Vorschlag.

Dagegen sind die Banken – wie dem «Tages-Anzeiger» gegenüber von mehreren Quellen bestätigt wird – bereit, die heute geltende Regel betreffend Amortisationsdauer zu verschärfen. Statt wie bisher innerhalb von 20 Jahren soll die zweite Hypothek neu innerhalb von 15 Jahren amortisiert werden müssen. Diese Kröte wollen die Banken offenbar schlucken.

Diese Massnahme allein wird der Finma aber kaum genügen. Sie pocht laut gut informierten Kreisen auch auf eine verbindliche Regelung der Amortisationspflicht. Die heutige Selbstregulierung der Banken schreibt zwar eine Rückzahlung der zweiten Hypothek innerhalb von 20 Jahren vor, nicht aber das regelmässige, jährliche Amortisieren. Das will die Finma geändert haben. «Denn», so ist aus dem Regulierungsumfeld zu hören, «wird die erste Amortisationstranche nicht sofort eingefordert, erzielt die Amortisationspflicht keine Wirkung.»

Noch fehlt der Segen der Finma

Der Kompromiss steht also noch nicht. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Verwaltungsrat der Bankiervereinigung dem Druck ein wenig nachgeben und einer sanften Verschärfung der Selbstregulierung zustimmen wird. Um dieses Regelwerk als verbindlichen Standard für alle Banken einzuführen, braucht es aber den Segen der Finma. Diese wird nur zustimmen, wenn auch der Nationalbank und dem Finanzdepartement die verschärften Bedingungen zur Kreditvergabe weit genug gehen.

Letztlich ist das Ganze auch ein Schwarzpeterspiel. Verschärfte Bedingungen heisst, dass es schwieriger wird, von den Banken Hypothekarkredite zu bekommen. Das kann bei Leuten, die sich den Traum von Wohneigentum erfüllen wollen, zu Frustrationen führen. Dies ist auch ein Grund, weshalb sich Bankenvertreter weigern, eine allzu harte Selbstregulierung zu definieren. Am Schluss seien die Banken schuld, wenn sich junge Familien kein Häuschen leisten können, meint ein Banker.

Wieder einmal hat sich in dieser Geschichte gezeigt, dass Bankiervereinigung und ihre Mitglieder nicht immer einer Meinung sind. Nachdem die Branchenorganisation die Gespräche mit der Finma abgebrochen hatte, nahmen UBS, CS, ZKB und Raiffeisen diese wieder auf – zunächst, ohne die Bankiervereinigung darüber zu informieren.

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