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Ex-Disney-Sekretärin muss für Insiderhandel büssen

New York Sie träumte von Designerhandtaschen und endete vor Gericht: Eine ehemalige Disney-Sekretärin und ihr Freund wollten mit Insiderinfos des Unterhaltungskonzerns das schnelle Geld machen.

Beide müssen nun eine Strafe absitzen. Ein Richter in Manhattan verurteilte die Frau zu vier Monaten Hausarrest. Zudem muss sie insgesamt 300 Stunden soziale Arbeit ableisten und darf sich drei Jahre lang nichts zu schulden kommen lassen, sonst droht eine härtere Strafe. «Ich war blind vor Liebe und habe die falschen Entscheidungen getroffen», sagte die Frau nach Angaben von US-Medien am Dienstag (Ortszeit) vor Gericht. Ihr damaliger Freund hatte sie dazu angestiftet, die noch streng geheimen Quartalszahlen von Walt Disney zu stehlen. Er wollte die Daten anschliessend an aussenstehenden Investoren verkaufen und damit seine klamme Kasse auffüllen. Das FBI kam den beiden schnell auf die Schliche, unter anderem wegen verräterischer E-Mails. Beide legten Geständnisse ab. Ein Gericht verurteilte den Mann zwischenzeitlich zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Er sei die treibende Kraft hinter diesem Komplott gewesen, sagte die Staatsanwältin. «Sie ist eine anfällige Person und wurde manipuliert», stellte auch der Richter est. Taschen und Schuhe Der E-Mail-Wechsel, aus dem die eingeschaltete US-Börsenaufsicht SEC ausführlich zitierte, zeichnet ein Bild von kleinen Leuten auf der Suche nach dem grossen Geld: «Das ist die Tasche, die Du mir kaufen kannst», schrieb die Sekretärin ihrem Freund und schickte einen Internet-Link zu einer Designertasche von Paul McCartneys Tochter Stella, Preis um die 700 Dollar. Er prahlte: «Vielleicht kann ich auch zwei davon kaufen.» Sie: «In diesem Fall gefallen mir noch diese Schuhe.» Die heute 34-Jährige arbeitete im Büro der Kommunikationschefin von Disney und hatte damit Zugang zu der noch unveröffentlichten Zwischenbilanz des Unterhaltungsriesen. Der Freund kontaktierte nach Wissen der Ermittler im März 2010 mindestens 33 Finanzfirmen, ob sie nicht Interesse an den Zahlen hätten. «Ich kann sie zu einem Preis zur Verfügung stellen, den wir später festlegen können,» schrieb er. Als sich die Zahlenveröffentlichung näherte, wurde der Mann immer ungeduldiger und bombardierte seine Freundin fast im Stundentakt mit E-Mails. Sie beschwichtigte, warb um Geduld und flötete zwischendurch: «Ich wünschte, Du könntest jeden Tag mit mir zur Arbeit kommen.» Die ehemalige Disney-Sekretärin muss sich heute als Bedienung durchschlagen. FBI statt Kunden Denn statt auf das Angebot einzugehen, hatten sich zahlreiche Hedge-Fonds bei der Bundespolizei FBI gemeldet. Verdeckte Ermittler trafen sich mit dem Mann in New York. Er strich laut der Staatsanwaltschaft 15'000 Dollar ein und versprach die Lieferung der Zahlen. Die Ermittler nahmen das Treffen auf Video auf und liessen den Mann später hochgehen. Insiderinformationen sind bares Geld wert, lässt sich doch daran abschätzen, wie sich der Börsenkurs entwickelt. Deshalb ist der Handel mit derlei Daten streng verboten. Nur ein beschränkter Kreis kennt die brisanten Infos vor der Veröffentlichung. Insiderhandel kommt dennoch immer wieder vor, zuletzt auch mit Firmengeheimnissen von Apple und anderen US-Technologiefirmen.

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