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Luxusuhren sind die neuen Zinsen

In München können Liebhaber keine Rolex-Uhren mehr kaufen. Schweizer Händler bestätigen: Für gewisse Modelle gibt es lange Wartezeiten.

In den Schaufenstern von Schweizer Uhrengeschäften sind kurz vor Weihnachten noch Rolex-Uhren ausgestellt. Foto: Gaëtan Bally/Keystone
In den Schaufenstern von Schweizer Uhrengeschäften sind kurz vor Weihnachten noch Rolex-Uhren ausgestellt. Foto: Gaëtan Bally/Keystone

Und das ausgerechnet an Weihnachten! Aus München erreichen beunruhigende Neuigkeiten Uhrenliebhaber, die auf der Suche nach einem teuren Geschenk sind. Wie die «Abendzeitung» berichtet, sind in den Läden der Stadt sämtliche Rolex-Uhren ausverkauft. Die Auslagen und Vitrinen bei den offiziellen Händlern seien leer, kein einziger Zeitmesser der Genfer Luxusuhrenmarke sei mehr zu sehen.

Für eine einzige Uhr sollen sich laut Mitarbeitern in den Münchner Geschäften 50 bis 100 Käufer interessieren – so stark, dass sie prompt Anzahlungen leisten wollen, nur um sicherzugehen, wirklich eine Rolex zu bekommen. Die deutschen Medien schreiben deshalb bereits von einer «Rolex-Krise».

«Unsere Lager sind nicht leer. Es gibt aber lange Wartezeiten für einzelne Modelle von Rolex.»

Jörg Baumann, Marketingchef von Bucherer

Müssen sich nun auch Fans in der Schweiz auf schwierige Zeiten einstellen? Ein Augenschein vor Ort bei autorisierten Händlern in Bern und Biel zeigt, dass durchaus noch Zeitmesser von Rolex in den Schaufenstern ausgestellt sind.

«Unsere Lager sind nicht leer», sagt Jörg Baumann, Marketingchef von Bucherer. Die Luzerner Uhrengruppe ist der bedeutendste Rolex-Verkäufer in der Schweiz mit Standorten in Zürich, Bern, Luzern und Basel. «Es gibt aber lange Wartezeiten für einzelne Modelle von Rolex», so Baumann. Dazu gehören etwa Modelle aus Edelstahl der begehrten Daytona-Linie. Aber auch die Fliegeruhr GMT-Master II steht ganz zuoberst auf der Wunschliste der Kunden.

Beim Uhrengeschäft R. Villiger in Biel heisst es, dass das Weihnachtsgeschäft gut laufe. «Rolex-Uhren sind gefragt», sagt Geschäftsführerin Beatrice Villiger. Die in den Vitrinen ausgestellten Modelle könne das Unternehmen noch ab Lager verkaufen.

Luxusuhren als Geldanlage

In der Uhrenbranche ist es ein offenes Geheimnis, dass Rolex gewisse Modelle bewusst verknappt. Die Produktion dieser Uhren ist jedoch auch aufwendiger, was ebenfalls zu Wartezeiten führen kann. Rolex lehnte es auf Anfrage ab, die Situation in Deutschland und in der Schweiz zu kommentieren.

Die unabhängige Marke stellt schätzungsweise über 800’000 Uhren im Jahr her und erwirtschaftet einen Umsatz von etwa 5,1 Milliarden Franken.

Die Juwelier-Angestellten in München haben ihre eigenen Vermutungen, warum die Luxusuhren mit der fünfzackigen Krone im Logo derart beliebt sind: «Die Menschen vertrauen offenbar der Bank nicht mehr – wegen der Negativzinsen – und investieren lieber in Luxusuhren», zitiert das Münchner Blatt eine Mitarbeiterin.

Medienberichten zufolge haben die begehrtesten Modelle um mehrere 100 Prozent an Wert zugelegt.

Tatsächlich stiegen einige der Uhren in den vergangenen Jahren im Wert und sind damit womöglich für Sparer interessanter, als das Geld bei einer Bank anzulegen. Deutschen Medienberichten zufolge haben die begehrtesten Modelle in den vergangenen zehn Jahren um mehrere 100 Prozent zugelegt.

Branchenkenner aus der Schweiz, die wegen ihrer Geschäftsbeziehungen zur Genfer Luxusuhrenmarke lieber ungenannt bleiben wollen, haben andere Erklärungen für die Rolex-Knappheit in der Landeshauptstadt des Freistaats Bayern. «Wir sind mitten im Weihnachtsgeschäft», sagt ein Insider. «Da kommt es schon einmal vor, dass Uhrenmodelle ausverkauft sind.»

Für die hiesige Uhrenindustrie ist das vierte Geschäftsquartal mit der Weihnachtszeit traditionell die wichtigste Verkaufsperiode des Jahres.

Lukrativer Zwischenhandel

Ein anderer Marktteilnehmer vermutet, dass sich mit gefragten Modellen von Rolex eine Art lukrativer Zwischenhandel entwickelt hat. «Geschäftstüchtige Uhrenliebhaber decken sich laufend mit solchen Produkten ein, um sie später teurer zu verkaufen.»

Zu einem bedeutenden Absatzkanal ist inzwischen das Internet geworden. Das deutsche «Handelsblatt» berichtet, dass bei Chrono24 – einer weltweiten Handelsplattform für Luxusuhren – Modelle schon einmal für das Doppelte des von Rolex offiziell ausgerufenen Preises über die imaginäre Ladentheke gehen.

Besonders die protzigsten Varianten erleben einen Boom. So stieg die Nachfrage nach Rolex-Uhren in der Preisklasse zwischen 11’000 und 27’000 Franken in diesem Jahr um 19 Prozent an, bei den Ausführungen für mehr als 27’000 Franken sogar um 35 Prozent.

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