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Wachsender Groll auf die UBS

Die UBS ist das Ziel heftiger Verwünschungen. Einige Schweizer hoffen gar, dass die Grossbank bald pleite geht. Indes: Häme über das Schicksal der Banken und Banker ist fehl am Platz.

«Dumm, aber nachvollziehbar»: Die Rachegelüste der UBS-Kleinanleger.
«Dumm, aber nachvollziehbar»: Die Rachegelüste der UBS-Kleinanleger.
Keystone

Was den alten Römern Brot und Spiele waren, ist für Herr und Frau Schweizer offenbar zurzeit die Finanzkrise: ein Ventil, um Druck abzulassen. Viele Menschen scheinen nur darauf zu warten, dass die UBS – Vermögensverwalter Nummer 1 für die Reichen dieser Welt – kollabiert. So auch einige Leser von Redaktion Tamedia: «Ich freue mich auf den Tag, an dem die UBS pleitegeht. Hoffentlich bald». Zwar sind die meisten Wortmeldungen in den Internetforen besonnen – dem Ärger über die Banker wird aber immer wieder freien lauf gelassen: «Niemand wird dieser Bank eine Träne nachweinen», so ein weiteres Votum. Ein dritter Leser schliesslich tat das, was vor ihm schon viele getan haben: Er zog sein Geld von der UBS ab – «wenn es so weiter geht, wird die UBS bald Geschichte sein», resümiert er.

Hans Geiger, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Zürich, versteht die Rachegelüste der Kleinanleger «Das ist sachlich dumm, menschlich aber nachvollziehbar», sagt er gegenüber Redaktion Tamedia. Der Experte warnt jedoch davor, die Folgen eines UBS-Bankrotts zu unterschätzen. «Für die Schweizer Wirtschaft wäre das ein enormer Schaden». In schwarzen Farben malt Geiger das Schreckensszenario an die Wand: Der Zahlungsverkehr bräche zusammen, da die grösste Schweizer Bank mit einem Marktanteil von 25 Prozent einen grossen Teil der Zahlungen abwickelt. Einzahlungen auf und von UBS-Konten wären nicht mehr möglich, die Wirtschaft würde still stehen.

Rettungsanker Nationalbank

Soweit wird es laut Geiger aber nicht kommen, die Nationalbank müsste der UBS vorher Nothilfe leisten. «Die UBS kann also gar nicht illiquid werden». Doch schon das Szenario eines möglichen Bankrotts würde der Schweizer Wirtschaft massiv schaden. «Falls die UBS nach der Nothilfeleistung durch die Nationalbank aufgeteilt und Teilbereiche verkauft werden müssten, könnte das zwei bis drei Jahre dauern». Verlierer wären die Sparer: sie haben bei einem solchen Szenario zwar 30'000 Franken pro Person garantiert, doch Geiger zweifelt, ob und wie diese Beträge ausbezahlt werden könnten. «Die anderen Banken müssten die entsprechende Summe im Rahmen der Einlagenversicherung zuerst einbezahlen.»

Auch für Pierre Mirabaud ist Häme Fehl am Platz: «Die Bankiers müssen sich nicht schämen», sagt der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung am heutigen Bankiertag. «Der Finanzplatz Schweiz ist gesund, sein internationaler Ruf nach wie vor intakt». Doch ganz ohne Kritik an seinen Bankierkollegen geht es nicht: Mirabaud schilt die Gier, falsche Anreizsysteme sowie das untaugliche Risikomanagement. Er fordert, die Anreize in den Entlöhnungssystemen – die Boni-Zahlungen – müssen überdacht werden. Auch dem «moralisch-ethischen Aspekt» will Mirabaud wieder mehr Platz einräumen. Trotzdem betont er: «Wir Banker können auf unseren Beitrag zum Wohlstand des Landes stolz sein».

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