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Die Grosse Depression und Roosevelts New Deal

Der Börsencrash von 1929 war nur Symptom, die Reaktion des Staats verheerend. Die Chancen gut, dass sich die katastrophale Entwicklung der dreissiger Jahre nicht wiederholt. Die Ökonomen haben die Lehren daraus gezogen.

Schlittern wir in eine Grosse Depression 2.0? Das ist derzeit die am meisten diskutierte Frage der Gegenwart. Es ist auch eine Entwicklung, die es unter allen Umständen zu verhindern gilt, denn das Resultat wäre eine Katastrophe. Das zeigen ein paar Kennziffern der Grossen Depression: Der Output der grössten sieben Industriestaaten sank zwischen 1929 und 1932 um 20 Prozent. In den USA und Deutschland kletterte die Arbeitslosenquote auf über 30 Prozent. Wegen des grassierenden Protektionismus schmolz der Welthandel auf einen Drittel seines Volumens.

Zum Glück stehen die Chancen gut, dass die katastrophale Entwicklung der dreissiger Jahre sich nicht wiederholt. Die Ökonomen haben die Lehren aus der Grossen Depression gezogen. Ben Bernanke, der Präsident der US-Notenbank, dem Federal Reserve System (Fed), ist sogar ein Spezialist in Sachen Grosse Depression. Er hat deshalb ganz anders auf die Krise reagiert als seine Vorgänger in den dreissiger Jahren.

Auslöser der Grossen Depression war der Börsencrash von 1929. Der Crash war jedoch nur Symptom, nicht Ursache. Verheerend waren die Reaktionen des Fed und der Regierung auf das Problem. Das Fed ordnete eine Verknappung der Geldmenge an. Das führte dazu, dass die Zinsen stiegen. Die Folgen waren katastrophal: Ein Drittel der amerikanischen Banken gingen allein im Jahr 1930 pleite. Das hinderte das Fed nicht daran, die Geldschraube noch weiter anzuziehen und damit die Kreditklemme noch mehr zu verschlimmern. Das Bankensterben ging ungebremst weiter und griff bald auf die reale Wirtschaft über.

Der aktuelle Fed-Präsident Bernanke hat das Geld verbilligt, mit anderen Worten, die Leitzinsen gesenkt. Inzwischen liegt er bei 0.25 Prozent. Gleichzeitig hat er massig Geld ins System gepumpt, um eine Kreditklemme zu verhindern. In den letzten 13 Monaten waren dies über 1100 Milliarden Dollar.

Der Geldmengenpolitik der Nationalbank sind Grenzen gesetzt. Bei der Bekämpfung der Rezession ist auch der Staat gefordert. In den dreissiger Jahren wurde mitten in der Depression noch versucht, den Staatshaushalt ausgeglichen zu gestalten. Das war nur möglich, indem Steuern erhöht und Sozialleistungen gekürzt wurden. Damit wurde die Nachfrage noch stärker abgewürgt und eine ohnehin prekäre Situation noch prekärer gemacht. Erst als Franklin Roosevelt 1933 sein Amt als Präsident der USA antrat, änderte sich die Wirtschaftspolitik. Roosevelt hatte ein ehrgeiziges Projekt, den so genannten New Deal. Er wurde zur «Mutter aller Konjunkturankurbelungsprogramme».

Der New Deal basierte auf der Nachfrage-Theorie von Keynes. Der Staat springt in die Nachfrage-Lücke, die verängstigte Konsumenten und verunsicherte Investoren hinterlassen. So verhindert er eine deflationäre Spirale (vergleiche die Babysitter-Rezession im Kapitel Verhandeln). Im Rahmen des New Deals fanden Millionen von Arbeitslosen einen Job beim Staat und bauten Strassen und Schulen, die teilweise heute noch gebraucht werden.

Der New Deal war jedoch nicht der makellose Erfolg, zu dem er heute teilweise empor stilisiert wird; nicht, weil er zu «sozialistisch» gewesen wäre, sondern weil selbst Roosevelt zu zögerlich vorgegangen ist. Roosevelt hätte eine noch viel aggressivere Nachfragepolitik betreiben müssen, um die Wirtschaft aus der Depression zu befreien. Den entscheidenden Schub erhielt die Wirtschaft erst Ende der dreissiger Jahre. Das wirksamste, aber im wahrsten Sinn des Wortes auch tödlichste Konjunkturankurbelungsprogramm aller Zeiten hatte begonnen: Der Zweite Weltkrieg.

Lesen Sie morgen Teil V der Serie: Akzeptanz.

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