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Der Freihandel wird die Preise purzeln lassen

Schliesst die Schweiz ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU ab, fallen die Importzölle weg. Die baz ist der Frage nachgegangen, was das für die Konsumenten bedeutet.

Kommt der Agrarfreihandel, so können das ganze Jahr Früchte und Gemüse aus ganz Europa eingekauft werden.
Kommt der Agrarfreihandel, so können das ganze Jahr Früchte und Gemüse aus ganz Europa eingekauft werden.
Keystone

Der Bundesrat verspricht den Schweizer Konsumenten bis zu 25 Prozent tiefere Lebensmittelpreise, sollte die Schweiz mit der EU ein Freihandelsabkommen abschliessen. Heutzutage bezahlen Schweizer Konsumenten auf Grund von Handelshemmnissen höhere Preise. Früchte und Gemüse von einheimischen Bauern werden etwa durch Zölle vor der ausländischen Konkurrenz geschützt. In der Winterzeit beträgt der Zolltarif für ausländische Tomaten fünf Franken pro 100 Kilo. Sind die ersten Schweizer Tomaten reif, wird der Zolltarif auf 264 Franken pro 100 Kilo erhöht: Die ausländischen Tomaten werden so künstlich verteuert. Für ausländische Exporteure lohnt es sich dann nicht mehr, in die Schweiz zu liefern. In den Läden sind praktisch nur noch Schweizer Tomaten zu finden, die entsprechend teuer sind. Beim Lauch steigt der Zolltarif von zehn auf 500 Franken und bei Aprikosen von drei auf 204 Franken pro 100 Kilo. Laut Jürg Jordi vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstehen fast alle Früchte und Gemüse solchen Zollerhöhungen. Mit dem Freihandel würden diese Zölle gegenüber der EU vollständig wegfallen. Spanische Tomaten oder italienische Erdbeeren könnten ohne Beschränkungen importiert werden.

Swissness-Bonus

Die Marktöffnung hätte jedoch zur Folge, dass auch vermehrt Produkte mit tieferen ökologischen und tierschützerischen Standards in die Schweiz importiert würden. Umso wichtiger sei, sagt Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, dass die Herkunftsdeklaration von Fleisch, Früchten und Gemüse beibehalten werde.

Im Gegensatz zur EU muss in der Schweiz nämlich angeschrieben sein, woher die Tomaten, Spargeln oder Erdbeeren stammen. Die Schweizer Konsumentinnen schätzen das: «Ich schaue immer, woher die Produkte kommen», sagt eine Frau mittleren Alters, die gerade im Coop beim Basler Aeschenplatz eingekauft hat. Sie kaufe Früchte und Gemüse nur, wenn sie aus der Schweiz stammen, sagt eine ältere Dame. «Ich will keine Frischprodukte, die mit dem Flugzeug transportiert wurden.» «Nur wenn die Konsumenten wissen, woher die Produkte kommen, haben sie die freie Wahl», argumentiert Stalder. Auch für die Bauern ist die Herkunftsdeklaration «absolut zwingend». Für sie ist sie die einzige Möglichkeit, sich von der billigeren Konkurrenz abzugrenzen: «Wir wissen, dass die Konsumenten bereit sind, für unsere strengeren Produktionsauflagen im Bereich Umwelt- und Tierschutz mehr zu bezahlen», sagt Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Bauernverbands. Ob die Schweizer Herkunftsdeklaration Bestand haben werde, sei Gegenstand der Verhandlungen mit der EU, sagt Antje Bärtschi vom Staatssekretariat für Wirtschaft. Jürg Jordi gibt sich optimistisch: «In der EU wird derzeit über die Einführung einer Herkunftsbezeichnung, so wie sie die Schweiz kennt, diskutiert.» Es sei also gut möglich, dass die Schweiz ihre Regelung behalten könne, so Jordi.

Neue EU-Regelung

In der EU ähnlich geregelt wie in der Schweiz ist die Deklaration von Fremd- und Inhaltsstoffen wie etwa Dioxinrückständen oder Kleinstmengen von Bakterien. Auch kennt die Union eine ähnliche Kennzeichnungspflicht für Zusatzstoffe (E-Nummern wie etwa E 300 für Ascorbinsäure), Enzyme, Aromen sowie allergene Substanzen. Gentechnisch veränderte Lebensmittel müssen wie auch in der Schweiz angeschrieben sein.

Derzeit ist die EU daran, die Kennzeichnung von Lebensmitteln europaweit einheitlich zu regeln. Sie soll in Zukunft «klarer sein und stärker auf die Bedürfnisse der Verbraucher zugeschnitten werden», schreibt die EU-Kommission auf ihrer Homepage. Setzt sich die Kommission mit ihrem Vorschlag durch, könnten künftig davon auch die Schweizer Konsumenten profitieren.

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