Die Reichsten sind noch reicher geworden

Die 300 Reichsten des Landes besitzen zusammen 18 Milliarden Franken mehr als im Vorjahr: Die «Bilanz» hat ihr alljährliches Ranking veröffentlicht.

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Jürg Rüttimann@juergruettimann

Die Zahlen sind grösstenteils Annäherungen und Schätzungen. Denn nur die wenigsten der ganz Reichen geben offen Auskunft zu ihrem Vermögen. Weit weg von der Realität dürfte das von der «Bilanz» errechnete Durchschnittsvermögen der 300 Reichsten in der Schweiz dennoch nicht liegen. Es beläuft sich auf etwas mehr als 2 Milliarden Franken pro Kopf beziehungsweise Familie. In die Rangliste der Zeitschrift «Bilanz» schafft es derzeit, wer mindestens 100 Millionen Franken besitzt. Die reichsten zehn des Landes dagegen sind in anderen Sphären unterwegs: Ihr Vermögen bewegt sich im zweistelligen Milliardenbereich. Zusammen verfügen die 300 Reichsten des Landes über ein Vermögen von 613 Milliarden Franken – 18,6 Milliarden Franken mehr als bei Veröffentlichung der letzten Erhebung vor einem Jahr.

Ganz oben auf der Rangliste steht mit rund 45 Milliarden Franken weiterhin die Familie des Ikea-Gründers Ingvar Kamprad, der selbst zwar wieder in Schweden lebt, dessen Söhne Peter, Jonas und Mathias aber allesamt den Schweizer Pass besitzen und in der Genferseeregion heimisch sind. Die Kamprads konnten in den vergangenen Monaten ihr Vermögen nochmals steigern – im Gegensatz zum Zweitreichsten, den am Zürichsee wohnhaften Jorge Lemann. Das Vermögen des Hauptaktionärs des weltgrössten Brauereikonzerns AB InBev ist – nicht zuletzt aufgrund der Pfund-Abschwächung nach der Brexit-Abstimmung – leicht auf rund 28 Milliarden Franken gesunken. Eine Vermögenseinbusse um rund 2 Milliarden auf 23 bis 24 Milliarden Franken hinnehmen mussten auch die Roche-Erbenfamilien Hoffmann und Oeri,weil ihre Roche-Anteile an Wert eingebüsst haben.

Weil die Aktien der Swatch-Gruppe an der Börse erheblich an Wert verloren haben, gehört auch die Familie Hayek zu den grossen Absteigern auf der «Bilanz»-Rangliste. Die Uhrenfamilie kann sich mit einem Vermögen von 4 bis 4,5 Milliarden Franken bestenfalls noch in den Top 30 halten. Da ist es den Nachkommen von Alt-Bundesrat Christoph Blocher besser ergangen. Die drei Töchter Magdalena, Miriam und Rahel sowie der Sohn Markus haben – dank dem Wertzuwachs der Ems-Aktien, den ausgeschütteten Dividenden und dem Turnaround beim von Markus Blocher geführten Spezialchemie-Konzern Dottikon ES – laut «Bilanz» ein Plus von rund 2 Milliarden Franken verzeichnet. Mit einem Vermögen von 7 bis 8 Milliarden Franken rangieren die Blochers mittlerweile unter den reichsten zwanzig des Landes.

In den Top Ten dank Neueinschätzung

Neu in den Top Ten ist der in Zug wohnhafte russische Industrielle Viktor Vekselberg, der unter anderem die Schweizer Industriefirmen Oerlikon und Sulzer kontrolliert, in Russland eine Vielzahl von Industrieunternehmen und Minen besitzt und darüber hinaus Grossaktionär des weltgrössten Aluminiumkonzerns Rusal ist. Seine Geschäfte sind im vergangenen Jahr zwar alles andere als rosig gelaufen; weil Vekselberg mittlerweile aber mehr Fakten zu seinem Firmenimperium und Beteiligungsportfolio preisgibt als früher, wird sein Vermögen neu auf 12 bis 13 Milliarden Franken geschätzt. 2015 hatten die «Bilanz»-Journalisten das Vermögen des Russen erst auf 8 bis 9 Milliarden Franken geschätzt.

Wer in der Liste der Reichsten auftaucht, ist bisweilen auch davon abhängig, welche Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit dringen. So ist heuer erstmals Marina Picasso, eine Enkelin des bekannten Malers, mit Vermögenswerten von 1,5 bis 2 Milliarden Franken im Ranking präsent. Aufgefallen ist die in einem Genfer Wohnort wohnhafte 66-Jährige, weil sie letztes Jahr Picasso-Werke aus ihrem Vermögen im Wert von 300 Millionen Franken veräussert hat.

Neben Picasso haben es dieses Jahr 12 Personen und Familien zum ersten Mal auf die Reichstenliste geschafft. Jene, die von der Liste verschwunden sind, sind entweder gestorben oder weggezogen. Prominenteste Wegzüger sind der russische Oligarch Dmitri Yakubowski mit einem geschätzten Vermögen von 700 bis 800 Millionen Franken sowie der Musiker Phil Collins mit 200 bis 250 Millionen Franken. Yakubowski lebt momentan wieder in Moskau, Collins ist nach Miami gezogen. Beide haben ihre Liegenschaften in der Schweiz aber behalten.

baz.ch/Newsnet

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