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Deutschland für Schweizer Banken ein steiniges Feld Analyse

Zürich Zukaufen oder weichen - oder auf ein Steuerabkommen hoffen: Das sind die Optionen für die deutschen Töchter von Schweizer Privatbanken.

Deutschland und seine Reichen sind für Vermögensverwaltungsbanken aus der Schweiz und Liechtenstein ein steiniges Feld. Bis Gewinne fliessen, braucht es Geduld, die die Liechtensteiner LGT Bank nun nicht mehr hatte. Nachdem die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) ihr den den Kauf der BHF-Bank verwehrte, stellt die Liechtensteiner Fürstenbank ihr ganzes deutsches Vermögensverwaltungsgeschäft zum Verkauf. LGT ist schon seit 2003 mit einer eigenen Bank in Deutschland vertreten - und kam in den sieben Jahren trotzdem nicht in die Gewinnzone. Dafür jedoch braucht sich die Bank des Liechtensteiner Fürstenhauses nicht zu genieren: Kaum eine Schweizer Vermögensverwaltungsbank machte nennenswerte Gewinne, wie die Bank bis 2009 vorliegenden Bilanzen zeigen. Grösster Markt in Europa Dabei ist Deutschland laut Boston Consulting mit schätzungsweise 430'000 Millionärshaushalten der grössten Vermögensverwaltungsmarkt auf dem europäischen Kontinent. Doch viele, bis hin zu Sparkassen und Volksbanken, kämpfen um den Kuchen. Nach Einschätzung des Banken-Experten Ray Soudah sollte eine Bank bei reichen Kunden mindestens 10 Milliarden Fr. Fr. einsammeln können, wenn sie Gewinne machen will. Vontobel verwaltet in Deutschland gut eine Milliarde Franken. Julius Bär kommt für Deutschland und Italien zusammen auf knapp drei Milliarden. Bei der Bank Sarasin stammt ein Gutteil der in Europa verwalteten 5,4 Milliarden Fr. aus Deutschland. Die Basler waren im letzten Jahr erstmals profitabel. Geld vor Ort zu verwalten, war bisher für viele Schweizer Banken nicht so dringend. Als das Bankgeheimnis noch Schutz bot, brachten viele Deutsche ihr Geld lieber direkt in die Schweiz. Zukäufe unabdingbar Grossbanken wie Credit Suisse und UBS mit ihren weltbekannten Marken mögen das nötige Wachstum bewerkstelligen können. Aber unter den mittelgrossen Geldhäusern habe es bisher in Europa kaum eine Bank geschafft, aus eigener Kraft die nötige Grösse zu erreichen, sagte Soudah. «Es braucht zehn, 20 oder gar 30 Jahre, um eine Marke zu etablieren und das nötige Vertrauen der Kunden zu gewinnen». Da bleibe nur, eine Übernahme zu stemmen oder den Markt wieder zu verlassen und sich auf aufstrebende Länder in Asien, Südamerika und Osteuropa zu konzentrieren. «Ich rechne nicht mit grösseren Übernahmen von Schweizer Banken in Deutschland», sagte der Bankenexperte Daniel Senn von der Beratungsgesellschaft KPMG. Die meisten würden wohl über die Abwerben von Teams von anderen Banken zu wachsen versuchen. Das sei weniger riskant und aufsichtsrechtlich einfacher. Hoffen auf Steuerabkommen Ein Königsweg würde sich für die Schweizer eröffnen, wenn der Bundesrat bei den laufenden Verhandlungen über ein Steuerabkommen mit Deutschland Erfolg hätte. Die Schweiz fordert als Gegenleistung für eine Abgeltungssteuer auf deutsches Schwarzgeld für ihre Banken den freien Zugang zum deutschen Markt. Dann könnten in der Schweiz entwickelte Zertifikate und Fonds ohne grössere Zusatzkosten in Deutschland verkauft werden. Die Banken müssten in Deutschland nicht mehr aufwändige personalintensive Operationen betreiben. Damit, so KPMG-Experte Senn, würde die Gewinnschwelle deutlich sinken.

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