Zum Hauptinhalt springen

Deutsche Bundesbank lehnt Verpfändungsplan zur Euro-Rettung ab

Berlin Die deutsche Bundesbank lehnt einen Vorschlag aus Reihen der G20-Staaten ab, wonach die europäischen Notenbanken ihre Währungsreserven teilweise für die Euro-Rettung verpfänden sollen.

«Wir kennen diesen Plan und lehnen ihn ab», sagte ein Sprecher der Bundesbank am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Er reagierte damit auf einen Bericht der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung», wonach die Regierungen von Deutschland und Frankreich im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise angeblich einen Angriff auf den Goldschatz der Bundesbank planten. Auch die deutsche «Welt am Sonntag» berichtete, es habe auf dem G20-Gipfel diese Woche in Cannes Versuche gegeben, die Bundesbank und andere europäische Zentralbanken für die Rettung klammer Euro- Länder anzuzapfen. Mittels der seit Jahrzehnten aufgebauten Gold- und Devisenreserven der Bundesbank solle die Haftung Deutschlands in der Krise um mehr als 15 Milliarden Euro erhöht werden, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» unter Berufung auf Verhandlungskreise des G20-Gipfels weiter. Auf diesem Wege solle der Bundestag umgangen werden. Hintergrund sei, dass die Feuerkraft des 440 Milliarden Euro schweren Euro- Rettungsfonds (EFSF) nicht ausreichen werde, sobald grössere Staaten ins Wanken kämen. Thema bei der Euro-Gruppe? Unter den Staats- und Regierungschefs in Cannes sei darüber beraten worden, das System der Europäischen Zentralbanken mit seinen Devisenreserven in Höhe von insgesamt 50 bis 60 Milliarden Euro in Form von Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF) an eine Zweckgesellschaft des europäischen Krisenfonds zu verpfänden, berichtete die «F.A.S.» weiter. Als «Erfüllungsgehilfin» habe sich die EZB angedient. Offenbar seien bereits politische Vorschläge ausgearbeitet worden. Wegen des Widerstands der Bundesbank sei das Thema in Cannes zunächst wieder vom Verhandlungstisch genommen worden, berichtete die Zeitung. Schon am Montag solle die Euro-Gruppe jedoch abermals darüber beraten. Verbündete unter den anderen Notenbanken habe die Bundesbank nicht, und Bundeskanzlerin Angela Merkel verhalte sich uneindeutig. Merkel gegen Obama, Sarkozy und Cameron Die «Welt an Sonntag» berichtete unter Berufung auf G20- Verhandlungskreise, US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Grossbritanniens Premier David Cameron hätten in Cannes vorgeschlagen, die EFSF mit einem Teil der Währungsreserven der Euro-Notenbanken aufzufüllen. Das wäre nicht nur ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Bundesbank; auch die deutsche Haftungssumme bei der EFSF würde so durch die Hintertür erhöht. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann habe sein Veto eingelegt, weshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel das Vorhaben zum Ärger von Obama, Sarkozy und Cameron verhindert habe, berichtete die «Welt am Sonntag» weiter. Sonderziehungsrechte der Euro-Staaten im Visier? Konkret sei es um die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) gegangen, eine Art Ersatzwährung des IWF. Diese SZR sind Ansprüche der Staaten an den IWF; sie sind bares Geld wert. Die SZR werden von Staaten gehalten oder von deren Notenbanken. In Deutschland liegen sie bei der Bundesbank. Sie gehören wie der Goldschatz im Wert von rund 130 Milliarden Euro zu den Währungsreserven. In Cannes sei vorgeschlagen worden, dass die Euro-Staaten und deren Notenbanken SZR im Wert von 60 Milliarden Euro in den Rettungsschirm einbrächten, davon 15 Milliarden Euro von der Bundesbank, wie die «Welt am Sonntag» weiter berichtete. In der EFSF sollten sie dann als Pfand für weitere Rettungsprogramme dienen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch