Zum Hauptinhalt springen

Deutsche Banken sorgen sich wegen Basel III um Rendite

Frankfurt Die deutschen Banken bangen wegen der schärferen Eigenkapitalregeln um ihre Ertragskraft.

Drei Viertel der Kreditinstitute erwarten nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage einen Rückgang ihrer Renditen. Die vom Center for Financial Studies (CFS) der Universität Frankfurt befragten Führungskräfte rechnen zugleich damit, dass das «Basel III»-Kapital-Regelwerk das Finanzsystem stabilisieren wird. Allerdings dürfte das auch auf Kosten der Kreditvergabe gehen. Für die Umfrage hat das CFS mehr als 120 Institute befragt. Gut die Hälfte davon zeigte sich überzeugt, dass die Banken wegen Basel III Risikoappetit verlieren werden. 35 Prozent glauben, dass die neuen Vorschriften für Eigenkapital und Liquidität keinen Einfluss auf die Risikobereitschaft haben. G20-Entscheid Mitte November Über die Änderungen der Kapitalregeln werden die Staats- und Regierungschefs der 20 grössten Industrie- und Schwellenländer (G20) Mitte November entscheiden. Im September hatten sich die weltweit wichtigsten Finanzaufseher im Baseler Ausschuss unter dem Eindruck der Finanzkrise auf die Reform verständigt. Unter anderem soll das «harte Kernkapital» (Core Tier-1) künftig nur noch aus Grundkapital und einbehaltenen Gewinnen bestehen, weil die Banken nur darauf jederzeit zurückgreifen können, wenn sie Verluste ausgleichen müssen. Sie müssen spätestens 2019 davon mehr als dreimal so viel vorhalten wie bisher. Dabei gibt es für die in Deutschland verbreiteten Stillen Einlagen unterschiedliche Übergangsfristen. Sie sollen bei Aktiengesellschaften ab 2013 nicht mehr als hartes Kernkapital gelten, bei Nicht-AGs - einigen Landesbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken - werden sie noch bis 2023 oder sogar auf Dauer anerkannt. Der CFS-Umfrage zufolge stösst das auf Unmut. 70 Prozent plädierten für gleiche Fristen für private und öffentliche Banken. Grundsätzlich bewerten die meisten Befragten aber die Übergangsfristen für die Privatbanken (61 Prozent) und für Nicht-AGs (56 Prozent) als angemessen. Finanzexperten befürworten höhere Kernkapitalquoten Gute Noten bekommt Basel III auch in einer Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 214 Finanzmarktexperten. Auch hier zeigt sich eine grosse Mehrheit überzeugt, dass Basel III die Banken besser vor Krisen schützen wird. So befürworten 92 Prozent der Befragten, dass die Kernkapitalquote bis 2019 von vier auf sechs Prozent steigen soll. Ebenfalls stabilisierend wirkt den Experten zufolge die Einführung einer «Leverage Ratio» in der Bankenbilanz, die den Verschuldungsgrad des Geldinstituts offenlegt. Unter den Banken und den Aufsehern selbst ist sie aber umstritten. Für eine höhere Kernkapitalquote müssen die Institute mehr Rücklagen bilden oder neue Anteilsscheine ausgeben. Viele Banken haben bereits angekündigt, dass sie zunächst keine oder weniger Gewinne ausschütten wollen, um sich zu rüsten. Um nicht auf Hilfe von aussen angewiesen zu sein, können sie auch ihre Risikoaktiva verringern. In der CFS-Umfrage gaben fast zwei Drittel der Bank- Manager an, dass sie mit einer Verkleinerung des Kreditvolumens rechnen. Zahlreiche Institute könnten allerdings auch gezwungen sein, sich am Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen. HVB-Chef Theodor Weimer sieht auf die deutschen Banken wegen Basel III massive Kapitalmassnahmen zukommen. Die Einbehaltung von Gewinnen allein reiche nicht aus, sagte Weimer beim «Bayerischen Finanzgipfel». Die Banken würden das Geld kaum verdienen, das sie zur Erfüllung der Auflagen brauchten, sagte der Chef der UniCredit-Tochter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch