Der Preis für einen Café crème sinkt

Schweizerinnen und Schweizer trinken pro Kopf knapp 1000 Tassen Kaffee im Jahr. Dafür zahlen sie 3 Rappen weniger als im Vorjahr.

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Im Kanton Bern am günstigsten, in Zürich am teuersten: Ein Café crème kostet im Durchschnitt 4.22 Franken.Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Die Schweiz ist in vielerlei Hinsicht ein Kaffeeland. Erst einmal ist Kaffee hierzulande eines der beliebtesten Getränke. Das Umsatzpotential und – fast noch wichtiger – das Margenpotenzial für die Gastronomie als wichtigsten Absatzmarkt nach dem Detailhandel ist deshalb hoch. Kaffee ist in der Gastronomie die Sparte mit der höchsten Marge.

Die Schweizerinnen und Schweizer haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 975 Tassen Kaffee pro Person getrunken. Das zeigen aktuelle Zahlen des Verbands Cafetiersuisse, die heute veröffentlicht worden sind.

Die Schweiz bewegt sich somit beim weltweiten Kaffeekonsum weiterhin an der internationalen Spitze. Zum Vergleich: Weltmeister im Kaffeetrinken sind die Deutschen mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 1261 Tassen, gefolgt von den Norwegern, Österreicherinnen und den Schweizern.

Allerdings ist der Kaffeekonsum in der Schweiz gemäss den neuen Zahlen deutlich rückläufig. Der Verband erklärt das mit statistischen Effekten. «Unsere Mitglieder melden uns, dass sie tendenziell mehr Kaffee verkauft haben», sagt Cafetiersuisse-Präsident Hans-Peter Oettli. Wer gute Qualität anbiete, müsse sich um den Absatz kaum Sorgen machen.

Doch auch als Wirtschaftszweig spielt Kaffee in der Schweiz eine wichtige Rolle. Über die gesamte Wertschöpfungskette vom Handel über die Maschinenhersteller bis zum Verkauf der verarbeiteten Produkte erwirtschaftet die hiesige Branche etwa 4,9 Milliarden Franken und damit knapp 1 Prozent des Bruttoinlandproduktes der Schweiz.

Erneut hat Cafetiersuisse den angewandten Verkaufspreis für Café crème bei 650 Cafés, Cafeterias, Café-Bäckereien und Bistros in der deutschsprachigen Schweiz erhoben. Der Durchschnittspreis für einen Café crème ist im Vergleich zu 2018 um drei Rappen auf 4.22 Franken gesunken.

Ebenfalls weniger kostet ein Espresso. Der jährliche Durchschnittspreis ist innert Jahresfrist um 6 Rappen auf 4.21 Franken gesunken.

«Nach der Zurückhaltung bei Preisaufschlägen in den vergangenen Jahren zeigt sich im Gesamtdurchschnitt in diesem Jahr ein moderater Preisrückgang. Der Preisunterschied zwischen städtischen und ländlichen Regionen ist weiterhin feststellbar, er nimmt aber entsprechend dem Trend der vergangenen Jahre weiter ab», sagt Oettli.

Gerade in den teureren «Kaffeegebieten» der Schweiz reagieren die Gastrobetriebe mit gemässigten Preisrückgängen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Der Kanton Bern bleibt mit einem durchschnittlichen Preis von 4.04 Fr. weiter unter dem Gesamtdurchschnitt der Deutschschweiz. Die Stadt Bern liegt mit 4.25 Fr. über diesem kantonalen Durchschnitt.

Cafetiersuisse hält fest, dass die Preisgestaltung eine individuelle unternehmerische Entscheidung jedes einzelnen Betriebes ist. Für die Preiskalkulation seien die Konkurrenzsituation, das Konzept und der Standort des Betriebes zu berücksichtigen. Der Verband gibt keine Preisempfehlungen ab, sondern beobachtet die Preisentwicklung und das Marktumfeld.

Der Börsenpreis der Aarabica-Bohne ist so tief wie in den letzten 14 Jahren nicht.

Der weltweite Kaffeemarkt wird aktuell durch tiefe Rohstoffpreise und eine gute Ernte bestimmt. Der Börsenpreis der Aarabica-Bohne, die etwa 60 Prozent des Weltmarktes ausmacht, war in diesem Jahr zeitweise so tief wie in den letzten 14 Jahren nicht. Diese Entwicklung trifft laut Cafetiersuisse in erster Linie die Produzenten in den Anbauländern hart.

Dadurch seien aber auch die Vielfalt und Qualität des Kaffeeangebots gefährdet, weil sich der Anbau von Kaffee nur noch für Grossproduzenten in wenigen Ländern wie Brasilien und Vietnam lohne.

Experten warnen aber auch vor einem ganz anderen Trend. Sie erwarten, dass sich die Nachfrage nach Kaffee in den kommenden 30 Jahren verdoppeln könnte, weil vor allem in den asiatischen Ländern die Lust auf dieses Getränk steigt.

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