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Den E-Trottis könnte schon bald der Saft ausgehen

Die Verleihdienste für Elektro-Trottinetts wachsen rasant. Der Boom könnte von kurzer Dauer sein – glaubt zumindest der grösste Hersteller der Fahrzeuge.

E-Trottis werden immer beliebter: Nicht für alle Anbieter könnte die Rechnung aufgehen.
E-Trottis werden immer beliebter: Nicht für alle Anbieter könnte die Rechnung aufgehen.
Susana Vera, Reuters

Noch sind sie in Zürich nicht an jeder Ecke. Doch die Zahl der E-Trottinetts hat in den vergangenen Wochen spürbar zugenommen. Die US-Firma Lime hat die hiesige Flotte jüngst ausgebaut, rund vierhundert Stück sollen in der Stadt verteilt sein. Hinzu kommt die kalifornische Konkurrenzfirma Bird. Sie ist mit einer kleineren Stückzahl vor wenigen Wochen ebenfalls in Zürich gestartet. Das Entsperren der Trottinetts kostet bei beiden 1 Franken, hinzu kommen 30 Rappen pro Fahrminute.

Ob die Rechnung aufgeht, bleibt offen. Denn den Verleihdiensten für E-Scooter könnte das gleiche Schicksal drohen wie denjenigen für Velos: Viele starten, nur wenige sind erfolgreich. Es sei fraglich, ob die Firmen lange überleben werden, denn das Geschäftsmodell sei nicht zukunftsfähig, sagt Tony Ho der «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig). Ho ist beim E-Scooter-Hersteller Segway Ninebot für das internationale Geschäft zuständig. Es sei zwar fantastisch, was die Unternehmen wie Bird in so kurzer Zeit erreicht hätten. Er zweifle aber daran, ob eine Firma nur mit E-Trottinetts überleben könne. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Anbieter in finanzielle Schwierigkeiten geraten würden.

Trotti-Produktion steigt rasant

Sein Wort hat Gewicht, denn eine Firma profitiert besonders vom Boom rund um die E-Trottinetts: Segway Ninebot ist der grösste Hersteller von elektrischen Scootern. «Wir dürften in dem Scooter-Krieg die einzige Firma sein, die Geld verdient», so Ho. Die Produktion wird derzeit rasant ausgebaut. Stellte das Unternehmen 2017 noch 200'000 Scooter her, sind es in diesem Jahr rund 1 Million Stück. Nächstes Jahr dürfte die Zahl noch einmal deutlich zunehmen, so Ho gegenüber der FT.

Damit die Trottinetts überleben, brauche es Kooperationen. Ein gutes Beispiel sei daher die Übernahme des E-Scooter-Anbieters Spin durch den Autobauer Ford. Um langfristig erfolgreich zu sein, brauche es ein möglichst grosses Netzwerk, sonst seien die Margen zu klein. Die Finanzen könnten daher für Lime und Bird zum Problem werden.

Sowohl Limeals auch Birdhaben bei Investoren viel Geld eingesammelt. Hunderte Millionen Dollar flossen in die E-Trottinetts. Beide Firmen sollen Milliarden Wert sein. Dies aber nur, wenn den Geldgebern der Ausstieg zum richtigen Zeitpunkt gelingt. Offenbar laufen derzeit entsprechende Verhandlungen. Doch geht den Firmen vorher die Luft aus, bleibt den Investoren das Nachsehen.

Nicht nur die Konkurrenz durch E-Trottinetts ist gross. Neben Verleihrädern von mehreren Anbietern, gibt es in Zürich auch noch 200 E-Roller des Car-Sharing-Anbieters Mobility.

Produktion wird wegen Trump-Steuer verlegt

Nicht nur auf die Verleihanbieter kommen unsichere Zeiten zu. Lime und Bird suchen andere Scooter-Hersteller. Sie wollen Modelle, die sich weniger leicht von Vandalen beschädigen lassen und wetterbeständiger sind. Segway Ninebot kämpft als chinesische Firma mit den Sondersteuern, die US-Präsident Donald Trump jüngst eingeführt hat.

Das Unternehmen will daher die Produktion in andere Länder verlagern. Infrage käme dafür Mexiko, aber auch andere Staaten würden evaluiert. Die USA würden sich laut Ho nicht anbieten, da dort die Fähigkeiten und die lokalen Zulieferer fehlen würden.

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