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Coronavirus senkt unsere Heizkosten

Die Epidemie lässt in China die Nachfrage nach Rohöl zusammenbrechen. Schweizer Hausbesitzer und Mieter können davon profitieren.

Dramatischer Preiseinbruch: Ein Lieferant beliefert ein Mehrfamilienhaus im Raum Zürich mit Heizöl. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Dramatischer Preiseinbruch: Ein Lieferant beliefert ein Mehrfamilienhaus im Raum Zürich mit Heizöl. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Seit Jahresbeginn zeigten die Weltmarktpreise für Rohöl fast nur in eine Richtung: nach unten. Der Ausbruch des Coronavirus in China sorgte zeitweise für einen dramatischen Preiseinbruch. Kostete ein Fass Rohöl der Sorte Brent zu Beginn des Jahres noch fast 70 Dollar, notierte der Preis zuletzt bei etwas mehr als 50 Dollar.

Diesen Rückgang spüren viele Schweizer bereits im Portemonnaie. «Die Heizölpreise sind in der Schweiz seit Anfang Januar gesunken – je nach Region von rund 91 Franken je 100 Liter auf derzeit rund 79 Franken», sagt Daniel Schindler, Sprecher von Avenergy Suisse, der ehemaligen Erdölvereinigung.

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In erster Linie profitieren davon jene Hausbesitzer, die nun ihre Öltanks füllen. In zweiter Linie können die Mieter auf tiefere Nebenkosten hoffen.

Nur geringe Auswirkungen auf den Benzinpreis

An den Tankstellen spürt man davon jedoch wenig. «Massive Preisschwankungen an den Schweizer Zapfsäulen gibt es selbst bei internationalen Krisen in den Erdölfördergebieten kaum», sagt Schindler. Dies auch, weil der Benzinpreis in der Schweiz nur zu einem geringen Teil vom Rohölpreis bestimmt wird. Wichtiger sind die Mineralölsteuer, der Mineralölsteuerzuschlag und die Importabgaben. Die staatlichen Abgaben machen mehr als die Hälfte des Benzinpreises aus.

Bei den Produzenten und Händlern schlagen die Folgen des Coronavirus aber durch. Dabei sah es zu Beginn des Jahres noch anders aus. Damals sorgte die Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran für einen steigenden Erdölpreis. Ein Fass Öl der Sorte Brent kostete plötzlich fast 10 Prozent mehr.

Chinas Bedarf sinkt um bis zu drei Millionen Fass

Nun ist das Virus nicht nur eine Bedrohung für die Gesundheit, sondern auch ein Dämpfer für die chinesische Wirtschaft. Dadurch lässt die Krankheit die Nachfrage nach Rohöl zusammenbrechen – als Folge davon sind die Preise im Keller. Der chinesische Bedarf ist um zwei bis drei Millionen Fass pro Tag gesunken.

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs haben ihre Preisprognosen für die europäische Rohölsorte Brent deshalb um 10 Dollar nach unten angepasst. Statt der bisher erwarteten 63 Dollar für Brent im ersten Quartal sieht die Bank den Durchschnittspreis nun bei 53 Dollar. Sie rechnet allerdings mit einer anschliessenden Erholung auf 57 Dollar.

Das Ölkartell Opec will wegen des sinkenden Verbrauchs die Ölproduktion um 600’000 Fass pro Tag kürzen, um so den Preis zu schützen. Er soll so bei über 60 Dollar für das Fass Rohöl gehalten werden. Doch sind sich die Opec-Staaten nicht einig. Saudiarabien drängt auf einen schnellen Schnitt, doch ist sich Russland unsicher, ob es die Förderung weiter drosseln will. Das Zögern der Russen kommt laut Medienberichten bei den anderen Opec-Mitgliedern schlecht an.

Wichtige Ölhändler versuchen sich derweil gegen die tiefen Preise abzusichern. So heuern etwa das Genfer Unternehmen Vitol, aber auch Royal Dutch Shell und Litasco laut der Nachrichtenagentur Bloomberg Tankschiffe an, mit denen sie das Öl auf hoher See lagern können. Die Schiffe sind dann so lange unterwegs, bis die Preise sich wieder erholen.

Die Kosten für einen grossen Ölfrachter mit der Kapazität von 2 Millionen Barrels liegen laut Bloomberg bei rund 30’000 Dollar pro Tag. Das ist zwar teuer; einen Teil des Verlusts können die Händler aber über höhere Verkaufspreise wieder ausgleichen. Vitol kommentiert eine Anfrage dazu nicht.

Deutlich weniger Containerfrachter unterwegs

Die Containerschifffahrt ist vom Ausbruch des Coronavirus stark betroffen. Der Branche entstehen durch die tieferen Frachtvolumen Kosten von 350 Millionen Dollar pro Woche, hat die dänische Analysefirma Sea-Intelligence errechnet. Weltweit sind auf den Seerouten deutlich weniger Container unterwegs als üblich.

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Die Ölindustrie wurde durch die Krise kalt erwischt. Dabei sollte die Ölnachfrage eigentlich steigen. Denn trotz grösserem Umweltbewusstsein in der westlichen Weltnimmt der Verbrauch nach Erdöl weltweit zu. Laut der Internationalen Energieagentur stieg in den vergangenen zehn Jahren der tägliche Bedarf an Öl von 85 Millionen auf 101 Millionen Fass.

Ein Teil des grösseren Verbrauchs in diesem Jahr wird laut der Energieagentur paradoxerweise durch strengere Umweltschutzmassnahmen entstehen. Weil Frachtschiffe ab diesem Jahr saubereres Öl, das weniger Schwefel enthält, als Treibstoff verwenden müssen als früher, brauchen sie mehr davon. Das grosse Wachstum kommt aus China und Indien. Durch die wirtschaftliche Entwicklung stieg in den vergangenen Jahren der Bedarf rasant – nur um jetzt, im Fall von China, innert kürzester Zeit zusammenzubrechen.

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