Zum Hauptinhalt springen

Commerzbank verliert Bonus-Prozess in London

London/Frankfurt Im Streit um millionenschwere Bonuszahlungen für Investmentbanker hat die Commerzbank vor einem Londoner Gericht eine herbe Niederlage erlitten.

Das deutsche Finanzinstitut muss mehr als 100 Bankern rund 52 Millionen Euro an Prämien aus der Zeit der Finanzkrise nachzahlen. Die Bank müsse sich an ihre Bonus-Zusagen halten, auch wenn die Investmentbanker damals einen Verlust angehäuft hatten, urteilte Richter Robert Owen am Mittwoch im Londoner Court of Justice zugunsten der Kläger. Die Commerzbank, die in der Krise mit milliardenschweren Staatshilfen gerettet werden musste, behält sich vor, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Das Verfahren erreichte Anfang 2012 seinen Höhepunkt, als sich Kläger und Commerzbank vor dem Londoner Gericht beharkten. Verwaltungsratspräsident Martin Blessing musste ebenso aussagen wie der frühere Investmentbank-Chef der Dresdner Bank, Stefan Jentzsch. Beide spielten im Ursprung des Streits - die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank im Herbst 2008 - eine Schlüsselrolle: Jentzsch hatte damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, seine Banker in London zusammengetrommelt und ihnen öffentlich einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt, wenn sie in den unruhigen Zeiten bei der Stange blieben. Es war die Zeit der Spekulationen über die Zukunft von Dresdner Kleinwort gewesen, nachdem die Dresdner Bank von der Allianz zum Verkauf gestellt worden war. Die Londoner Finanzaufsicht drängte auf Massnahmen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, und Jentzsch setzte dazu Geld ein. Doch nur einigen Bankern wurden die Boni schriftlich für das Bleiben garantiert - insgesamt 150 Millionen Euro, die auch ausgezahlt wurden. Die restlichen - nur mündlich zugesagten - 250 Millionen Euro strich Blessing später kurzerhand um 90 Prozent zusammen. Da war der Commerzbank-Chef kurzfristig selbst zum Dresdner-Bank-Chef avanciert, und Dresdner Kleinwort hatte in der Finanzkrise einen Verlust von 6,5 Milliarden Euro angehäuft. Von Leistungsboni könne daher keine Rede sein, argumentierte Blessing. «Verantwortungsvoll und richtig» Bei dieser Linie bleibt die Commerzbank auch nach dem nun gesprochenen Urteil. «Die Commerzbank ist nach wie vor davon überzeugt, dass es verantwortungsvoll und richtig war, die Bonusbeträge zu reduzieren», erklärte ein Sprecher. Einer der Kläger hatte bereits 1,5 Millionen Euro Garantie-Bonus kassiert und klagte weitere 2,4 Millionen ein - nach der «Vorspeise» stehe ihm nun auch der Hauptgang zu, argumentierte er in der Verhandlung. Die Forderungen der 104 Banker reichten von 15'000 bis 2,6 Millionen Euro. Formal ging es in dem Verfahren um die Auslegung britischen Vertragsrechts: Wie war die Aussage Jentzschs zu werten - als feste Zusage oder als vages Versprechen? Das Bundesarbeitsgericht hat das schon letztinstanzlich entschieden - zugunsten der Bank. Doch dabei ging es nur um gut ein Dutzend Dresdner-Banker mit deutschen Arbeitsverträgen, die meisten von ihnen hatten britische Kontrakte. Nicht nur in Deutschland wurde der Prozess mit Interesse verfolgt. Auch in London erregte er grosses Aufsehen, weil Grossbritannien gerade erneut in einer hitzigen Debatte über Banker- Boni steckt. Erst im Januar hatte Premierminister David Cameron kritisiert, die Sonderzahlungen und Leistungsprämien an die Investmentbanker seien «ausser Kontrolle geraten».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch