Zum Hauptinhalt springen

Anbieter von Kleinkrediten täuschen angeblich Kunden

Das Hilfswerk Caritas kritisiert, dass Schuldner bei zwei Banken zu Krediten kommen, obwohl sie das nicht dürften.

Laxe Prüfung bei den Kleinkrediten: Der Traum vom Luxus kann zur Überschuldung führen. Bild: Astro-O (Getty Images)
Laxe Prüfung bei den Kleinkrediten: Der Traum vom Luxus kann zur Überschuldung führen. Bild: Astro-O (Getty Images)
Laxe Prüfung bei den Kleinkrediten: Der Traum vom Luxus kann zur Überschuldung führen. Bild: Astro-O (Getty Images)

Neue Möbel, neue Fernseher oder einfach die täglichen Ausgaben bezahlen. Bei vielen Schweizern ist das Geld knapp. Um sich die Anschaffungen dennoch leisten zu können, nehmen sie einen Kredit auf. Gemäss der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) waren per Ende des letzten Jahres in der Schweiz Konsumkredite über rund 7 Milliarden Franken ausstehend. Jährlich werden mehr als 100’000 neue Kleinkredite abgeschlossen. Es ist aber nicht ganz einfach, an einen Kleinkredit von einer Bank zu kommen – oder sollte es zumindest nicht sein. Denn die Bank prüft die Finanzen des Schuldners und schätzt dann das Risiko ein, ob er den Kredit zurückbezahlen kann. Besteht die Gefahr einer Überschuldung, darf die Bank den Kredit nicht vergeben.

Doch halten sich laut Caritas nicht alle Banken daran, sie sollen mit falschen Angaben arbeiten, um den Kunden eher einen Kredit geben zu können. Das Hilfswerk hat daher zwei Institute bei der Finanzmarktaufsicht Finma gemeldet. Die Behörde soll nun prüfen, ob die Banken die Budgets der Schuldner tatsächlich systematisch falsch berechnet haben. Bei den beiden Banken handelt es sich laut Caritas-Direktor Hugo Fasel um Bank-Now, eine Tochterfirma der Credit Suisse, und die Cembra Money Bank. Andere Banken wie etwa die Migros-Bank würden sich korrekt verhalten.

Überschuldung nicht immer vermeidbar

Bank-Now habe Kenntnis davon, dass die Caritas an die Finma gelangt sei, so ein Sprecher. Der Bank sei aber nicht bekannt, gegen wen sich die Vorwürfe der Caritas im Detail richten, noch welche abschliessend erhoben werden. Aus diesem Grund kommentierte die Bank die Vorwürfe der Caritas gegenwärtig nicht weiter.

«Die Prüfung der Kreditfähigkeit wird für jeden Kunden aufgrund der individuellen Angaben und der individuellen Charakteristiken des Einzelfalls vorgenommen», so ein Sprecher von Cembra Money Bank. Doch auch die Vorgaben des Konsumkreditgesetzes könnten im Einzelfall nicht verhindern, dass – beispielsweise wegen unerwarteter Veränderungen im Leben eines Kunden, die seine Einkommenslage verändern – das Ziel des Gesetzes, die Vermeidung der Überschuldung, nicht erreicht würde. Cembra Money Bank tausche sich daher unter anderem auch mit Caritas Schweiz aus, um Härtefälle im Interesse aller Betroffenen zu lösen.

Bewerten Banken systematisch falsch?

Laut Caritas würden bei der Budgetberechnung von einzelnen Banken die Ausgaben der Schuldner systematisch zu tief angesetzt. Dadurch scheinen die finanziellen Möglichkeiten der Kreditnehmer besser, als sie es eigentlich sind. So würden die Ausgaben für das Essen bei der Arbeit nicht beachtet und die Fahrtkosten zum Arbeitsort pauschal auf 100 Franken veranschlagt. Egal wie weit der Weg zum Arbeitsplatz ist. Zudem würden die Steuerausgaben des Kreditnehmers zu tief angesetzt. Bei den Krankenkassenprämien würde der kantonale Durchschnitt für die Prüfung verwendet und nicht die tatsächlichen Ausgaben. Es könnten immer einmal Fehler passieren, doch dass sich dieselben Fehler bei jedem Antrag einschlichen, sei nicht anzunehmen, schreibt Caritas.

Würden die richtigen Angaben des Kunden in den Kreditantrag eingesetzt, sei klar, dass der Schuldner keinen Anspruch auf den Kredit habe, so Caritas. Die Überschuldung der Kreditnehmer sei daher unvermeidlich, schreibt das Hilfswerk. Die Leute gerieten in die Überschuldung, und das gehe wiederum zulasten der Allgemeinheit. Die Caritas hat die Vergabe von 200 Barkrediten untersucht. Die Dossiers stammen aus den Jahren 2003 bis 2016. Die Rückzahlung erstreckte sich über mehrere Jahre.

Schwarze Schafe unter dem Radar

Dass es schwarze Schafe bei den Kreditvermittlern gibt, ist kein Geheimnis. Doch heisst es bei Banken oft, dass die unregulierten Anbieter, die unter dem Radar der Aufsicht agieren, gefährlich seien. Dies, weil die Kreditprüfung dort oft nur dürftig erledigt werde. Laut dem Caritas-Bericht läuft die Prüfung aber offenbar auch bei gewissen Banken nicht richtig ab.

Was die Finma mit den Caritas-Unterlagen machen wird, ist nicht klar. Zu einzelnen Instituten und möglichen Abklärungen oder Verfahren äussere sich die Finma nicht, so ein Sprecher. Habe sie Hinweise auf mögliche Verletzungen von Aufsichtsrecht, so gehe sie diesen nach und ergreife falls nötig Massnahmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch