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Banken drängen auf Abschwächung der Basler Finanzreformen Beratungen gehen am Sonntag in die entscheidende Phase

Basel/Mailand Vor den entscheidenden Beratungen über eine schärfere Regulierung der Finanzbranche haben die Banken vor weitreichenden Folgen für die Wirtschaft gewarnt.

Die europäischen Institute seien sehr besorgt über die Konsequenzen der neuen Vorschriften für die Kreditvergabe, betonte der Chef der italienischen Grossbank Unicredit, Alessandro Profumo, als Präsident des Europäischen Bankenverbandes EBF. Auch der führende US-Verband kritisierte, die geplanten Vorgaben schränkten den Spielraum für Kredite an Unternehmen ein. In Basel ging am Sonntagvormittag der Basler Ausschuss in den Endspurt der Beratungen. Das Gremium aus Vertretern der Aufsichtsbehörden und Notenbanken aus den 27 wichtigsten Wirtschaftsnationen sollte die Neuerungen des Reformpakets «Basel III» absegnen, damit die G20 aus Industrie- und Schwellenländern die Vorgaben wie geplant im November im südkoreanischen Seoul verabschieden können. Hildebrand und Zuberbühler dabei Die Schweiz ist vertreten durch Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sowie Daniel Zuberbühler, Vizepräsident der Finanzmarktaufsicht (FINMA). Deutschland wird in Basel durch Bundesbank-Präsident Axel Weber und Bafin-Chef Jochen Sanio vertreten. Weber hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass die Verhandlungen zu einem raschen Ergebnis führen. «Wir wollen am Wochenende in diesen Verhandlungen das Endpaket schnüren», hatte Weber am Mittwoch gesagt. Im Kern geht es in den Gesprächen darum, dass die Banken künftig mehr Kapital vorhalten sollen, um für Krisen besser gewappnet zu sein. Die neuen Regeln dazu sollen im wesentlichen bereits ab 2013 in Kraft treten, bei Übergangsfristen von fünf bis zehn Jahren. Eckpunkten zufolge verlangen die Aufseher eine Kernkapitalquote (Tier 1) von sechs Prozent sowie oben drauf einen Puffer von bis zu drei Prozent. Davon soll ein grosser Teil hartes Kernkapital sein, also Stammkapital und Gewinnrücklagen. Allein die zehn grössten deutschen Banken stehen damit nach eigenen Angaben vor der Notwendigkeit, sich für ihr Eigenkapital in den kommenden Jahren mehr als 100 Milliarden Euro zu besorgen - entweder über Kapitalerhöhungen oder aus ihren Gewinnen. Profumo forderte den Basler Ausschuss auf, die Reform sorgfältig zu justieren. «Das ist entscheidend, wenn wir für das europäische Wachstum und den Arbeitsmarkt kein Risiko eingehen wollen», hiess es in seinem am Samstag veröffentlichten Brief an EZB-Chef Jean-Claude Trichet. US-Banken gegen zusätzlichen Kapitalpuffer Die US-Banken wehren sich vor allem gegen den Aufbau eines zusätzlichen sogenannten antizyklischen Kapitalpuffers, der in guten Zeiten aufgebaut werden müsste und noch diskutiert wird. Eine solche Verpflichtung binde Kapital, das dann nicht mehr für Kredite zur Verfügung stehe, erklärte die American Bankers Association. Die Vorschrift belaste zudem Banken ein zweites Mal, die bereits eine ausreichende Risikovorsorge getroffen hätten. Dieser Puffer soll einen Absturz nach einem exzessiven Kreditwachstum abfedern.

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