Josef Ackermann sieht Zurich hervorragend aufgestellt Appell an Wirtschaft und Politik, geeinigt aufzutreten

Versicherungen

Trotz Gewinneinbruch im dritten Quartal sieht Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann den Versicherungskonzern Zurich langfristig «hervorragend aufgestellt», wie er im Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagt.

Die Geschlechterfrage dagegen findet er für die Zukunft nicht relevant. «Für mich ist das Geschlecht völlig unwichtig. Man muss die kompetenteste Persönlichkeit wählen», sagt er. Der Versicherungskonzern hat mit Monica Mächler als Verwaltungsrätin und Isabelle Welton als globale Marketing-Chefin gleich zwei neue Frauen an Bord. Ackermann selbst ist seit vergangenem März Präsident des Konzerns. Zuvor war er Chef der Deutschen Bank. Sein Herz schlage noch zu fest für diese Institution, als dass er in einer anderen Bank hätte Präsident werden wollen. «Zu einer Bank wäre ich nie gegangen», so Ackermann gegenüber der «NZZ am Sonntag». So unterschiedlich seien Banken und Versicherungen aber nicht, jedenfalls bezüglich Anlageseite und dem Verständnis für die Finanzmärkte. Hingegen seien die Kulturen ganz anders. «Von der jährlichen Bonus-Diskussion mit Investmentbankern hat man irgendwann genug! Die extreme Geldkultur in Teilen der Bankenwelt findet man bei Versicherungen nicht.» Gegen Abzocker-Initiative Trotz seinem Verständnis für die Verärgerung über exzessive Gehälter spricht er sich gegen die Abzocker-Initiative aus. «Die Schweiz würde sich gewaltige Wettbewerbsnachteile einhandeln. Wir müssen talentierte Köpfe anziehen, wir haben keine Rohstoffe. Es wäre verheerend, wenn wir nicht mit gleich langen Spiessen um Talente buhlen könnten», so Ackermann. Angesprochen auf den Steuerstreit mit Deutschland sagt Ackermann, er finde es richtig, dass die Schweiz keine weiteren Zugeständnisse machen will. Hingegen müsste sie noch mehr als Einheit auftreten. In Deutschland stelle man mit Erstaunen fest, dass aus der Schweiz heraus stets unterschiedliche Stimmen zu hören seien. «Diese Kakafonie nimmt unserem Lande die Schlagkraft», so Ackermann. «Es hilft auch nicht, wenn Schweizer in klugen Artikeln ihr eigenes Land kritisieren. Wir müssen dafür sorgen, dass Wirtschaft und Politik mit einer Stimme gegen aussen auftreten. Jedes Abweichen davon finde ich total daneben.»

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