Shoppingcenter stecken in der Krise

Der boomende Onlinehandel setzt den Shoppingcenter zu. Nun werden Umnutzungsszenarien geprüft – ins Stücki soll ein Fitnessclub einziehen.

Wolken ziehen über die Shoppingcenter: Bei 44 von 56 Centren ging der Umsatz zwischen 2010 und 2012 zurück.

Wolken ziehen über die Shoppingcenter: Bei 44 von 56 Centren ging der Umsatz zwischen 2010 und 2012 zurück.

(Bild: Keystone)

Das war zu viel des Guten: Zwischen 2000 und 2012 hat die totale Fläche der Shoppingcenter in der Schweiz um sagenhafte 79 Prozent zugelegt. Zu viel für den Schweizer Konsumenten, der gerne und immer öfter auch online einkauft. Der Markt der Schweizer Shoppingcenter ist gesättigt, es herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Zu diesem Schluss kommt der Marktreport, des Retail Forums Switzerland, der gestern publiziert worden ist und an dem 115 Experten teilgenommen haben.

Selbst die 56 umsatzstärksten Shoppingcenter hätten seit zwei Jahren insgesamt über 337 Millionen Franken an Umsatz verloren, steht im Report. Das entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent. Und dies, obwohl die Verkaufsfläche dieser Center gleichzeitig um 2,8 Prozent gewachsen ist. Lediglich zwölf der 56 Centers konnten ihren Umsatz zwischen 2010 und 2012 steigern oder halten. «Die Schweizer Shoppingcenter sind gefordert wie noch nie», kommen die Verfasser der Studie zum Schluss. Die Zukunft für den Non-Food-Markt sei düster, da sich die negative Umsatzentwicklung noch verstärken würde. Entsprechend schwierig gestalte sich die Neuvermietung von Verkaufsflächen. «Es ist mit der Schliessung von bestehenden Standorten zu rechnen», schreibt das Retail Forum weiter.

Eine ideale Ergänzung

Auch im Stücki-Shoppingcenter in Kleinhüningen verlaufen die Geschäfte noch nicht nach Wunsch. Zwar stehen laut Centerleiter Jan Tanner derzeit lediglich fünf Prozent der Fläche leer, aber der starke Franken, der Onlinehandel und die Konkurrenz anderer Einkaufscenter drücken auf den Umsatz. Konkrete Zahlen für 2013 kann Tanner indes noch nicht nennen – die Dezemberzahlen stehen noch aus. Aber: «Wir spürten immer noch den hohen Anteil jener Schweizer, die ihre Einkäufe im Ausland tätigen», sagt er. Man sei deshalb daran, die «bestehende Verkaufsfläche» zu überprüfen.

In der Stücki sollen in Zukunft nicht nur Geschäfte Platz finden, sondern auch Angebote im Bereich Sport und Unterhaltung. Demnächst soll deshalb ein Fitnesscenter einziehen. «Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen von Besuchern haben wir festgestellt, dass eine Nachfrage besteht», sagt Tanner. Man sei auf der Suche nach einem entsprechenden Anbieter und stehe bereits mit verschiedenen Interessenten in Kontakt. «Sport und Shopping sind zwei Bereiche, die sich ideal ergänzen.»

Shoppingcenter wäre riskant gewesen

Von der zukünftigen Mischnutzung seines Centers erhofft sich Tanner «deutlich mehr Besucher». Eine solche Mischnutzung wird auch auf dem Baufeld A des Erlenmattareals angestrebt. Wie Ende September 2013 bekannt wurde, wird von einem Einkaufszentrum abgesehen. Der neuen Eigentümerin, die Treuhandfirma Socimbal, schwebt eine kleine Einkaufszone für den täglichen Bedarf vor. «Dies könnte mit einem Coiffeur, Restaurants, einem Kiosk und auch einem Schuhmacher wie Mister Minit kombiniert werden», sagt Socimbal-Präsident Alexandre von Heeren zur BaZ. Auch eine Hotelkette soll zu den Mietern gehören.

Eine Einkaufszone dieser Grösse sei durchaus machbar, so von Heeren. «Der Bau eines Shoppingcenters wäre wegen der Nähe zur Stücki sehr riskant gewesen», sagt er. Derzeit sei man daran, verschiedene Machbarkeiten abzuklären. «In zwei bis drei Monaten werden wir wissen, was wir machen wollen, dann beginnen wir, nach potenziellen Mietern zu suchen.»

Jan Tanner vom Stücki-Center ist froh, dass «die Erlenmatt nicht in der ursprünglich vorgesehenen Grösse kommt». Der Verdrängungskampf in der Region wäre noch härter geworden.

Basler Zeitung

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