«Sehe momentan keinen Grund zurückzutreten»

Die Basler Kantonalbank wurde von der Finma wegen Marktstützung von eigenen Titel gerügt. Bankratspräsident Andreas Albrecht sagt, warum die Bank die Rüge akzeptiert und was sich ändert.

In der Meinung der Handel sei zulässig: Andreas Albrecht und die BKB werden von der Finma gerügt, denken aber nicht an eine Anfechtung.

In der Meinung der Handel sei zulässig: Andreas Albrecht und die BKB werden von der Finma gerügt, denken aber nicht an eine Anfechtung.

(Bild: Keystone)

Herr Albrecht, die Basler Kantonalbank akzeptiert die Rüge der Finma und den Einzug des Handelsgewinns von 2,64 Millionen Franken. Wollen Sie diese Verfügung nicht anfechten?
Nein, im Moment steht das nicht zur Diskussion.

Das heisst, Sie beurteilen die Angelegenheit gleich wie die Finma?
Die BKB hatte natürlich zu keiner Zeit die Absicht, irgendwelche Regeln zu verletzen. Im Gegenteil, wir hatten versucht, diese Käufe gesetzeskonform zu machen. Indem wir die Verfügung akzeptieren, akzeptieren wir auch, dass es letztlich die Finma ist, die entscheidet, wie diese Vorschriften ausgelegt werden. Auch wenn es sicher eine ziemlich harte Einschätzung ist. Das Rundschreiben der Finma zu dem Thema war übrigens ziemlich kurz und knapp. Wo die Abgrenzung zwischen zulässigem Eigenhandel und unerlaubter Marktmanipulation verlief, war bis zu diesem Jahr nicht klar, und die Finma hat gerade in dieser Woche in einer Mitteilung erstmals konkrete Leitplanken für den Handel in eigenen Titeln aufgestellt.

Sie wollen also sagen, dass die früheren Regeln so rudimentär formuliert waren, dass die BKB quasi gar nicht wissen konnte, dass sie Fehler gemacht hat?
Nein, das wollte ich nicht sagen. Aber wir haben versucht, dieses Market-Making regelkonform zu machen und die damals zur Verfügung stehenden Regeln waren relativ knapp gehalten. Als wir intern ein Reglement zum Market-Making erlassen haben, haben wir uns rechtlich beraten lassen und waren der Meinung, es sei so zulässig. Natürlich wiesen unsere Anwälte auch darauf hin, dass der Handel nicht marktverzerrend sein darf. Da gibt es natürlich einen gewissen Ermessensspielraum.

Gemäss Angaben der Finma betrug der Anteil des Eigenhandels am börslichen BKB-Partizipationsscheins-Volumen in der untersuchten Periode im Durchschnitt 75 Prozent. Würden Sie das als immer noch im Rahmen des Ermessensspielraums bezeichnen?
Der Anteil der BKB am Handelsvolumen war schon immer hoch und hat grundsätzlich nichts mit den von der Finma gerügten Stützungskäufen zu tun. Grund für den hohen Anteil war die geringe Liquidität des Titels. Dritte waren im Handel mit BKB-Partizipationsscheinen (PS) praktisch nicht aktiv. Deshalb war die BKB als Market-Makerin an den meisten Transaktionen beteiligt und zwar auf der Kaufs- und der Verkaufsseite.

Wer hat die Stabilisierungskäufe in Auftrag gegeben?
Die BKB hat sich seit jeher, also schon bevor ich Präsident war, zur Verfügung gestellt, um je nach Angebot und Nachfrage Titel zu kaufen und zu verkaufen, damit es einen einigermassen liquiden Markt gibt. Das ist ja eigentlich der Sinn des Ganzen – im Dienste der PS-Inhaber. Dieses Market-Making ist also kein eigentlicher Auftrag, sondern ständige Praxis. Auch heute noch – mit Finma-Zustimmung und mit angepassten Regeln.

Der Bankrat war zu jeder Zeit darüber informiert?
Ja, es geht ja auch nicht darum, ob man es grundsätzlich machen darf, sondern um die Modalitäten.

Was sind die Auflagen, welche die Finma der BKB gemacht hat?
Das sind weitestgehend organisatorische Auflagen zur Überwachung dieser Prozesse. Diese sind zum Teil bereits umgesetzt. Dazu gehören insbesondere die Umstellung des Market-Making in Absprache mit der Finma und die Anpassung der Reglemente und Abläufe. Zudem erfolgt eine umfassende Überwachung der Risiken aus Beständen und dem Handel von PS.

Die Bank hat bereits personelle Massnahmen getroffen – haben Sie selber sich auch schon Gedanken über einen Rücktritt gemacht?
Die BKB hat die Verfügung ja erst seit ein paar Tagen. Selbstverständlich wird sich der Bankrat an seiner nächsten Sitzung damit befassen und die Sache analysieren. Da muss man immer auch selbstkritisch sein, sich fragen, was hätte der Bankrat besser machen können. Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, möchte diese aber zuerst mit meinen Kollegen im Bankrat diskutieren. Im Moment sehe ich aber keinen Grund, von dem Amt zurückzutreten. Wir haben ja auch schon, wie das auch die Finma anerkennt, diverse Verbesserungen in die Wege geleitet. Ich habe nicht den Eindruck, es wäre der Bank dienlich, wenn ich nun mitten in dem Erneuerungsprozess zurücktreten würde.

Ich nehme an, Sie haben auch den Fall der Valiant-Bank angeschaut, die auch von der Finma gerügt wurde. Dort endete es damit, dass der Präsident Kurt Streit abgetreten ist...
Ich weiss nicht, was dort die internen Verantwortlichkeiten waren und wie die Kausalität lag. Mir fällt es schwer, hier die Parallelität einzuschätzen.

Haben Sie die Situation in der BKB beim Eigenhandel nicht überprüft, als der Valiant-Fall publik geworden ist?
Doch, wir haben unsere Anwälte sogar gebeten zu analysieren, ob es nun eine Anpassung unseres Reglements braucht. Wir sind aber zum Schluss gekommen, dass das nicht nötig ist.

Basler Zeitung

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