Gefälschte Dokumente beim Kauf des AC Mailand?

Vor wenigen Wochen hat ein chinesischer Investor den AC Mailand übernommen. Nun zeigt sich, dass Bankbelege der Käufer gefälscht sein könnten.

Ein Zweikampf beim Spiel zwischen AC Mailand und Lazio Rom: Zweifel an der Finanzkraft der Milan-Käufer.

Ein Zweikampf beim Spiel zwischen AC Mailand und Lazio Rom: Zweifel an der Finanzkraft der Milan-Käufer.

(Bild: Keystone Antonio Calanni)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Es ist ein happiger Vorwurf. Die chinesische Investorengruppe Sports Investment Management Changxing, die den italienischen Traditionsclub AC Mailand übernehmen will, soll während der Verhandlungen mit den Besitzern des Clubs einen gefälschten Bankbeleg vorgelegt haben. Dies berichtet heute die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der AC Mailand gehörte zum Firmenimperium des italienischen Ex-Premiers Silvio Berlusconi. Der 79-jährige Ex-Politiker hatte den Club 1986 übernommen und mit seinem Vermögen an die europäische Spitze geführt.

Seit längerem war bekannt, dass er den Club abgegeben will. Den Zuschlag erhielt das bislang unbekannte Konsortium aus China. Sports Investment Management Changxing bestreitet die Vorwürfe. Die Firma habe nie solche Dokumente an die Verkäufer geschickt und habe weiterhin ein Interesse, das Geschäft mit dem AC Mailand abzuwickeln.

960 Millionen Euro schwerer Kauf

Es ist ein gewaltiger Deal. Die chinesische Investorengruppe Sports Investment Management Changxing und das Berlusconi-Unternehmen Fininvest haben sich vor wenigen Wochen auf einen Kaufpreis von 740 Millionen Euro geeinigt. Der Käufer hat sich zudem verpflichtet, die Schulden des Clubs im Umfang von 220 Millionen Euro zu übernehmen. Der Wert der Übernahme beläuft sich also auf rund 960 Millionen Euro. Der AC Mailand soll direkt vom Verkauf profitieren. Die neuen Käufer haben sich verpflichtet, in den nächsten drei Jahren 350 Millionen Euro in den Club einzuschiessen.

Um seine Finanzkraft zu belegen, habe der chinesische Interessent während der Verhandlungen Bankbelege vorgelegt. Die Dokumente sollen von der chinesischen Bank Jiangsu stammen. Auf ihnen soll ersichtlich sein, dass Teilhaber von Sports Investment Management Changxing über ein bedeutendes Vermögen verfügen und somit solvente Käufer sind. Die Dokumente tragen das Siegel der Bank und sollen auf ein flüssiges Vermögen von 128 Millionen Dollar hinweisen. Die Bank Jiangsu bestreitet aber gegenüber Bloomberg, dass sie jemals solche Belege ausgestellt habe. Im eigentlichen Kaufvertrag zwischen den Investoren und Fininvest sollen die Belege nicht erwähnt worden sein. Fininvest habe die Bonität von Sports Investment Management Changxing bei den chinesischen Behörden abklären lassen.

Der Käufer aus China hat bereits 100 Millionen Euro an die AC-Mailand-Eigner Fininvest überwiesen. 15 Millionen Euro wurden bei der Unterschrift des Kaufvertrags am 5. August fällig. Vor rund zwei Wochen vermeldete Fininvest die Zahlung der zweiten Tranche von 85 Millionen Euro. Es sei ein wichtiger Schritt, um die Transaktion bis zum Ende des Jahres abzuschliessen, hiess es damals bei Fininvest.

Laut Bloomberg sei die Finanzierung der Übernahme beim Kauf durch das chinesische Konsortium noch nicht vollständig gesichert gewesen. Es suche daher noch nach finanzkräftigen Partnern, um ihn bis zum Ende des Jahres abschliessen zu können.

Inter mit chinesischem Geld

Auch beim Mailänder Stadtrivalen Inter sind jüngst chinesische Investoren eingestiegen. Suning ist einer der grössten Elektronikhersteller Chinas und hat den Internetriesen Alibaba im Rücken. Zuletzt haben chinesische Investoren auch in Spanien oder Grossbritannien im grossen Stil in Proficlubs investiert.

Bei den Fans des AC Mailand besteht weiter die Hoffnung, dass der Club mit kräftigen Geldgebern wieder an die sportlich erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen kann. Die Zeiten mit Weltstars wie dem Brasilianer Kaká im Dress des AC Mailand liegen schon einige Jahre zurück. Das gilt auch für die letzte gewonnene Trophäe.

Die italienische Meisterschaft ging in den letzten fünf Jahren an den grossen Widersacher Juventus Turin. In den letzten Saisons hat es der AC Mailand nicht einmal geschafft, sich für die finanziell einträgliche Champions League zu qualifizieren. Zumindest der Start in die neue Saison ist mit drei Siegen und zwei Niederlagen halbwegs geglückt. (jb)

baz.ch/Newsnet

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