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Kolumne Hans Ulrich ObristWir sind alle eine Familie

Und alles, was uns umgibt, gehört ebenfalls dazu.

Wir müssen von der Karibik lernen, sagt die Philosophin Alexis Pauline Gumbs.
Wir müssen von der Karibik lernen, sagt die Philosophin Alexis Pauline Gumbs.
Foto: Sufia Ikbal-Doucet

Alexis Pauline Gumbs beschreibt sich als «feministische Liebesevangelistin» und als «ehrgeizige Cousine aller gefühlsbegabter Wesen». Ihr Leben habe sie der «unendlichen, unaufhaltbaren Liebe zu den Vorfahren» gewidmet. Die Vorfahren, das sind für Gumbs nicht nur die Eltern und Grosseltern, nicht nur die Familie, nicht nur die Menschen, sondern alles, was je auf Erden gelebt und uns zu denen gemacht hat, die wir sind. Diese gedankliche Grossherzigkeit ist es, die Gumbs für mich zu einer der interessantesten Denkerinnen unserer Zeit macht.

Wie Édouard Glissant, der Philosoph, den ich an dieser Stelle bereits vorgestellt habe, entstammt auch Gumbs der Karibik – der Inselgruppe Anguilla. Beide leiten von der besonderen geografischen und gesellschaftlichen Struktur der Inselstaaten eine Denk- und Lebensform ab, die als Modell für die Weltgesellschaft taugt. Bei Glissant ist es die permanente kulturelle Befruchtung durch die auf dem Karibik-Archipel anlandenden Menschen und Dingen; bei Gumbs ist es der Gedanke der Verwandtschaft von allen mit allen.

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