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Das bewegte im Eishockey-Oktober«Wir sehen aus wie die grössten Michis»

ZSC-Verteidiger Marti sorgt für den träfsten Spruch, Ambris Nättinen trifft und trifft, Fribourgs Sprunger kämpft verzweifelt. Das verblüffte im Oktober.

Er kann auch Tore schiessen: ZSC-Hüne Christian Marti.
Er kann auch Tore schiessen: ZSC-Hüne Christian Marti.
Foto: Keystone

Es war ein ereignisreicher Oktober im Schweizer Eishockey, trotz Quarantänen allenthalben und zahlreicher verschobener Spiele. Das Tamedia-Eishockeyteam vergibt in dieser Saison, die hoffentlich noch lange dauert, jeden Monat (meist) prestigeträchtige Awards an Spieler, die besonders aufgefallen sind. Nachfolgend unsere ersten fünf Auszeichnungen:

Wilhelm-Tell-Award: Julius Nättinen (Ambri)

Er schiesst und trifft und schiesst und trifft. Julius Nättinen erzielte mit 27 Schüssen acht Tore. «Wahnsinn!», frohlockt der Ambri-Fan. «Abwarten!», motzt der Analytiker. Dass fast jeder dritte Schuss aufs Tor auch im Tor landet, ist nicht das, was Statistik-Nerds «nachhaltig» nennen.

Erstaunlich ist Nättinens Wandel dennoch. 2017 war er in seiner bislang einzigen Saison in Nordamerika in San Diego (AHL) ein Mitläufer, der sich wegen Unerfahrenheit und Mangel an Selbstvertrauen nicht durchsetzte. An fehlendem Talent des NHL-Zweitrunden-Drafts (Anaheim) lag es nie. Zurück in Finnland, fand er in Jyväskylä das Vertrauen und wurde trotz Center-Rolle zum Scharfschützen. Nun macht er in Ambri einfach weiter.

Peach-Weber-Award: Christian Marti (ZSC)

Für den besten Spruch des Monats sorgte zweifelsohne ZSC-Verteidiger Christian Marti. In Rage nach der dritten Niederlage in Serie, eines 2:5 in Ambri, und 19 Gegentoren in drei Spielen sagte er im TV-Interview gegenüber Mysports: «Das Frustrationslevel ist ziemlich hoch. Wir sehen aus wie die grössten Michis da draussen.»

Wie bitte? Wie die grössten Michis? Das Schimpfwort stammt von Parodien auf die Kindervideos «Pingu», mit denen zwei Teenager vor gut zehn Jahren für Furore sorgten indem sie sie neu vertonten mit nicht ganz jugendfreien Texten. Auf Youtube verzeichneten sie viele Klicks. Marti ist übrigens Vater zweier kleiner Kinder und dürfte diesen vorerst nur die Originalversion der «Pingu»-Videos vorsetzen.

Brillen-Award: Julien Sprunger (Fribourg)

Vielleicht kommt Julien Sprunger (Mitte) ja durch die Wiedervereinigung mit Andrei Bykow (links) wieder auf Touren.
Vielleicht kommt Julien Sprunger (Mitte) ja durch die Wiedervereinigung mit Andrei Bykow (links) wieder auf Touren.
Foto: Keystone

Kein Stürmer hat in den letzten 15 Jahren auf Schweizer Eis so verlässlich geskort wie Julien Sprunger. Über 300 Tore und 600 Punkte hat er für Gottéron erzielt doch plötzlich scheint bei ihm der Stecker gezogen. Der 34-Jährige hat in sieben Spielen noch keinen Punkt verbuchen können, also immer noch eine «statistische Brille».

Es hilft nicht, dass ihn Coach Christian Dubé nur noch in der dritten Linie einsetzt, doch zumindest im Powerplay erhält der Captain immer noch seine Entfaltungsmöglichkeiten. Auch die Wiedervereinigung mit seinem lange kongenialen Partner Andrei Bykow fruchtete noch nichts doch so schnell schreiben wir Sprunger nicht ab.

Pampers-Award: Simon Knak (Davos)

Gefeierter Youngster: Simon Knak klatscht mit seinen Davoser Teamkollegen nach einem Tor ab.
Gefeierter Youngster: Simon Knak klatscht mit seinen Davoser Teamkollegen nach einem Tor ab.
Foto: Keystone

Es spricht nicht für die National League, dass nur ein einziger 18-jähriger Stammspieler ist. Simon Knak stürmt für Davos und ist auch nur darum dort, weil bei seinem Club in Portland in Kanadas Juniorenliga WHL der Betrieb wegen Corona ruht. Nach kurzer Anlaufzeit findet er sich auch unter Erwachsenen zurecht, traf in den letzten drei Spielen zweimal.

In Nordamerika lernte er zu tun, was in der Schweiz als begabter Nachwuchsspieler nie wirklich nötig war: furchtlos vors Tor gehen. Zu Beginn in Portland feuerte sein Captain nach den Trainings jeweils Slapshots von der blauen Linie aufs Tor, Knak musste vor dem Kasten stehen und durfte sich, auch wenn der Puck voll auf ihn kam, nicht bewegen, um die Angst im Slot abzulegen.

Yin-und-Yang-Award: Malgin, Hudon, Gibbons (Lausanne)

Die Turbulenzen in der Chefetage und die forcierten Transfers wirkten sich bei Lausanne nicht nachteilig aufs Sportliche aus, im Gegenteil: die Waadtländer führen die Liga zur Pause an. Natürlich hilft es, dass der neue Besitzer Petr Svoboda seinem Coach Craig MacTavish eine neue Toplinie gekauft hat: Charles Hudon, Denis Malgin und Brian Gibbons harmonieren prächtig.

Zuletzt demontierte das schnelle und trickreiche Trio Fribourg, steuerte es zum 6:1 gleich vier Tore bei. Malgin würde, falls die NHL startet, nach Toronto zurückkehren. Er hat da einen neuen Einjahres-vertrag erhalten. Hudon möchte in Lausanne gern Schwung nehmen, um seine NHL-Karriere nochmals zu lancieren. Das klappt bisher recht gut: In vier Spielen hat er schon sieben Punkte geskort.