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Basler Gesundheitsdirektor warnt:«Wir rechnen mit einer zweiten Welle von Infizierten»

Lukas Engelberger und Kantonsarzt Thomas Steffen fordern die Bevölkerung weiterhin zur Disziplin auf.

Lukas Engelberger (l.) und Thomas Steffen hielten die Pressekonferenz in einem Studio hinter dem Badischen Bahnhof ab.
Lukas Engelberger (l.) und Thomas Steffen hielten die Pressekonferenz in einem Studio hinter dem Badischen Bahnhof ab.
Foto: Florian Bärtschiger

Aus einem Studio flimmerten sie via Laptop in die Stube: CVP-Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger und Kantonsarzt Thomas Steffen informierten am Freitagnachmittag über den ersten Lockerungsschritt im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie vom kommenden Montag, 27. April. Unter anderen Gartencenter und Coiffeurgeschäfte dürfen dann unter speziellen Schutzkonzepten wieder öffnen. Für die Einhaltung dieser Konzepte würden Arbeitskontrolleure oder auch Lebensmittelinspektoren auf die Piste geschickt. Steffen: «Wir machen allerdings keine flächendeckenden Kontrollen, sondern setzen auf Eigenverantwortung.» Bei Nichtbeachtung der Schutzmassnahmen drohten Verzeigungen und Bussen.

Auch die Ärzte und Spitäler werden ihre Kapazitäten für nicht an Corona-Erkrankte und für nicht unmittelbar dringliche Behandlungen wieder hochfahren. Die aufgeschobenen Operationen an zurückgewiesenen Patienten könnten die Spitäler nun wieder durchführen. Vor diesem Hintergrund appellierte Engelberger an die Bevölkerung, medizinische Dienste jetzt unbedingt in Anspruch zu nehmen. «Wenn Sie ein medizinisches Problem haben, warten Sie nicht zu. Im Gesundheitswesen ist das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus tief. Mit einer Behandlung zuzuwarten, kann gefährlich und gesundheitsschädigend sein.»

Durchschnittsalter bei 83 Jahren

In Basel-Stadt ist Stand Freitag bei insgesamt 936 Einwohnern eine Ansteckung mit dem Coronavirus festgestellt worden. Von ihnen mussten 190 Personen hospitalisiert werden, weil ihr Zustand instabil war. 40 Personen benötigten Intensivpflege, wobei die Basler Spitäler auch ausserkantonale Patienten betreuten. Stand Freitag waren noch 7 Patienten auf der Intensivstation. 46 Leute sind verstorben. Wie Steffen erklärte, sind sämtliche Verstorbene über 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liege bei 83 Jahren, und etwas mehr Frauen seien betroffen.

Den Spitzenwert mit 119 Coronavirus- Hospitalisierten lag in Basel um die Monatswende März/April. «Es ist erfreulich, dass die Kurve seither runtergeht und es noch weiter tun wird», sagte Steffen. Er führt dies auf die Massnahmen mit dem Verbot der Fasnacht, der Einführung der Hygienemassnahmen, den Schulschliessungen, dem Verbot von Veranstaltung mit über 100 Personen und schliesslich dem Lockdown zurück. Für Euphorie und eine rasche Lockerung ist es allerdings zu früh. Steffen: «Der Verlauf zeigt, dass es wieder neue Fälle geben wird und wir bei der Lockerung wachsam sein müssen.»

Engelberger rechnet denn auch fest mit einer zweiten Welle von Ansteckungen in der Bevölkerung. «Darauf müssen wir uns einstellen. Weil wir nicht wissen, wann sie kommen wird, müssen wir die Verhaltensregeln weiterhin einhalten», appelliert er an die Bevölkerung.

Altersheime bleiben geschlossen

Neben Appellen lobte der Basler Gesundheitsdirektor aber auch. Allen voran die Spitäler und das professionelle Gesundheitspersonal. «Unser Gesundheitswesen hat die Belastungsprüfung bestanden. Wir sind von ganz schlimmen Szenarien wie in der Lombardei oder im Elsass verschont geblieben.» Beim Rückgang der Covid-19-Fälle hätten sicherlich die Schutzbestimmungen eine grosse Rolle gespielt. Nun sei es wichtig, zu analysieren und die Zusammenhänge des Verlaufs auszuleuchten, um bei einer zweiten Welle rasch reagieren zu können.

Hierzu erläuterte Steffen, dass das Gesundheitsdepartement bei 40 Prozent der Ansteckungen die Quelle nicht habe eruieren können. 20 Prozent der Fälle hätten sich in Familien ereignet, weitere 20 in Heimen und Spitälern, je 10 Prozent der Leute hätten sich bei der Arbeit und auf Reisen oder in der Freizeit angesteckt. «Die grosse Unbekannte liegt in der Mitte des Verlaufs, dort, wo wir nicht mehr zurückverfolgen können, wer sich wo angesteckt hat», sagte Steffen. Um dem künftig besser begegnen zu können und den Dialog zwischen den Spitälern, Behörden und Patienten zu intensivieren, werde im IT-Bereich und mit einer sogenannten Contact-Tracing-App aufgerüstet.

Andere Kantone versorgen die Branchen und Unternehmen mit Schutzmasken. Das macht der Kanton Basel-Stadt gemäss Engelberger nicht. «Wir halten uns bereit, das Gesundheitswesen mit Masken zu versorgen. Für alle übrigen Branchen setzen wir auf die Ankündigung des Bundes, dass er die Branchen und Unternehmen versorgen wird.» Unklar ist zurzeit, wann die Altersheime wieder für Besuche geöffnet würden. Das Gesundheitsdepartement will hierzu zu einem späteren Zeitpunkt informieren.