Zum Hauptinhalt springen

Samstagsgespräch«Wir müssen endlich aufhören, Arbeit zu verherrlichen»

Anna Mayr lebte als Kind von Hartz IV, ihre Eltern waren arbeitslos. Die deutsche Autorin schreibt in ihrem Buch über diese Erfahrung – und darüber, wie unsere Gesellschaft Arbeitslosigkeit sowohl fürchtet als auch braucht.

Anna Mayr weiss, was Armut bedeutet: «Als Jugendliche hatte ich immer Angst, den falschen Bus zu erwischen. Ich hätte mir ein neues Ticket kaufen müssen für wahnsinnig viel Geld.»
Anna Mayr weiss, was Armut bedeutet: «Als Jugendliche hatte ich immer Angst, den falschen Bus zu erwischen. Ich hätte mir ein neues Ticket kaufen müssen für wahnsinnig viel Geld.»
Foto: Anna Tiessen

Ihre Eltern sind Langzeitarbeitslose. In Ihrem Buch über Arbeitslosigkeit schreiben Sie, dass bereits die Frage nach dem Warum viel über unsere Gesellschaft aussagt. Was genau?

Die Frage nach dem Grund der Arbeitslosigkeit drückt aus, dass arbeitslose Menschen ein Fehler im System sind. Wenn jemand Ingenieur ist, wird er nicht gefragt, warum er Ingenieur ist. In unserer Gesellschaft werden manche Menschen Ingenieure, und manche werden Bäckereiangestellte. Davon gehen wir aus. Das heisst, dass Menschen, die keinen Beruf haben, fehlerhaft sind. Sich erklären müssen. Nach dem Grund zu fragen, ist ein Mechanismus, mit dem sich die Mittel- und Oberschicht von den Arbeitslosen abgrenzt.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.