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Medienkonferenz zu CoronaBasler Spitäler auf der Schwelle zu «Notfallbetrieb»

Die Gesundheitsbehörden haben am Donnerstagnachmittag über die epidemiologische Lage im Kanton informiert. Die Lage bleibt aus ihrer Sicht «angespannt».

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Aktuelle Lage in Basel – Zusammenfassung der Medienkonferenz

Der Basler Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) hat die Corona-Pressekonferenz am Donnerstag dazu genutzt, den Baslerinnen und Baslern ins Gewissen zu reden. «Die Zahlen müssen runter», mahnt er mit Blick auf die Corona-Fallzahlen, die im Herbst rapide angestiegen sind. Die Mobilität sei noch immer zu hoch, die Bevölkerung müsse das Homeoffice ernster nehmen.

Auf dem Höhepunkt der ersten Welle seien 119 Covid-Patienten in Basler Spitälern behandelt worden, führt Peter Indra, der kantonale Leiter Gesundheitsversorgung, aus. Derzeit seien es 118. Insgesamt 22 Covid-Patienten seien in Basel-Stadt auf der Intensivstation. «Aufgrund der aktuellen Entwicklung muss angenommen werden, dass die Anzahl von Hospitalisationen und Behandlungen auf den Intensivstationen wesentlich grösser sein wird, als es im Frühling der Fall war.»

Regierungsrat Engelberger und Kantonsarzt Steffen mahnten bei der digitalen Medienkonferenz zur Einhaltung der Covid-Regeln.
Regierungsrat Engelberger und Kantonsarzt Steffen mahnten bei der digitalen Medienkonferenz zur Einhaltung der Covid-Regeln.
Screenshot: Gesundheitsdepartement Basel-Stadt

Allerdings handelt es sich bei knapp der Hälfte der in Basel behandelten Covid-Fällen um Patienten aus anderen Kantonen (siehe dazu die Stellungnahme von Engelberger unten). Noch gibt es auf den Intensivstationen freie Betten: Die Auslastung in Basel-Stadt liegt bei 84 Prozent, in Baselland bei 65 Prozent.

Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals, verweist auf das vierstufige Eskalationskonzept, das in den beiden Basel erarbeitet wurde: Die hiesigen Spitäler befänden sich derzeit an der Schwelle der zweiten Stufe «Eingeschränkter Betrieb» zur Stufe «Notfallbetrieb». Dies bedeute, dass Wahloperationen zurückgestellt würden, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Das Unispital arbeitet dabei in einem Verbundkonzept mit dem Kantonsspital Baselland sowie Privatspitälern der Region zusammen.

Eskalationskonzept gemäss interkantonaler Vereinbarung
Eskalationskonzept gemäss interkantonaler Vereinbarung
Grafik: Gesundheitsdepartement Basel-Stadt

Wegen der hohen Fallzahlen und der vielen Quarantänefälle funktioniert das Contact-Tracing nur eingeschränkt. Man komme mit der Begleitung von Quarantänefällen kaum noch hinterher, gesteht Kantonsarzt Thomas Steffen. Der Personalbestand fürs Contact-Tracing sei auf 70 aufgestockt worden – und man versuche, die Kapazitäten weiter zu erhöhen.

Denn das Aufspüren und die Kontrolle von Infektionsketten sei wesentlich, um die Fallzahlen senken zu können, betont der Kantonsarzt. Die Basler Gesundheitsbehörden kontrollieren zudem die Schutzkonzepte in Läden, Coiffeursalons und anderen Betriebe. In 20 Fällen habe man wegen Mängeln eine vorübergehende Betriebsschliessung verfügt.

Die Medienkonferenz ist beendet

+++ Ende der Medienkonferenz +++

Warum werden in Basel so viele ausserkantonale Fälle behandelt?

Rund die Hälfte der Covid-Patienten in Basler und Baselbieter Spitäler sind Auswärtige. Warum nehmen hiesige Spitäler so viele ausserkantonale Fälle auf? Stossen sie damit nicht an Kapazitätsgrenzen?

Lukas Engelberger sagt dazu: "Wir haben die Verantwortung für die Versorung für unsere Bevölkerung in der Region, aber auch in der ganzen Schweiz." Die Patientenzuweisung erfolge über zentrale Bundesstellen. "Es ist selbstverständlich, dass wir in der Schweiz solidarisch sind." Kantone wie Genf seien derzeit nun mal besonders betroffen. Im umgekehrten Fall würde Basel-Stadt diesen Dienst von anderen Kantonen auch in Anspruch nehmen, so Engelberger. Zudem habe Basel als Standort eines Universitätsspitals eine besondere Verantwortung.

Peter Indra, Leiter Gesundheitsversorgung des Kantons, kommt auf die Fälle aus der Westschschweiz zu sprechen, die in Basel behandelt werden. "Die Patienten nehmen niemandem einen Platz weg", betont er. Das Universitätsspital Basel nehme damit lediglich seine Zentrumsfunktion wahr, die interkantonale Zusammenarbeit sei in der Krise essentiell.

40 Einrichtungen bieten Schnelltests

Die Fragerunde ist eröffnet. Wie steht es um die Antigen-Schnelltests? Rund 40 Arztpraxen und andere Einrichtungen in Basel bieten laut Kantonsarzt Steffen solche Tests an. Eine Liste ist im Internet aufrufbar.

Region Basel nimmt Patienten aus Westschweiz auf

In der Region Basel werden zahlreiche ausserkantonale Covid-Patienten behandelt, darunter solche aus den Kantonen Genf und Neuenburg. Rund die Hälfte aller Personen, die in Basler und Baselbieter Spitäler behandelt werden, sind Auswärtige.

Eskalationsmodell bei Spitälern

Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals, übernimmt das Wort. Er kommt auf das Eskalationsmodell der Spitäler in den beiden Basler Halbkantonen zu sprechen. Derzeit bewege man sich auf der Schwelle von der Stufe «eingeschränkter Betrieb» zu «Notfallbetrieb». Noch gibt es auf den Intensivstationen freie Betten: Die Auslastung in Basel-Stadt liegt bei 84 Prozent, in Baselland bei 65 Prozent.

Vom bisherigen Verlauf her ähnele die aktuelle zweite Welle der ersten im Frühling; entsprechend habe man sich in den Spitälern vorbereiten können. Allerdings sei die aktuelle Welle noch nicht gebrochen und es sei offen, wie genau sich die Zahl der Hospitalisierung weiterentwickeln werde. Man können die Situation bewältigen, müsse aber Operationen zurückstellen und nur noch «dringend angezeigte Fälle» behandeln. Dies sei ein «starker Einschnitt» für den Spitalbetrieb.

Eskalationskonzept gemäss interkantonaler Vereinbarung
Eskalationskonzept gemäss interkantonaler Vereinbarung
Grafik: Gesundheitsdepartement Basel-Stadt
Lage in den Spitälern

Jetzt geht es um die Lage in den Spitälern. Peter Indra, Leiter Gesundheitsversorgung des Kantons, zeigt sich besorgt über die steigenden Fallzahlen. Erfahrungsgemäss müssten nämlich knapp ein Fünftel der bekannten Infektionsfälle hospitalisiert werden. Auf dem Höhepunkt der ersten Welle seien 119 Covid-Patienten in Basler Spitälern behandelt worden, derzeit seien es 118. Die Zahl werde wohl in den nächsten Wochen noch zunehmen. Insgesamt 22 Covid-Patienten seien in Basel-Stadt auf der Intensivstation.

1. und 2. Corona-Welle im Vergleich: Die Zahl der Covid-Patienten stieg am Unispital letzten Frühling und diesen Herbst recht ähnlich.
1. und 2. Corona-Welle im Vergleich: Die Zahl der Covid-Patienten stieg am Unispital letzten Frühling und diesen Herbst recht ähnlich.
Grafik: Universitätsspital Basel

Aufgrund der aktuellen Entwicklung müsse angenommen werden, dass die Anzahl von Hospitalisationen und Behandlungen auf den Intensivstationen wesentlich grösser sein wird, als es im Frühling der Fall war. Als Maximum für den Gesundheitsraum Raum beider Basel gilt rund 300 gleichzeitig Hospitalisierte, davon rund 50 Patienten auf den Intensivstationen.

Schulen relativ sicher

Im Schulunterricht sehe man kein dynamisches Verhalten der Epidemie, sagt der Kantonsarzt. Kinder und Jugendliche steckten sich tendenziell eher im familiären Umfeld und weniger im Unterricht an.

Contact-Tracing am Anschlag

Engelberger übergibt das Wort an Kantonsarzt Thomas Steffen. Man dürfe sich von den jüngsten Fallzahlen nicht täuschen lassen, so Stefffen. Zwar hätten sich die Zahl zuletzt stabilisiert, aber dies auf sehr hohem Niveau.

Die hohen Fallzahlen seien insofern ein Problem, als man im Fall eines neuen Corona-Ausbruchs, eines Infektionsherds schnell an Kapazitätsgrenzen stosse. Das Contact-Tracing sei zwar ausgebaut worden, doch der sprunghafte Anstieg im Herbst habe selbst Experten überrascht. Man habe daher den telefonischen Kontakt zu Quarantänefällen zurückfahren müssen. Derzeit arbeiteten 70 Personen im Basler Contact Tracing, 30 von ihnen habe man über Spontanbewerbungen anstellen können.

Engelberger appelliert an die Bevölkerung

Die Lage in den Basler Spitälern ist aus Sicht Engelbergers «dramatisch». Die Lage sei angespannter als während der ersten Welle im Frühling. Deshalb der Appell: Man solle die Home-Office-Empfehlung ernst nehmen, es seien noch immer zu viele Leute im ÖV unterwegs.

Anzeichen einer Stabilisierung

«Wir sehen erste Anzeichen einer Stabilisierung», so Engelberger. Die Stabilisierung der Fallzahlen, die man in den letzten Tagen beobachtet habe, genüge jedoch nicht, die Zahlen müssten zum Sinken gebracht werden. Der Regierungsrat macht einen bildhaften Vergleich: Man bewege sich gleichsam in einem Bus in «viel zu hohem Tempo einen steilen Berghang hinunter». In den letzten Tagen haben man eine leichte Bremsung einlegen können; es gelte jedoch, den Bus noch viel stärker abzubremsen. Deshalb sei es wichtig, dass sich jede und jeder Einzelne an die Corona-Regeln halte.

Infektionsgeschehen beschleunigt sich seit Oktober wieder

Lukas Engelberger übernimmt das Wort. Die Situation sei «angespannt», so der Regierungsrat. Er erklärt den bisherigen Verlauf der Epidemie. Seit Oktober verzeichne man wieder ein sehr starkes Wachstum.

Screenshot: Kanton BS
Die Medienkonferenz beginnt

Anne Tschudin, die Kommunikationsverantwortliche des Gesundheitsdepartements, begrüsst die Sprecher und Gäste. Die Medienkonferenz kann im Live-Stream verfolgt werden.

Worum geht es?

Regierungsrat Lukas Engelberger will eine Einschätzung zur gesundheitspolitischen Lage im Kanton abgeben. Der Kantonsarzt verspricht eine «epidemiologische Einordnung» und gibt Auskunft zum Contact Tracing in Basel-Stadt, das wegen der hohen Fallzahlen und vielen Quarantänefälle an seine Kapazitätsgrenzen stösst.

Informiert wird zudem über die Auslastung und die Lage in den kantonalen Spitälern. In Basel-Stadt sind derzeit 118 Personen in Spitalbehandlung, mindestens 20 von ihnen auf der Intensivstation. Die Intensivbetten sind zu 84 Prozent ausgelastet (hier geht es zur schweizweiten Übersicht).

Wer ist dabei?
Regierungsrat Lukas Engelberger
Regierungsrat Lukas Engelberger
Archivbild: Keystone

An der heutigen Medienkonferenz ab 14 Uhr geben Vertreter verschiedener Gesundheitsbehörden des Kantons Auskunft

- Lukas Engelberger, Regierungsrat und Gesundheitsdirektor

- Thomas Steffen, Kantonsarzt

- Peter Indra, Leiter Gesundheitsversorgung

- Werner Kübler, Direktor Universitätsspital

Beginn des Live Tickers
24 Kommentare
    Andrej

    Zum Thema Spontanbewerbung: Ich habe so eine an zwei Stellen beim Gesundheitsdepartement gesendet - bis heute keine Reaktion.