Zum Hauptinhalt springen

Geldblog: Bleibende WerteWie soll ich mein Erspartes anlegen?

Geld zu investieren, ist sinnvoll. Gleichzeitig sollte man es aber auch nutzen, um sich selbst und seinen Liebsten Gutes zu tun.

Oberstes Sparziel: Letztlich geht es im Leben um die positiven Momente, die man erleben darf.
Oberstes Sparziel: Letztlich geht es im Leben um die positiven Momente, die man erleben darf.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich bin 63 Jahre alt, verheiratet und habe rund 120000 Franken. Diese waren bis März in CS-Fonds angelegt. Ich bekam Panik, als ich feststellen musste, dass ich fast 10 Prozent verloren hatte und habe alle Fonds verkauft. Nun, was mach ich mit diesen 120’000 Franken? Leserfrage von L.P.

Leider haben Sie – das wissen Sie selbst – zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt ihre Fondsanteile verkauft, nämlich ausgerechnet im März als die Kurse wegen der Coronakrise richtiggehend eingebrochen waren. Doch mit Ihrem Panikverkauf waren Sie nicht alleine: Viele Investoren haben angesichts der damaligen Kursabstürze ebenfalls ihre Wertschriften abgestossen. Das ist emotional gut nachvollziehbar, aber leider ein Fehler. Man sollte möglichst nicht dem Herdentrieb folgen – aufwärts und abwärts. Ansonsten riskiert man, dass man entweder viel zu teuer kauft oder eben zu einem miserablen Zeitpunkt verkauft.

Machen Sie sich deswegen aber keine Sorgen. Das perfekte Timing an der Börse ist extrem schwierig und gelingt den wenigsten. Nun ist es Zeit, nach vorne zu schauen. Darauf zielt ja auch Ihre Frage. Das gesamte Geld einfach auf dem Konto brach liegen zu lassen, ist wenig sinnvoll. Schliesslich bekommen Sie auf Ihrem Kapital kaum mehr Zins. Besser ist es, das Geld wieder zu investieren. Dann haben Sie die Chance, dass Sie mehr Rendite erreichen. Dafür tragen Sie aber das Anlagerisiko. Das ist der Preis für die Rendite.

Schwieriger ist indes die Fondswahl, zumal Ihr Anlagehorizont nicht mehr so lange ist wie bei einem jungen Menschen. Junge können eine längere Baissephase an der Börse locker aussitzen. Doch mit steigendem Alter wird der Anlagehorizont immer kürzer und man kann nicht mehr gleich viel Risiko eingehen. Da Sie mir zudem schreiben, dass Sie krank sind und nicht zu viel Risiko eingehen möchten, würde ich Ihnen zu einer eher konservativen Strategie raten. Mit klassischen Franken-Obligationen wie Bundesobligationen oder FrankenUnternehmensanleihen erzielen Sie im aktuellen Tiefzinsumfeld allerdings auch keine Rendite. Im Gegenteil: Nach Abzug aller Gebühren verdienen Sie entweder kein Geld oder verlieren sogar.

Wichtig ist, dass Sie Ihrer Bank klare Vorgaben geben.

Vor diesem Hintergrund würde ich einen Teil des Geldes in Cash behalten – sozusagen als Ersatz von sehr sicheren Obligationen. Den Rest würde ich in verschiedene Anlagefonds investieren, die breit diversifiziert sowohl auf Aktien, Fremdwährungsanleihen, Immobilien und Rohstoffe wie Gold investieren. Bei den Aktien könnten Sie auch einen Fonds nutzen, der auf Aktien mit hoher Dividendenrendite setzt. Dann haben Sie wenigstens einen regelmässigen Ertrag.

Wichtig ist, dass Sie Ihrer Bank klare Vorgaben geben. Zu hohe Risiken würde ich in Ihrer Situation nicht eingehen. Erstens, weil Sie sonst schlaflose Nächte bekommen, wenn es an den Börsen wieder runter geht. Und zweitens, weil es Ihre Reserve fürs Alter ist. Allerdings sollten Sie nicht sofort alles investieren, sondern nur schrittweise. Dann einem gestaffelten Fondskauf haben Sie eher die Chance, dass Sie über die Zeit gute Durchschnittspreise erreichen.

Angesichts der anhaltenden Coronakrise rechne ich auch in den nächsten Monaten mit stärkeren Turbulenzen an den Finanzmärkten. Das sollten Sie sich bewusst sein. Ebenfalls wichtig ist, dass Sie bei der Fondswahl darauf achten, dass Sie nicht zu hohe Gebühren bezahlen. Denn diese fressen einen Teil Ihrer Rendite weg. Da würde ich von der Bank Transparenz verlangen.

Über die eigentliche Anlage hinaus würde ich wenigstens einen Teil des Geldes nutzen, um Ihnen selbst Gutes zu tun. Machen Sie etwas damit, was Ihnen Freude bereitet. Sie schreiben, dass Sie gerne reisen. Leider ist dies angesichts der Coronarisiken derzeit nicht einfach. Dennoch würde ich wenigstens einen Teil Ihres Ersparten als Entlastung für Ihre Krankheit und als Möglichkeit nutzen, um positive Erlebnisse mit Ihren Liebsten machen zu dürfen.

Am Schluss eines Lebens bleiben nur die Menschen, die einem lieb sind und die positiven Momente, die man erleben darf. Genau dafür sollte man meines Erachtens Geld auch einsetzen. Dafür lohnt es sich zu sparen. Dafür lohnt es sich auch, das Geld zu optimieren und zu investieren – in bleibende Werte.

Weitere interessante Beiträge aus dem Geldblog:

Wie kann ich meine Aktien absichern?

Wie vermeide ich Nieten im Depot?

Wie schenke ich meinem Patenkind Geld?

4 Kommentare
    Ralph Künzle

    1/3 Bar, 1/3 Aktien, 1/3 Edelmetalle...