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Theaterfestival Basel findet stattWie man gezielt die Kontrolle verliert

Das Theaterfestival Basel gibt erste Programmfenster bekannt. Es geht um Prolls, Poser und den Furor der Verwandlungskunst. Um aktuelle Alltagsphänomene also.

Szene aus «Chinchilla Arschloch, waswas» von Rimini Protokoll.
Szene aus «Chinchilla Arschloch, waswas» von Rimini Protokoll.
Foto Robert Schittko

Das Theaterfestival Basel trotzt der Corona-bedingten weltweiten Festspielkrise. Vom 26. August bis zum 6. September findet die erste Ausgabe in der künstlerischen Verantwortung von Kasernen-Chef Sandro Lunin statt. Auf der Website wurden jetzt erste Einblicke ins Programm aufgeschaltet.

Ein Coup ist sicherlich die Verpflichtung der aufsehenerregenden Produktion «Chinchilla Arschloch, waswas» des Dok-Theaterlabels Rimini Protokoll. Das Stück ist in diesem Jahr zu renommierten Bestenfestivals wie dem Berliner Theatertreffen eingeladen – die meistenteils abgesagt werden mussten.

Helden – oder im Rimini-Jargon: «Experten des Alltags» – sind hier drei junge Männer, die mit dem Tourette-Syndrom leben. Sie stellen sich dem Livemoment. Was für sie ebenso unvorhersehbar ist wie fürs Publikum, denn Tourette ist ein Nervenleiden, das zu unkontrollierbaren Tics führt. Doch Regisseurin Helgard Haug balanciert mit ihren Akteuren so charmant über den Abgründen der Krankheit, dass das Publikum einfach jede Angst vor Kontrollverlusten verlieren muss.

Bekannt gegeben wurden jetzt ebenfalls Gastspiele der Nouveau-Cirque-Truppe Trottola aus dem Drôme und des französischen Performers Romain Daroles, der den Klassiker «Phèdre» von Jean Racine ganz allein stemmt – nur mit Skript und dem Furor der Verwandlungskunst ausgerüstet.

Klar ist, dass kleine Formate die besten Chancen haben, dass man sie zeigen darf. Oona Doherty, Choreografin aus Belfast, hat mit der Tänzerin Sandrine Lescourant einen agitatorischen Abend über Männlichkeit erfunden. In der Soloperformance «Hope Hunt & the Ascension into Lazarus» geht es um Poser und Prolls – und um de Risse in deren Persönlichkeitsfassade.

Das komplette Programm wird – offensichtlich aufgrund der dynamischen Pandemie-Entwicklung – am 11. August 2020 bekannt gegeben. Geplant sind zwölf Festivaltage «in der Innenstadt wie im Baselbiet, im Theaterraum wie im Zirkuszelt und unter freiem Himmel», wie die Festivalleitung mitteilt. Bewährte Spielorte sind das Kasernenareal samt Jungem Theater, das Roxy, das Theater Basel, das Neue Theater Dornach. Neu sollen das Theater Palazzo in Liestal und das Alte Schlachthuus in Laufen ins Festival einbezogen werden.

Der Bundesrat entschied am Freitag, Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen ab 22. Juni wieder zu erlauben. Dem Theaterfestival wird dieser Rahmen programmatische Freiräume eröffnen. Den Rest regelt ein Hygienekonzept.
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