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Mit Humor gegen den US-PräsidentenWie die Late Night Shows auf Trumps Covid-Aussagen reagieren

Donald Trump redet die Gefahr des Coronavirus klein. Moderatoren wie James Corden und Jimmy Kimmel verarbeiten das in ihren Shows mit Humor und Häme.

«The Daily Show with Trevor Noah» – der Comedian kam ohne viel Häme gegenüber Trump aus. Und die seine Kollegen?
«The Daily Show with Trevor Noah» – der Comedian kam ohne viel Häme gegenüber Trump aus. Und die seine Kollegen?
Foto: Evan Agostini (Keystone)

Am Montagabend ist Donald Trump aus dem Krankenhaus entlassen worden und ins Weisse Haus zurückgekehrt. Seitdem inszeniert sich der US-Präsident als starker Anführer, der Covid-19 in Rekordzeit erfolgreich bekämpft hat.

In einer Ansprache sagte er unter anderem, die US-Amerikanerinnen und -amerikaner bräuchten keine Angst vor dem Coronavirus zu haben. Ihm selbst ginge es trotz seiner Infektion besser als vor 20 Jahren, er sei vielleicht sogar schon immun gegen Covid-19, denn die USA hätten inzwischen tolle Medikamente entwickelt.

Auf diese Aussagen reagierten daraufhin auch die grossen Late Night Shows aus den USA. Ein Überblick:

Jimmy Kimmel Live

Was sieht man da?

Vor allem den Moderator Jimmy Kimmel, wie er einen Monolog zu Trumps Covid-Erkrankung sowie dessen Umgang damit hält und auch, wie er darüber teils grenzwertige Witze macht. Dazwischen werden einige Videos des Weissen Hauses eingespielt, an denen die Macherinnen und Macher der «Jimmy Kimmel Live»-Show offensichtlich herumgedoktert haben: Mal sieht man Trump nicht im Anzug, sondern im Krankenhaushemd, mal bricht er nach seiner Ankunft am Weissen Haus zusammen.

Der Satz der Show:

«Only one man can make America great again – because only one man fucked it up in the first place.» Auf Deutsch: «Nur ein Mann kann Amerika wieder gross machen – denn nur ein Mann hat es vorher ruiniert.»

Entertainment-Faktor für das Publikum: 7/10

Sicher können viele über Kimmels Witze lachen – vorausgesetzt, man mag schwarzen Humor, Donald Trump hingegen nicht. Die Sendung arbeitet mit teils sehr bissigen Gags und scheut auch nicht davor zurück, über Trumps Gesundheitszustand zu spekulieren. Sicher ist dabei eins: Die Show dürfte die wenigsten Zuschauerinnen und Zuschauer kalt lassen.

Häme-Faktor für Trump: 8/10

Kimmel greift während seines Monologs zu hartem Vokabular, er bezeichnet Donald Trump beispielsweise als «Egomanen auf Drogen». Ausserdem unterstellt er First Lady Melania Trump eine gewisse Lust, ihren Mann umzulegen und vergleicht ein Video aus dem Weissen Haus mit Propaganda aus Nordkorea. Dass es Trump in Wahrheit gesundheitlich schlechter gehen könnte, als er es öffentlich zugibt, wird ebenfalls als Witzvorlage genutzt.

Was lernen wir daraus?

Dass Donald Trump trotz aller Behauptungen seinerseits ein Risikopatient ist. Immerhin ist der Präsident 74 Jahre alt und übergewichtig – wie die Show mit einem Zusammenschnitt aus Statements verschiedener Expertinnen und Experten oder Nachrichtensprecherinnen und -sprecher betont.

The Late Late Show with James Corden

Was sieht man da?

James Corden macht in seiner Show das, was er am besten kann: Humor und Musik miteinander verbinden. Besonders bekannt ist der Moderator für sein Format «Car-Pool-Karaoke», bei dem er mit Promis im Auto singt. Auch ansonsten webt er immer wieder musikalische Elemente in seine Show ein. In diesem Fall nutzt er den Song «Maybe I'm Amazed» von Paul McCartney mit abgeändertem Text, um Trump zu kritisieren.

Satz der Show:

«Maybe I'm immune to the way the polls are looking now», zu Deutsch: «Vielleicht bin ich immun dagegen, was die Umfragen gerade sagen.»

Entertainment-Faktor für das Publikum: 7/10

Die Kombination aus Trumps Äusserungen, die viele Menschen derzeit sehr wütend machen, und der romantischen Melodie irritiert. Gerade deshalb ist Cordens Beitrag witzig.

Häme-Faktor für Trump: 1/10

Wer könnte sich durch einen vermeintlichen Schmusesong beleidigt fühlen?

Was lernt man daraus?

Leider relativ wenig. Cordens Song ist zwar ganz nett, der Text wiederholt allerdings Vorwürfe und Witze, die man so oder ähnlich schon öfter gehört hat.

The Late Show with Stephen Colbert

Was sieht man da?

Stephen Colbert stürzt sich in seiner «The Late Night Show with Stephen Colbert» auf den Medikamenten-Cocktail, den Trump laut Angaben seiner Ärzte zu sich genommen hat. Der kann nämlich unter anderem Halluzinationen als Nebenwirkung hervorrufen – welche Colberts Show Trump sogleich unterstellt: in Form eines Ratschläge erteilenden Goldfisches.

Der Satz der Show:

(Goldfisch hustet, nachdem er Trump zu nahe kam) «Oh no, this bastard gave me Covid», zu Deutsch: «Oh nein, der Bastard hat mich mit Covid angesteckt.»

Entertainment-Faktor für das Publikum: 5/10

Der Goldfisch diktiert Trump relativ irrsinige Ansagen wie: «Sei mutig und auf einem Balkon.» Das ist so weit hergeholt, dass man es schon wieder lustig finden kann. Ist aber sicherlich Geschmacksfrage.

Häme-Faktor für Trump: 5/10

Es ist natürlich nicht besonders schmeichelhaft, Trump zu unterstellen, dass er sich von einem Goldfisch (bekannt für ein extrem kleines Gehirn) beraten liesse. Das Szenario ist allerdings so sehr aus der Luft gegriffen, dass es ihm wohl nicht wirklich wehtut. Vor allem, weil das Erscheinen des Goldfischs ja auch auf durch Medikamente ausgelöste Halluzinationen zurückgeführt wird.

Was lernt man daraus?

Dass die Medikamente, die Donald Trump während seines Krankenhausaufenthalts bekommen hat, sicherlich nicht ohne waren. Selbst, wenn er deshalb nicht gleich fliegende Goldfische gesehen hat.

The Tonight Show Starring Jimmy Fallon

Was sieht man da?

Jimmy Fallon, der in seinem Studio sitzt und Trumps Verhalten kommentiert und den US-Präsidenten auch immer wieder nachmacht. Ab und an zeigt er Videomaterial von Donald Trumps Ansprache oder aus Nachrichtensendungen.

Satz der Show:

«Tada! And my next trick: I am gonna make everyone in the White House disappear», zu Deutsch: «Mein nächster Zaubertrick: Ich werde jeden im Weissen Haus verschwinden lassen.»

Entertainment-Faktor für das Publikum: 6/10

Was Jimmy Fallon gut kann: Donald Trump nachmachen. Das wird selbst nach vier Jahren Amtszeit des Präsidenten nicht alt. Fallon hält sich dabei kurz, viele der Witze sitzen. Sich etwas mehr Neues einfallen zu lassen, hätte der Show aber sicher nicht geschadet.

Häme-Faktor für Trump: 4/10

Es ist natürlich nicht schön, wenn man so dermassen für seine Art zu reden aufgezogen wird – Trump sollte sich daran allerdings mittlerweile gewöhnt haben. Richtig böse werden Fallons Witze nicht.

Was lernt man daraus?

Dass man derzeit auch gute Witze über Trump machen kann, ohne zu sehr über dessen Gesundheitszustand zu spekulieren. Jimmy Fallon sagt nur einmal nüchtern: «Donald Trump ist immer noch krank», amüsiert sich aber nicht darüber.

The Daily Show mit Trevor Noah

Was sieht man?

Trevor Noah, der offenbar noch immer im Homeoffice arbeitet. Er nimmt die Ansprache des US-Präsidenten nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus auseinander.

Satz der Show

«There was a photographer standing right next to him – That dude is basically the most unluckiest Instagram-Boyfriend». Auf Deutsch: «Ein Fotograf stand direkt neben ihm. Der Typ ist quasi der unglücklichste Instagram-Boyfriend.»

Entertainment-Faktor für das Publikum: 6/10

Trevor Noah macht in dieser Folge seiner Show kaum Witze. Was aber durchaus mitreisst: seine Wut. Die spürt man nämlich mit jedem seiner Sätze. Dennoch hätte die Folge noch etwas mehr Kreativität vertragen können.

Häme-Faktor gegenüber Trump: 1/10

Trevor Noah ahmt Trump zwar an einigen Stellen nach und unterstellt ihm gelegentlich auch mangelnde Weitsicht. Er bleibt aber in seiner Kritik eher analytisch als hämisch.

Was lernen wir daraus?

Dass Jimmy Fallon und Trevor Noah offenbar den gleichen Witzeschreiber oder die gleiche Witzeschreiberin haben. Oder drängt sich der Vergleich einfach auf? In beiden Late Night Shows wird Donald Trump imitiert mit dem Satz: «I am Spiderman. I have Spidy Powers.»

Podium: Donald Trump ist der umstrittenste Politiker der Gegenwart. Im November stellt er sich der Wiederwahl. Wie sind seine Chancen? Wie ist seine Bilanz? Wird ihn Joe Biden schlagen? Und vor allem: Was bedeutet es für die USA und die Welt, wenn Trump vier weitere Jahre regiert? Darüber debattieren: Elisabeth Bronfen, Anglistikprofessorin an der Universität Zürich, Christof Münger, Ressortleiter International beim Tages-Anzeiger, Markus Somm, Publizist. Sonntag, 18. Oktober 2020, Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich. Türöffnung 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr. Ermässigter Eintritt mit Carte blanche.

lath

5 Kommentare
    clara ammann

    der auch frossartige john oliver nicht vergessen.