Wie Belgien bei den Terror-Brüdern schlampte

Die Selbstmordattentäter von Brüssel hätten eigentlich im Gefängnis sitzen müssen. Doch die Behörden reagierten zu spät.

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Zwei Mal wurde Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 in der Türkei aufgegriffen und ausgeschafft. Damit hatte er gegen seine Bewährungsauflagen verstossen. Doch erst im August lösten die belgischen Beamten die landesweite Fahndung nach ihm aus. Zu spät. Da war der 29-jährige Belgier schon untergetaucht. Sein jüngerer Bruder Khalid El Bakraoui – ebenfalls gegen Auflagen auf freiem Fuss – verschwand im Oktober von der Bildfläche, berichtet die «Süddeutsche Zeitung».

Vorzeitig entlassen

Der 27-jährige Khalid El Bakraoui wurde 2011 wegen Autodiebstahls zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Beamten fanden damals bei ihm und einem Komplizen mehrere Kalaschnikows, schreibt der «Tagesspiegel». Die Strafe sass er nicht ab, er wurde vorzeitig entlassen.

Sein Bruder Ibrahim El Bakraoui hatte im Januar 2010 in Brüssel eine Wechselstube überfallen und auf der Flucht einen Polizisten mit einer Kalaschnikow angeschossen. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber ebenfalls wegen guter Führung nach vier Jahren und neun Monaten frei. Er suchte eine Arbeit, zahlte monatlich Schmerzensgeld von 25 Euro an den verletzten Polizisten und hielt Kontakt zu seinem Bewährungshelfer.

Belgien schickte Liste mit Straftaten

Im Juni 2015 griff ihn die türkische Polizei in Gaziantep an der Grenze zu Syrien auf. Am 14. Juli wurde er nach Amsterdam ausgeschafft – die Stadt hatte er als Wunschziel angegeben. Am gleichen Tag schickten die türkischen Behörden eine Warnung an ein Internet-Portal der Botschaften von Belgien und den Niederlanden in Ankara. Sie vermuteten, dass Ibrahim ein Jihadist sei.

Der zuständige Beamte in der belgischen Botschaft reagierte nicht auf die Nachricht. Als einzige Reaktion schickte Belgien einige Tage später eine Liste mit den bisherigen Straftaten des späteren Selbstmordattentäters an die Türkei.

Kahlid El Bakraoui sprengte sich am Dienstag in der Brüsseler Metro in die Luft, sein Bruder Ibrahim am Flughafen.

ij

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