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Das FCB-Jahr im RückblickWiderstand, Rekordverlust und Fussball hinter verschlossenen Türen

Sportliche Höhepunkte und Chaos in der Führungsetage: Das Jahr 2020 war für den FC Basel auf und neben dem Rasen ein bewegtes. Und das lag nicht nur an der Corona-Pandemie.

Eine Saison hinter Gittern. Während der FC Basel, wie hier vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt, mit sich und seinen Gegnern beschäftigt war, konnten die Zuschauer die meiste Zeit nur von aussen zusehen.
Eine Saison hinter Gittern. Während der FC Basel, wie hier vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt, mit sich und seinen Gegnern beschäftigt war, konnten die Zuschauer die meiste Zeit nur von aussen zusehen.
Foto: Freshfocus

Januar

Am 7. Januar fliegt der FC Basel ins Trainingslager nach Marbella. Während in Asien erstmals von einem neuartigen Coronavirus die Rede ist, beschäftigt das Thema in Europa kaum jemanden. Und trotzdem: In den Unterlagen der Basler schlummert ein erstes Sicherheitskonzept.

Februar

Am 19. Februar reist der FCB für das Spiel gegen Apoel Nikosia nach Zypern. Bei der Ankunft am Flughafen bringen sich einige Spieler scherzhaft in Sicherheit, als sie andere Fluggäste mit einer Maske erblicken. Das Rückspiel im St.-Jakob-Park findet eine Woche später statt. Vor 14’428 Zuschauern.

Im Februar war man noch ohne Maske unterwegs: Die Basler Spieler nach ihrer Ankunft am Flughafen von Larnaca vor dem Spiel bei Apoel Nikosia.
Im Februar war man noch ohne Maske unterwegs: Die Basler Spieler nach ihrer Ankunft am Flughafen von Larnaca vor dem Spiel bei Apoel Nikosia.
Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Nachdem die Infektionszahlen nun auch in der Schweiz steigen, stuft der Bundesrat die Situation am 28. Februar als «besondere Lage» ein. Er entscheidet, dass bis zum 15. März keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen zugelassen sind.

März

Die Swiss Football League gibt am 2. März bekannt, dass bis auf weiteres nicht mehr gespielt wird. Auch das Achtelfinal-Hinspiel der Basler gegen Frankfurt in der Europa League ist in Gefahr, nachdem ein Eintracht-Fan trotz Infektion zum Auswärtsspiel nach Salzburg reist.

Die Basler Behörden geben am 9. März bekannt, dass das Rückspiel gegen Frankfurt nicht in Basel stattfinden kann – selbst bei einem Geisterspiel sei mit zu vielen angereisten Fans zu rechnen. Aber was heisst das? Findet das Spiel an einem neutralen Ort statt? Oder verlieren die Basler gar forfait?

Am 11. März reist das Team nach Frankfurt. Dort heisst es am Abend vor dem Spiel, dass Fans zugelassen seien. Erst wenige Stunden vor dem Anpfiff wird die Partie zum Geisterspiel erklärt. Die Basler stört das nicht, sie gewinnen 3:0. Tags darauf teilt die Uefa mit, dass die europäischen Wettbewerbe ausgesetzt werden.

Das 3:0 des FCB gegen Eintracht Frankfurt ist das vorerst letzte Spiel, ehe sich der europäische Fussball in die Corona-Pause verabschiedet.
Das 3:0 des FCB gegen Eintracht Frankfurt ist das vorerst letzte Spiel, ehe sich der europäische Fussball in die Corona-Pause verabschiedet.
Foto: Thorsten Wagner (Freshfocus)

Die SFL erklärt am 13. März, dass der Spielbetrieb in der Schweiz bis Ende April ruht.

Am 15. März stellt der FCB den Trainingsbetrieb ein. Die Profis erhalten Pläne für ihr Homeoffice. Von dort posten sie lustige Videos und jonglieren mit Toilettenpapier. Einige von ihnen sollen in den nächsten Wochen erstaunt sein, dass bei freiwilligen Video-Einheiten des Teams nur eine Handvoll Spieler teilnehmen.

Am 17. März sagt Roland Heri im Gespräch mit der BaZ: «Sehr schweren Herzens musste ich einigen unserer Mitarbeitenden Kurzarbeitszeit verordnen.» Die Spieler der 1. Mannschaft sind nicht betroffen.

April

Die BaZ macht am 2. April publik, dass der FCB die Kaufoption bei Edon Zhegrova Ende März nicht gezogen hat. Heri sagt: «In dieser Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit erachtet der Verwaltungsrat des FCB eine Investition in substanzieller Höhe für nicht opportun.» Es ist das erste konkrete Anzeichen dafür, wie sehr der Club von der Krise betroffen ist – auch wenn Zhegrova im September doch noch verpflichtet wird.

Am 3. April gibt der FCB bekannt, dass seine Spieler Geld an die Stiftung Pro UKBB und die Glückskette Schweiz spenden. Es soll sich um einen Betrag von 200’000 Franken handeln.

Am Abend des 8. April publiziert der FCB eine Meldung, die den Club nachhaltig beschäftigen wird. Die Führung erklärt, dass man Massnahmen zur Kostenreduktion geprüft habe. Eine davon ist, dass die Spieler in den Monaten April, Mai und Juni auf 70 Prozent ihres Lohns verzichten. «Der Vorschlag der Geschäftsleitung wurde in einer ersten Stellungnahme durch den Mannschaftsrat abgelehnt», schreibt der FCB und übt damit öffentlich Druck auf seine Spieler aus. Heri sagt später, dass man mit der Meldung falschen Medienberichten habe zuvorkommen wollen.

Der Verhältnis zwischen den Spielern und der Geschäftsführung ist angespannt, als der FCB öffentlich bekannt macht, dass die Mannschaft den ersten Vorschlag zur Lohnreduktion abgelehnt hat.
Der Verhältnis zwischen den Spielern und der Geschäftsführung ist angespannt, als der FCB öffentlich bekannt macht, dass die Mannschaft den ersten Vorschlag zur Lohnreduktion abgelehnt hat.
Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Am 10. April gibt Heri der «Rotblau App» ein Interview, das klar macht, wie prekär die finanzielle Situation ist. Er sagt: «Besonderes Augenmerk verlangt die Liquidität, da wir zurzeit keine Einnahmen haben.»

Am 14. April melden sich die Spieler zum Thema Lohnverzicht: «Der Vorwurf, die Mannschaft sei nicht bereit, Teile ihres Lohns abzugeben, entspricht nicht der Wahrheit!» Man habe im Vormonat mindestens 20 Prozent des Lohns gespendet und sei auch weiterhin bereit dazu. Aber nur unter der Voraussetzung, dass man wisse, «wo das Geld hinfliesst und wofür es verwendet wird». Ein klares Misstrauensvotum gegenüber der Führung.

Die «SonntagsZeitung» stellt Besitzer Bernhard Burgener für einen Artikel, der am 19. April erscheint, zwölf Fragen. Es geht um die wirtschaftliche Situation und die Liquidität des Clubs. Eine der Fragen wird nicht veröffentlicht, da Burgener «Unterstellungen oder Spekulationen, mit denen Sie meine Klienten zu diskreditieren versuchen» unterstellt. Er werde dagegen vorgehen, «notfalls auch strafrechtlich».

Im Zuge ihrer Recherchen schreibt die BaZ am 20. April, dass der FCB gemäss ihren Informationen das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust abgeschlossen wurde, der so gross war, dass die Holding rund 15 Millionen Franken in die AG überführen musste, um diesen auszugleichen. Die Reserven waren also schon vor Corona praktisch aufgebraucht. Die Pandemie hat die Situation nur zusätzlich verschärft.

Am gleichen Tag vermeldet «Prime News», dass der Verein sich von mehreren Nachwuchs-Mitarbeitenden getrennt habe. Der Club bestätigt, dass es neben dem Abgang von Werner Mogg zu sechs weiteren Trennung komme, diese hätten aber nichts mit der Corona-Situation zu tun. Erst später wird klar, dass unter anderem U21-Trainer Arjan Peço der FCB verlässt.

Ein Bild aus vergangenen Tagen. Werner Mogg, Alex Frei, Raphael Wicky, Massimo Ceccaroni, Arjan Peço und Romain Villiger (von links) sind nicht mehr im FCB-Nachwuchs tätig. Einzig Ceccaroni ist noch Teil des FCB und engagiert sich für das Indien-Projekt.
Ein Bild aus vergangenen Tagen. Werner Mogg, Alex Frei, Raphael Wicky, Massimo Ceccaroni, Arjan Peço und Romain Villiger (von links) sind nicht mehr im FCB-Nachwuchs tätig. Einzig Ceccaroni ist noch Teil des FCB und engagiert sich für das Indien-Projekt.
Foto: Pino Covino (BaZ)

Am 22. April vermeldet der FCB, dass man sich in Sachen Lohnstreit geeinigt habe. Die Profis würden die Einbussen der Mitarbeitenden ausgleichen, die durch die Kurzarbeit entstehen. Wie gross der Anteil ist, auf den die Spieler verzichten, wird nicht kommuniziert. Später ist jedoch zu hören, dass die Führung auch in dieser Angelegenheit ihre Meinung kurzfristig geändert hat. Es ist gar die Rede davon, dass die Spieler am Ende gar nicht verzichten mussten.

Nachdem er sich längere Zeit nicht geäussert hat, gibt Bernhard Burgener dem SRF am 28. April ein Interview. Er sagt, dass den FCB ein Geisterspiel 300’000 Franken koste. Dass der Club bis Ende Juni liquide sei, wenn alle abgemachten Folgezahlungen aus früheren Transfers eintreffen, dann bis zum Oktober. Aber er sagt auch: «Falls dieses Jahr nicht mehr mit Zuschauern gespielt werden sollte, braucht der FCB Investoren.»

Mai

Die 126. Generalversammlung muss verschoben werden, das gibt der Club am 6. Mai bekannt. Zu diesem Zeitpunkt weiss noch keiner, dass die GV einige Monate später auf den 9. November verlegt wird und dass sie am Ende schriftlich durchgeführt werden muss.

Am 13. Mai verkündet der Bundesrat, dass der Schweizer Fussball Kredite in Höhe von 100 Millionen Franken erhält. Der FCB hat bei der Ausarbeitung eine zentrale Rolle übernommen. Doch die zahlreichen Bedingungen, die an die Gelder geknüpft sind, schrecken die Clubs ab.

Nach einer langen Pause nehmen die Basler Mitte Mai das Training wieder auf. Vorerst im St.-Jakob-Park und nicht, wie üblich, auf den Plätzen in der Brüglinger Ebene
Nach einer langen Pause nehmen die Basler Mitte Mai das Training wieder auf. Vorerst im St.-Jakob-Park und nicht, wie üblich, auf den Plätzen in der Brüglinger Ebene
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Nach knapp zwei Monaten nimmt der FCB am 18. Mai das Training wieder auf. Am gleichen Tag gibt der Club bekannt, was zuvor schon an die Öffentlichkeit gelangt ist: Der FCB löst die Kindersportschule Bebbi auf.

Am 29. Mai entscheidet die Swiss Football League an ihrer ausserordentlichen Generalversammlung, dass die Meisterschaft am 19. Juni fortgesetzt wird – vorerst mit maximal 300 Zuschauern.

Juni

Am 2. Juni veröffentlicht der FCB seine finanziellen Kennzahlen: Das Gesamtkonstrukt FC Basel (Holding, AG, Verein und Stadiondienst) schreibt für das Geschäftsjahr 2019 einen Verlust von 19,6 Millionen Franken. 18,7 Millionen Franken fliessen aus der FC Basel 1893 Holding AG in die FC Basel 1893 AG. Das heisst: Der FCB hat bereits per Ende 2019 nahezu seine gesamten Reserven aufgebraucht, die er per Ende 2016 und dem letzten vollen Geschäftsjahr der Ära Bernhard Heusler gebildet hat. Die BaZ schreibt: «Diese Probleme wird Bernhard Burgener nicht mehr lösen können.»

Der Club erklärt am 5. Juni, dass er Sonderangebote für die Inhaberinnen und Inhaber von Jahreskarten anbietet. Zudem kündigt der Club an, künftig auf eine Saisonkarte umzustellen.

Mit dem Cupspiel gegen Lausanne bestreitet der FCB am 14. Juni das erste Spiel in der Schweiz nach 112 Tagen Pause und qualifiziert sich für die Halbfinals. Am gleichen Tag sagt Burgener in einem Interview mit dem «Sonntagsblick», dass er den FCB auf gutem Weg sehe, dass der Spagat zwischen sportlichem und finanziellem Erfolg geglückt sei. Es sind Aussagen, bei denen viele Fans das Vertrauen in Burgener endgültig verlieren.

Die «neue Realität»: Die FCB-Ersatzspieler mit Abstand und vor leeren Tribünen beim Cupspiel in Lausanne.
Die «neue Realität»: Die FCB-Ersatzspieler mit Abstand und vor leeren Tribünen beim Cupspiel in Lausanne.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Am 17. Juni hat die Muttenzerkurve genug. Unter dem Titel «Zit zum Goo» veröffentlicht dieser Teil der Fans ein Schreiben, in dem sie Burgener, Heri, Peter von Büren, Karli Odermatt und Massimo Ceccaroni zu ihrem Rücktritt auffordern. «Wir erachten sie als nicht fähig, durch die Krise zu führen beziehungsweise die kommenden Herausforderungen zu meistern».

Am 19. Juni gibt der Bundesrat bekannt, dass künftig wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen möglich sind. Ausserdem verlängert der FCB, nach einem monatelangen Hin und Her, den Vertrag von Trainer Marcel Koller bis zum Saisonende.

Juli

Weil FCZ-Spieler Mirlind Kryeziu positiv auf das Coronavirus getestet wird, reisen die Zürcher am 14. Juli mit einer aufgebesserten U-21 nach Basel, damit der Spielbetrieb fortgesetzt und die Super League überhaupt beendet werden kann. Der FCB gewinnt 4:0.

Am 15. Juli berichtet die «Handelszeitung», dass Burgener auf der Suche nach Investoren mit dem britischen Assetmanager Centricus über eine Minderheitsbeteiligung beim FCB verhandelt. Zudem wird berichtet, dass der Präsident sich mit Miteigentümer David Degen verstritten habe. In der Nacht beschmieren Fans den Eingang zur FCB-Geschäftsstelle.

Nach den Berichten der Handelszeitung beschmieren Unbekannte die Fassade der FCB-Geschäftsstelle.
Nach den Berichten der Handelszeitung beschmieren Unbekannte die Fassade der FCB-Geschäftsstelle.
Foto: Pino Covino (BaZ)

Vor dem Spiel in St. Gallen wird am 22. Juli der erste Corona-Fall beim FCB bekannt. Das Team muss aber nicht in Quarantäne und gewinnt 5:0. Wenige Tage später erklärt der Club, dass es sich um einen «falsch positiven» Fall gehandelt habe.

August

Am 6. August qualifiziert sich der FCB dank einem 3:0-Sieg gegen Frankfurt für das Finalturnier der Europa League. Fünf Tage später haben die Basler in der leeren Arena auf Schalke keine Chance gegen Donezk. Am Tag nach dem Spiel wird bekannt, dass Torhüter Jonas Omlin den Club in Richtung Montpellier verlässt.

Die BaZ vermeldet am 17. August, dass Sportdirektor Ruedi Zbinden sich nach der Saison von seinem Posten als Sportchef zurückzieht und künftig wieder nur noch als Chefscout tätig ist. Es sickert durch, dass es auf der Suche nach einem neuen Trainer zu Unstimmigkeiten gekommen ist.

Ruedi Zbinden tritt von seinem Posten als Sportdirektor zurück, weil es auf der Suche nach einem neuen Trainer zu Unstimmigkeiten gekommen sein soll.
Ruedi Zbinden tritt von seinem Posten als Sportdirektor zurück, weil es auf der Suche nach einem neuen Trainer zu Unstimmigkeiten gekommen sein soll.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Am 19. August gibt der FCB bekannt, was sich über Monate hinweg angedeutet hat: Die Zusammenarbeit mit Koller wird nach der Saison beendet. Zudem kommuniziert der Club, dass Eray Cömert, Arthur Cabral, Eric Ramires und Samuele Campo den Cup-Halbfinal gegen Winterthur verpassen, da sich drei Spieler im gemeinsamen Urlaub mit Corona infiziert haben.

Am 24. August schreibt die BaZ, dass Alex Frei als U-21-Trainer des FCB zurücktritt. Mehrere Quellen berichten, dass er enttäuscht über die Führung ist, da man mit ihm seit Frühling öfter in Sachen Nachfolge von Koller in Kontakt war, ohne dabei Klarheit zu schaffen. Gleichzeitig ist zu hören, Bernhard Burgener habe sich mit Ciriaco Sforza im Club de Bâle getroffen.

U-21-Trainer Alex Frei (Mitte) verlässt den FCB – und wird wenig später als neuer Trainer des FC Wil in der Challenge League vorgestellt.
U-21-Trainer Alex Frei (Mitte) verlässt den FCB – und wird wenig später als neuer Trainer des FC Wil in der Challenge League vorgestellt.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Am Morgen des 26. August vermeldet der FC Wil das Interesse des FCB an Sforza. Am Nachmittag gibt der Trainer dem «Blick» auf dem Parkplatz ein Interview – dann fährt er los, um seinen Vertrag zu unterschreiben. Am Abend vermeldet der FCB, dass Sforza sein neuer Trainer wird. Am Tag darauf wird er vorgestellt.

Der FCB teilt am 27. August mit, dass der Vertrag mit Ricky van Wolfswinkel nicht verlängert wird. Dies vermeldet der Club, nachdem es der Spieler bereits auf seinen Sozialen Netzwerken veröffentlicht hat. Es ist ein Abgang mit Misstönen, Van Wolfswinkel soll mit der Vorgehensweise der Clubverantwortlichen nicht zufrieden gewesen sein. Doch das letzte Wort ist in dieser Causa noch nicht gesprochen…

Zwei Tage vor dem Cupfinal, am 28. August, findet Koller klare Worte. Er kritisiert Sforzas Präsentation vor dem wichtigen Spiel. Über seine Zeit in Basel sagt er: «Ich möchte nicht überheblich sein. Aber normalerweise müssten wir einen Orden erhalten für das, was wir geleistet haben, und für alles, was wir ertragen und aushalten mussten.» Die BaZ weiss: Koller soll am Morgen nach Sforzas Vorstellung sogar kurz darüber nachgedacht haben, alles hinzuschmeissen.

Der FCB verliert am 30. August den Cupfinal gegen die Young Boys mit 1:2, weil Torhüter Djordje Nikolic kurz vor dem Schlusspfiff bei einem Schuss von Marvin Spielmann danebengreift.

Nach der Niederlage gegen YB und seinem Fehler im Cupfinal verkriecht sich FCB-Goalie Djordje Nikolic unter seinem Trikot.
Nach der Niederlage gegen YB und seinem Fehler im Cupfinal verkriecht sich FCB-Goalie Djordje Nikolic unter seinem Trikot.
Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

September

Der Bundesrat verkündet am 2. September, dass ab dem 1. Oktober wieder Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen zugelassen sind. Die SFL verschiebt daraufhin den Meisterschaftsstart um eine Woche, sodass alle Teams je ein Heimspiel unter der alten Regelung austragen.

Rolle rückwärts, der FCB verlängert den Vertrag mit Van Wolfswinkel am 7. September, nachdem Ciriaco Sforza sich für den Stürmer stark gemacht haben soll. Der Club schreibt von einer «Geschichte, die nur der Fussball schreibt». Der Spieler schweigt bis heute zu den Abläufen.

Während es Gerüchte um einen Wechsel von Valentin Stocker zum FC Luzern gibt, verlängert der FCB am 11. September den Vertrag mit Taulant Xhaka. Es ist Teil einer Charme-Offensive, nachdem zuvor einige Spieler ihren Unmut kundgetan haben – und nun mit neuen Verträgen belohnt werden. Am 15. September auch der Vertrag von Stocker vorzeitig verlängert, nachdem dessen Flirt mit dem FC Luzern publik geworden war.

Der FCB gewinnt sein erstes Saisonspiel am 17. September in Osijek. Gleichzeitig teilt der Club mit, dass man ab dem 1. Oktober wieder alle Besitzerinnen und Besitzer einer Jahreskarten in den St.-Jakob-Park lassen will.

Ohne Fans und ohne Journalisten: Valentin Stocker und Ciriaco Sforza bei der Pressekonferenz vor dem Qualifikationsspiel gegen Osijek.
Ohne Fans und ohne Journalisten: Valentin Stocker und Ciriaco Sforza bei der Pressekonferenz vor dem Qualifikationsspiel gegen Osijek.
Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Am 21. September formiert sich Widerstand gegen Bernhard Burgener. Die Bewegung «Yystoo für e FCB» will den Basisverein stärken und spricht sich für einen Besitzerwechsel im Club aus. Und der FCB gibt bekannt: Patrick Rahmen wird neuer Assistent von Ciriaco Sforza. Pikant dabei: Rahmen war im Sommer 2018 als Nachfolger von Marcel Koller im Gespräch und hatte von Burgener bereits die Zusage erhalten – ehe der Präsident seine Meinung änderte und der bereits suspendierte Koller wieder eingesetzt wurde.

Edon Zhegrova wird fest verpflichtet, wie der Club am 22. September mitteilt.

Am 24. September verbessern sich die Konditionen für die Bundesdarlehen. Die umstrittene Solidarhaftung unter den Clubs, die Geld aufnehmen, fällt weg. Die Clubs können maximal 25 Prozent ihres Betriebsaufwands der Saison 2018/19 aufnehmen.

In einem Interview mit dem SRF bestätigt Heri am 28. September, dass sich nach dem Rücktritt von Ruedi Zbinden künftig ein Gremium um die Transferangelegenheiten des Clubs kümmert: Neben Ciriaco Sforza sind Nachwuchschef Percy van Lierop, Philipp Kaufmann, Alexander Staehelin sowie Heri und Burgener beteiligt, der allerdings auch noch von externen Beratern unterstützt wird.

Der FCB teilt am 29. September mit, dass die GV am 9. November pyhsisch abgehalten wird. Zudem erklärt Burgener, dass er, Roland Heri, Peter von Büren und Marco Streller sich nicht mehr als Vereinsvorstände zur Wahl stellen. Der Präsident verneint, dass es sich dabei um eine Reaktion auf «Yystoo für e FCB» handle.

Oktober

Der FCB verliert das Playoff-Spiel gegen ZSKA Sofia und verpasst am 1. Oktober bereits das erste Saisonziel: Die Gruppenphase der Europa League.

Am 4. Oktober empfängt der FCB den FC Luzern vor fast 10’000 Zuschauern. Es ist das erste Spiel, bei dem dank dem Sicherheitskonzept wieder mehr als 1000 Personen im St.-Jakob-Park erlaubt sind. Es ist allerdings auch das letztenur weiss das zu diesem Zeitpunkt noch keiner.

Im Heimspiel gegen den FC Luzern kommen 9257 Basler Fans in den St.-Jakob-Park.
Im Heimspiel gegen den FC Luzern kommen 9257 Basler Fans in den St.-Jakob-Park.
Foto: Dominik Plüss (Tamedia)

Der 5. Oktober ist der letzte Tag des internationalen Transferfensters. Und der FCB nutzt es, um sich von Blas Riveros, Omar Alderete und Kemal Ademi zu trennen. Speziell ist besonders der Transfer von Riveros: Er war der letzte Spieler im Kader, der noch einen Vertrag aus der Ära Heusler hatte.

Am 7. Oktober gibt der FCB die Rückkehr von Timm Klose bekannt. Fünf Tage später folgt der Transfer von Pajtim Kasami.

Samuele Campo wird am 14. Oktober positiv auf das Coronavirus getestet. Einen Tag später teilt der Club mit, dass auch Konstantinos Dimitriou positiv sei. Beide Spieler hatten keinen Kontakt zum Rest des Teams.

Das Spiel gegen den FCZ am 18. Oktober wird verschoben, weil der FCB in Quarantäne muss. Ein Spieler, der am Training teilgenommen hat, ist positiv getestet worden. In der Folge bestätigt der Kantonsarzt Basel-Stadt, dass 23 Spieler in Isolation bleiben müssen. Und der Kanton Bern führt die 1000er-Grenze wieder ein …

Der Letzigrund bleibt geschlossen. Nachdem die gesamte Mannschaft des FCB kurz vor dem Anpfiff zurück nach Basel reist, wird der Klassiker abgesagt.
Der Letzigrund bleibt geschlossen. Nachdem die gesamte Mannschaft des FCB kurz vor dem Anpfiff zurück nach Basel reist, wird der Klassiker abgesagt.
Foto: Benjamin Soland (Freshfocus)

Am 21. Oktober erklärt der Kanton Basel-Stadt, dass keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen erlaubt sind. CEO Heri sagt: «Dieser Entscheid ist für den FC Basel 1893 gravierend und stellt den Club vor existenzielle Herausforderungen.» Er stellt die Frage in den Raum, ob der FCB als Kulturgut nicht auch seitens der Politik gefördert werden müsse. Am gleichen Tag verschiebt die SFL das Heimspiel gegen Lausanne.

Am 23. Oktober erklärt der FCB, dass die 126. Generalversammlung der Basler schriftlich stattfindet.

Der FCB nimmt am 26. Oktober das Training wieder auf, nachdem nahezu alle Spieler aus der Quarantäne entlassen wurden. Timm Klose bleibt allerdings weiterhin in Isolation, weil er sich infiziert hat.

Der Bundesrat gibt am 28. Oktober bekannt, dass die Teilnahme bei öffentlichen Veranstaltungen wieder auf 50 Personen beschränkt ist.

November

Am 1. November bestreitet der FCB nach vier Wochen Pause sein erstes Pflichtspiel und gewinnt 3:1 in St. Gallen. Es ist das einzige Spiel an diesem Wochenende, alle anderen Partien finden nicht statt. Wenig später stellt sich heraus, dass der eingewechselte Florian Kamberi das Virus in sich trägt.

Nach vier Wochen ohne Einsatz kommt der FCB in St. Gallen mit einem 3:1-Sieg aus seiner persönlichen Corona-Pause.
Nach vier Wochen ohne Einsatz kommt der FCB in St. Gallen mit einem 3:1-Sieg aus seiner persönlichen Corona-Pause.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Am 17. November gibt der Club die Ergebnisse der schriftlichen GV bekannt: Reto Baumgartner, Benno Kaiser und Dominik Donzé werden in den Vorstand gewähltalle anderen Kandidaten, auch diejenigen von «Yystoo», nicht. Zudem werden die vom Verein neu ausgearbeiteten Statuten abgelehnt und die Mitglieder sprechen sich gegen Burgener und Heri als Verwaltungsräte in der FC Basel 1893 AG aus. Zum ersten Mal in der Geschichte hat der Besitzer des Clubs die Rückendeckung der Mitglieder verloren.

Der Bundesrat beschliesst am 18. November weitere Massnahmen zur Abfederung der Folgen der Pandemie. Die Clubs sollen von A-fonds-perdu-Beiträgen profitieren können. Dafür müssen aber gewisse Auflagen erfüllt werden, zum Beispiel: Löhne oberhalb von 148'000 Franken müssen auf diesen Wert oder um mindestens 20 Prozent gekürzt werden.

Am 21. November verlieren die Basler das erste Saisonduell gegen YB mit 1:2. Timm Klose gibt dabei sein Debüt für die 1. Mannschaft, im Tor steht Heinz Lindner, da sich Djordje Nikolic in Serbien in Isolation befindet.

Dezember

Am 5. Dezember gibt der FCB bekannt, dass er den Vertrag mit Dimitri Oberlin zum Ende des Jahres auflöst. Einige Tage später wird bekannt, was offenbar den Ausschlag zu der Entscheidung gegeben hat: Oberlin soll laut einem Bericht des «Blick» Ende November an einer Party in Zürich teilgenommen und diese finanziert haben, bei der es zu Lärmbelästigung und Sachschaden gekommen sein soll.

Im BaZ-Interview bestätigt CEO Heri am 12. Dezember, dass es für den FCB wirtschaftlich besser aussehe als im Vorjahr. Der Betriebsaufwand wurde von 65,6 Millionen auf 46,15 Millionen gesenkt. Wichtiger Anteil dabei waren die Personalkosten, die der Club um elf Millionen reduziert hat. Zur grossen Ablehnung der Mitglieder gegenüber ihm sagt Heri: «Es ist nicht meine erste Aufgabe als CEO, populär zu sein».

Am Tag darauf sagt Burgener dem «Blick», dass der FCB A-fonds-perdu-Beiträge des Bundes beantragen werde: «Selbstverständlich, wir sind nicht die Verursacher dieser Krise und wir haben stets die Auflagen der Behörden und Gesundheitsämter befolgt.»

Leihspieler Jorge verletzt sich im Spitzenspiel gegen YB schwer am Knie: Mit einem Kreuzbandriss fällt er für den Rest der Saison aus und wird wohl nicht mehr für den FCB auflaufen.
Leihspieler Jorge verletzt sich im Spitzenspiel gegen YB schwer am Knie: Mit einem Kreuzbandriss fällt er für den Rest der Saison aus und wird wohl nicht mehr für den FCB auflaufen.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Nach drei Siegen in Folge trifft der FCB am 16. Dezember auf YB und könnte sich mit einem Sieg auf den ersten Platz in der Tabelle schieben. Doch das Team von Ciriaco Sforza ist chancenlos und verliert 0:2. Verteidiger Jorge reisst sich das Kreuzband und fällt für den Rest der Saison aus.

Schrecksekunde im Spiel gegen den FC St. Gallen am 19. Dezember: Raoul Petretta muss nach einem Kopfball minutenlang behandelt werden. Der Verteidiger hat eine Erschütterung des oberen Rückenmarks erlitten.

Am 23. Dezember bestreitet der FC Basel das letzte Spiel eines bewegten Jahres. Effiziente Basler gewinnen mit nur 39 Prozent Ballbesitz 2:1 beim FC Luzern – bei einem Schussverhältnis von 11:34.

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7 Kommentare
    Martin Morten

    Immerhin ist der „keine vo uns“ seit heute auf einem Champions League Platz in Schland. Der letzte Top Trainer beim FCB.