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Lärmige Strasse sorgt für zahlbare Mieten

Die Rosengartenstrasse in Zürich soll in eine Quartierstrasse mit Tempo 30 verwandelt werden. Nicht alle Anwohner freuen sich darüber.

Wenn es nach dem Zürcher Stadtrat und Regierungsrat geht, wird Zürich-Wipkingen zum Wohnen bald noch attraktiver. Die Rosengartenstrasse, die dichtbefahrenste Hauptstrasse der Schweiz, soll in eine Quartierstrasse mit Tempo 30 und einem neuen Tram umgewandelt werden. Der Verkehr verschwindet in einem Tunnel. Erwartete Kosten: 1 Milliarde Franken.

Die Meinungen der Anwohner zu diesen Plänen gehen auseinander. Aus der Bäckerei an der Ecke Lehenstrasse/Rosengartenstrasse kommt eine junge Familie. Sie trägt den Krautstiel vom Markt, er das Baby im Tragetuch, an ihnen vorbei rauscht der Verkehr hinunter in die Stadt. «Wipkingen gefällt uns ausgesprochen gut, wir geniessen die Nähe zum Wald und Fluss», sagt Jonas Alig und lässt sich nicht ablenken vom Hupen der Lastwagen.

«Die Rosengartenstrasse ist zwar stinkig und lärmig, aber sie sorgt für zahlbare Wohnungen und eine gewisse Durchmischung des Quartiers», sagt Alig. Wenn nun der Verkehr verschwinde, erreiche die Gentrifizierung einen weiteren Teil der Stadt. «Ich befürchte, dass Wipkingen dann zu einem Quartier für den oberen Mittelstand würde: sauber und schön, aber langweilig.»

Graue Scheiben, Staub auf den Tischen

Die junge Familie lebt einige Hundert Meter von der Rosengartenstrasse entfernt, dort, wo der Lärm der Autos in den Hintergrund rückt und die Fassaden frisch gestrichen sind. Direkt an der Rosengartenstrasse ist Wipkingen alles andere als sauber und schön. Dort helfen sich die Anwohner mit Lärmschutzwänden, als lebten sie neben einer Autobahn. Auch das Primarschulhaus Nordstrasse, das unmittelbar an der Strasse liegt, ist darin eingepackt. Durch grau verschleierte Scheiben erhascht man Blicke auf Schüler, die auf dem Pausenplatz spielen. Wer sich mit einem der wenigen Spaziergänger auf dem Trottoir unterhalten will, muss gegen Verkehrslärm anschreien.

Ein Mann mit Goldkette und Brusthaar steht im Türrahmen einer Bar und raucht. Herr Poslu heisst er, seit 20 Jahren lebt er im Quartier. Den Wirt stört der Staub, den die Abgase auf seinen Tischen draussen hinterlassen. Aber auch der Lärm. «Das gibt Kopfschmerzen», sagt er, «ein Tunnel wäre natürlich super.» Angst, dass die Mieten steigen und er deshalb ausziehen müsste, hat Poslu nicht. Zwar zahle er nicht viel Miete. Aber: «Es ist sowieso schon teuer hier in Wipkingen, eine 3-Zimmer-Wohnung bekommst du nicht unter 1600 Franken im Monat.»

Autos verbannen

Die Rosengartenstrasse zerschneidet das Quartier wie eine unsichtbare Mauer. Wer sie überqueren will, muss auf eine der Unterführungen ausweichen und zum Teil grosse Umwege machen. Deshalb ist Marlies Schwab, die vor einigen Jahren in einen ruhigen Teil des Quartiers zugezogen ist, eine Befürworterin des Tunnels. «Dann wären die Autos endlich weg», sagt sie.

Vor dem Supermarkt am Wipkingerplatz ist um die Mittagszeit viel los, junge Mütter schieben Kinderwägen oder fahren auf Velos vorbei. Eine davon ist Vera Briner. Die Velofahrerin, die von ihrem kleinen Sohn auf dem Trottinett begleitet wird, schwärmt von der Nähe zur Natur, die Wipkingen bietet. «Die Rosengartenstrasse ist für mich kein Problem, weil ich nicht direkt daran wohne.» Als ÖV-Benutzerin und Velofahrerin finde sie es grundsätzlich gut, wenn man Autos verbanne. Doch was sie von den Plänen zur Beruhigung der Rosengartenstrasse halten soll, weiss Briner noch nicht. Der jahrelange Umbau der Hardbrücke sei mühsam gewesen. «Natürlich wäre eine ruhigere Strasse lässig – aber ist das den Aufwand wert?», fragt sie zum Abschied.

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