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Kapitän konnte nicht bremsen – drei Schwerverletzte

Ein Passagierschiff ist bei Küsnacht in den Anlegesteg geprallt. Das hatte vor allem für einen der Schiffsköche gravierende Folgen.

Die MS Albis prallte in den Anlegesteg von Küsnacht (20. April 2016).
Die MS Albis prallte in den Anlegesteg von Küsnacht (20. April 2016).
Reto Oeschger
Als es zum Unfall kam, waren 60 Passagiere an Bord.
Als es zum Unfall kam, waren 60 Passagiere an Bord.
Reto Oeschger
Der Kapitän habe offensichtlich nicht bremsen können.
Der Kapitän habe offensichtlich nicht bremsen können.
Reto Oeschger
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Auf dem Zürichsee ist es am Mittwochnachmittag kurz nach 13 Uhr zu einem schweren Unfall gekommen. Die «MS Albis» prallte laut einer Mitteilung der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) aus noch ungeklärten Gründen in den Steg. Dabei sind laut der Kantonspolizei zehn Personen verletzt worden, drei davon schwer.

Eine Augenzeugin erzählt, was passiert ist. Video: Lea Koch und Stefanie Hasler

Eine Augenzeugin des Unglücks sagt, das Schiff sei mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit gefahren kommen. «Man merkte gleich, dass da etwas nicht stimmte.» Der Kapitän habe offensichtlich nicht bremsen können. Kurz bevor das Schiff in den Steg prallte, habe er laut «Achtung!» gerufen. Die Leute, die auf das Schiff warteten, hätten sich alle in Sicherheit bringen können.

Von heissem Öl verbrannt

Kurz darauf waren Polizei, Ambulanz und die Rega vor Ort und bargen die Verletzten. Laut der Polizei handelt es sich bei einem der Schwerverletzten um einen Mann, der zum Zeitpunkt des Unfalls in der Schiffsküche an der Fritteuse beschäftigt war. Er erlitt schwere Verbrennungen und musste mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden. Zu den anderen beiden Schwerverletzten ist nichts Näheres bekannt.

Die Mediensprecherin der Polizei zum Unglück. Video: Lea Koch und Stefanie Hasler

An Bord des Unglückschiffs befanden sich laut Polizei mehr Leute als ursprünglich angenommen, nämlich rund 60 Personen. Die ZSG hatte in einer ersten Meldung nur von etwa 25 Passagieren gesprochen. Zusätzlich zu den zehn Verletzten, zu denen auch der Kapitän gehört, zog sich etwa ein Dutzend Personen beim Aufprall Bagatellverletzungen wie Schürfungen zu. Sie wurden vor Ort medizinisch versorgt.

Untersuchung aufgenommen

Das am Bug sichtbar eingedellte Schiff befand sich zwei Stunden nach dem Vorfall noch immer vor Ort. Laut dem Geschäftsleiter der ZSG ist die Hülle nicht stark beschädigt worden. Nur ganz vorn sei sie etwas eingedrückt. Die sogenannte Scheuerleiste, die deutlich zerschrammt ist, habe ihren Zweck erfüllt.

ZSG-Verwaltungsrat Peter Weber sorgt sich um die Verletzten. Video: Lea Koch und Stefanie Hasler

Die Untersuchungen des genauen Unfallhergangs laufen nun. Die Kantonspolizei Zürich arbeitet dabei mit der Staatsanwaltschaft See/Oberland zusammen.

Am Steg in Küsnacht machte sich auch Peter Weber, der Verwaltungsratspräsident der Schiffahrtsgesellschaft, ein Bild der Situation. Er ist seit 1994 dabei, und für ihn war rasch klar: «Ich habe noch nichts Vergleichbares erlebt.»

Die gravierendsten Zwischenfälle auf dem Zürichsee

Unfälle mit Verletzten sind auf dem Zürichsee selten. Nachfolgend eine Chronologie der gravierendsten Vorfälle in den vergangenen 10 Jahren, bei denen Schiffe der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) betroffen waren:

  • 20. April 2016: Die «MS Albis» mit 60 Passagieren an Bord prallt in Küsnacht in den Anlegesteg. Zehn Personen werden verletzt, davon drei schwer.
  • 17. Juli 2015: Bei der Durchfahrt durch den 20 Meter schmalen Hurdenkanal zwischen Pfäffikon und Altendorf SZ wird der Raddampfer «Stadt Rapperswil» von einer Windböe erfasst und läuft auf Grund. Beim Zwischenfall wird eine Service-Angestellte leicht verletzt, weil wegen der Erschütterung eine Kaffeemaschine zu Boden fällt. Am Raddampfer entsteht ein Schaden in Höhe von rund 300'000 Franken.
  • 24. April 2014: Am Zürcher Bürkliplatz fährt das Motorschiff «Limmat» beim Anlegen in die Quaimauer. Fünf Fahrgäste werden verletzt. Am Schiffsbug entsteht ein Sachschaden von rund 50'000 Franken.
  • 12. August 2008: Wegen eines Fahrfehlers des Kapitäns kollidiert die «Panta Rhei» am Zürcher Bürkliplatz mit der Quaimauer. Dabei entsteht Schaden von rund 10'000 Franken. Zwei Tage später kann das Schiff bereits wieder in See stechen.
  • 13. Juli 2007: Bei einer Abendrundfahrt kollidiert die «MS Helvetia» mit einem kleinen Motorboot. Verletzt wird niemand und es entsteht auch nur geringer Sachschaden.
  • 2. August 2007: Vor Horgen bleibt die «MS Helvetia» mit einem Getriebeschaden liegen. 27 Passagiere müssen von der Seepolizei evakuiert und an Land gebracht werden.
  • 7. August 2007: Beim Zürcher Rathaus rammt ein Limmatschiff der ZSG einen Brückenpfeiler. Dabei wird ein 23-jähriger Kassier am Kopf und an der Hand verletzt. Passagiere waren keine an Bord.
  • 22. Mai 2005: Nach einer Kursänderung wegen eines Pedalos berührt das Dampfschiff «Stadt Zürich» den Grund. Wegen eines Lecks kann das Schiff zwei Wochen nicht eingesetzt werden. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 50'000 Franken.

SDA/hvw/hub/an

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