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Zweifel an offizieller Begründung des Polizeikessels

Ein internes Dokument der Zürcher Stadtpolizei deutet darauf hin, dass die Einkesselung von Hunderten Fussballfans im Februar 2015 von Anfang an geplant war.

Nachdem der Befehl «Kessel FCZ» erteilt wurde: Festgehaltene Fans auf der Badenerstrasse. Bild: Tele Züri
Nachdem der Befehl «Kessel FCZ» erteilt wurde: Festgehaltene Fans auf der Badenerstrasse. Bild: Tele Züri

Eine Affäre, die für die Zürcher Stadtpolizei schon fast ausgestanden schien, erhält nach eineinhalb Jahren plötzlich wieder neue Brisanz: Am 21. Februar 2015, vor dem Zürcher Fussballderby, kesselte die Polizei über 700 Fans des FC Zürich ein und hielt diese zum Teil stundenlang fest. Erst als sie alle Personalien erfasst hatte, liess sie die letzten laufen.

Offiziell hat die Polizei dieses Vorgehen stets mit der bedrohlichen Situation begründet: Die Fans hätten zahlreiche verbotene Pyros gezündet. Aus Fankreisen kam postwendend der Widerspruch, es habe nicht mehr Feuerwerk gegeben als während anderen Fanmärschen auch. Das Ganze mache den Eindruck einer lange geplanten Aktion – zumal die Polizei selbst im Jahr 2013 in einer ähnlichen Situation bewiesen hatte, dass sie solche Situationen auch mit sanfteren Methoden zu entschärfen verstünde.

Im Zusammenhang mit einem laufenden Strafverfahren gegen den damaligen Einsatzleiter der Polizei hat die Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens nun ein internes Dokument der Polizei publik gemacht, das Zweifel an der offiziellen Darstellung aufkommen lässt. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Einsatzbefehl der Polizei. Dieser ist datiert auf den 18. Februar – also drei Tage vor dem Fussballspiel.

Aufgeführt ist nur die Variante mit Kessel

Im Einsatzbefehl ist unter dem Stichwort «Marsch und Kessel FCZ» beschrieben, wie die Polizei vorgehen soll. Unter anderem wird dort ausgeführt, dass die Polizisten die Fans in die Zange nehmen sollen, wenn der Befehl «Kessel FCZ» gegeben wird. Der Anwalt Karl Kümin, Vertreter einer im Kessel festgehaltenen Frau, streicht heraus, dass laut Einsatzbefehl beim FCZ-Fanmarsch nur das Vorgehen mit Kessel vorgesehen gewesen sei. Dies im augenfälligen Unterschied zum Marsch der GC-Fans, die von der anderen Seite her Richtung Stadion zogen. Dort habe es zwei Varianten gegeben: eine mit Kessel, eine ohne.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei, widerspricht und verteidigt den Einsatzleiter. Dieser habe die Absicht erklärt, einen friedlichen Fanmarsch nicht zu stören. Als er aber gesehen habe, dass die Fans Pyros zündeten und dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdeten, sei der Befehl zur Einkesselung gegeben worden. Die erwähnte Einsatzplanung sei ausschliesslich auf diesen Fall zugeschnitten gewesen.

Bilder von Kamerateam unter Verschluss

Anwalt Kümin erhebt noch einen weiteren Vorwurf. Er hat von der Staatsanwaltschaft eine Auswahl der Polizeivideos über den Einsatz bekommen, aber das Material sei sehr einseitig zusammengestellt: Es seien nur 25 Minuten über den Kessel darunter, aber Stunden über all das, was rundum geschah. «Das macht mich sehr stutzig», sagt Kümin. «Von einem Kamerateam haben wir gar keine Aufnahmen erhalten.»

Die Zürcher Staatsanwaltschaft rechtfertigt ihre Auswahl laut «Schweiz aktuell» wie folgt: «Die Staatsanwaltschaft hat, wie in solchen Fällen üblich, das umfangreiche Material gesichtet und das relevante Material für die Beurteilung der Frage, ob die Kesselung angemessen war oder nicht, den Parteien zukommen lassen.»

Das Verfahren gegen den zuständigen Einsatzleiter steht laut dem TV-Bericht kurz vor der Einstellung stehen. Die Staatsanwaltschaft betrachte das Vorgehen der Polizei an jenem Tag offenbar als angemessen. Heute Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sie die Angelegenheit nicht weiter verfolgt. Weitere Angaben machte sie nicht.

SDA/hub

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