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Das Monster von Rom

Von allen europäischen Hauptstädten hat das ewig schöne Rom die traurigsten Vororte. Verlassen, vernachlässigt, verachtet. Ein Tag in Tor Bella Monaca, der Römer Bronx.

Tor Bella Monaca, kurz TBM, ist das Resultat aus anarchischem Wachstum und korrupter Stadtpolitik. Foto: LUZphoto, Fotogloria
Tor Bella Monaca, kurz TBM, ist das Resultat aus anarchischem Wachstum und korrupter Stadtpolitik. Foto: LUZphoto, Fotogloria

Ortstafeln sind wie Willkommensgrüsse, normalerweise. In Tor Bella Monaca hat jemand mit schwarzem Spray die letzte Silbe abgeändert. Ein kleiner Eingriff, eine Deutung. «Tor Bella Monster», steht da auf dem Schild. Mehr Warnung als Gruss. Hierher kommt man nicht, wenn man nicht muss.

«Pass auf, wenn du hinfährst», hatte der Lokalchef der Römer Zeitung «La Repubblica» gesagt, «aus dem Zentrum Roms nach Tor Bella Monaca sind es nur 25 Kilometer. Aber man reist da in eine andere Welt, in unsere eigene Dritte Welt. Der Staat kontrolliert dort nicht alles.» Tor Bella Monaca ist immer noch Rom, Osten der Stadt, wo die Sommerresidenz der Päpste steht, VI. Bezirk, 150'000 Einwohner auf engem Raum. Und doch weit weg, hohe Kriminalitätsrate, ein Haufen Drogen, 250 Sträflinge unter Hausarrest, noch mehr Familien mit Mitgliedern im Gefängnis. Und viel Armut, existenzielle Armut. Ausfahrt 18 auf dem Grande Raccordo Anulare, der grossen Ringstrasse Roms. Die Römer nennen Tor Bella Monaca auch «unsere Bronx». Oder TBM: ti-bi-emme.

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