Auf Malta liegen schwere Schatten

Auf Malta wurde möglicherweise der Auftraggeber des Mordes an einer Journalistin verhaftet. Das sollte auch Brüssel zu denken geben.

Die Schwester von Daphne Caruana Galizia platziert ein Foto der ermordeten Journalistin auf dem Auto des maltesischen Justizministers. Foto: Guglielmo Mangiapane

Die Schwester von Daphne Caruana Galizia platziert ein Foto der ermordeten Journalistin auf dem Auto des maltesischen Justizministers. Foto: Guglielmo Mangiapane

Oliver Meiler@tagesanzeiger

Klein, schön gelegen, mildes Klima. Nach Malta fuhr man früher, um Englisch zu lernen, ohne sich das englische Wetter antun zu müssen. Nun gehen die Jungen dahin, um zu feiern. Das katholische Land zwischen Sizilien und Afrika, 450'000 Einwohner, ist zu einer wilden Partydestination geworden, wie es Mallorca und Ibiza sind. Mit Casinos, Nachtlokalen, Restaurants, die besten DJs legen in St. Julian’s auf. Wirtschaftlich wuchs der kleinste Mitgliedsstaat der Europäischen Union in jüngerer Vergangenheit so ansehnlich, dass man ihn für ein Erfolgsmodell halten könnte.

Lägen da nicht diese schweren Schatten auf dem Archipel. Sie handeln von Geldwäsche, Korruption, beides im grossen Stil, und von einem Mord mit politischen Konturen.

Seit dem Bombenattentat auf das Auto der Bloggerin Daphne Caruana Galizia, der furchtlosen Enthüllungsjournalistin, im Herbst 2017 fragen sich die Malteser, ob das völlig Undenkbare womöglich denkbar sein könnte. Ob also Daphne, wie sie alle nennen, umgebracht wurde, weil sie aufgedeckt hatte, dass prominente Mitglieder der maltesischen Regierung Firmen und Konten in fernen Ländern führten, um dort Schmiergeld zu verstecken – in Panama, in Neuseeland. Geld etwa aus einem Energiedeal mit einem befreundeten ­Unternehmer, der dafür ein Monopol versprochen erhielt.

Nun ist dieser Unternehmer festgenommen worden, er heisst Yorgen Fenech. Er wollte mit seiner schönen Jacht türmen, die Marine konnte ihn gerade noch stoppen. Alle anderen Fährten verpuffen, sie dienten der Ablenkung. Und plötzlich ist das Undenkbare sehr real denkbar. Die tödliche Gier nach Geld hat offenbar direkte Verbindungen in die Spitze einer europäischen Regierung, tief hinein in die Zentrale der Macht. Fenech soll den Kabinettschef des Premierministers und den damaligen Energieminister geschmiert haben, das jedenfalls ist der Verdacht. Und obschon er das kleinste Mitglied betrifft, drei Inselchen im Mittelmeer, sollte das auch in Brüssel zu denken geben, ganz dringend sogar.

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